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Unwetterwarnung aufgehoben : Mit Video: Sturm in SH - Baum erschlägt Autofahrerin bei Kiel

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Tief „Barbara“ sorgt für einen unruhigen Ausklang der Weihnachtstage. Auch der Fährverkehr war eingeschränkt.

shz.de von
erstellt am 27.12.2016 | 07:45 Uhr

Kiel/Westerland/Hamburg | Die Weihnachtstage haben sich mit stürmischem Wetter verabschiedet. In der Nacht zum Dienstag gab es vor allem in Norddeutschland heftige Böen, Hochwasser und vereiste Straßen. Mancherorts wurden gar Orkanwinde der höchsten Stufe 12 gemessen. Der Deutsche Wetterdienst hatte am Montag eine Sturmwarnung für Schleswig-Holstein und Hamburg herausgegeben, die am Dienstagmorgen für alle Bereiche wieder aufgehoben wurde.

Bei Kiel kam am Abend eine 34 Jahre alte Autofahrerin ums Leben, als ein wegen des Sturms umstürzender Baum auf ihr fahrendes Auto krachte. Der 24 Jahre alte Freund der 34-Jährigen wurde lebensgefährlich verletzt, wie ein Feuerwehrsprecher am Dienstagmorgen sagte. Erst nach einer Stunde gelang es Rettungskräften, ihn mit schwerem Gerät aus dem Wrack zu befreien. Der Baum hatte das Auto am Montagabend auf einer Landstraße bei Westensee (Kreis Rendsburg-Eckernförde) getroffen. Die Straße war stundenlang gesperrt. Es musste dort auch noch ein weiterer Baum gefällt werden.

Laut dem Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) gab es an der Nordseeküste Pegel von teilweise über zwei Metern. Dem Seewetterdienst zufolge kam es dort mancherorts - etwa auf der Insel Sylt - zu nächtlichen Windböen der Stärke 11, an der Ostseeküste vereinzelt sogar zu Böen der höchsten Stufe 12 mit bis zu 120 Stundenkilometern.

In Dagebüll wurden weite Teile des Fähranlegers überflutet. Gischt spritze meterweit an den Fähranlegern hoch. Viele Einheimische und gestrandete Touristen, die eigentlich mit den Fähren fahren wollten, verfolgten die Naturgewalten im Hafen.

Der Fähranleger in Dagebüll wurde überflutet.

Der Fähranleger in Dagebüll wurde überflutet.

Foto: Daniel Friederichs

In Harmsdorf im Kreis Ostholstein stürzte am Abend eine große Linde auf ein Wohnhaus. Die Wucht des Aufpralls war so stark, dass ein dicker Ast direkt im Sofa der dort lebenden Familie stecken blieb. Zum Glück befand sich die Familie zu diesem Zeitpunkt in der anderen Hälfte des Hauses von 1780. Die Feuerwehr konnte den Baum mit einem Kran aus dem Dach herausheben, welches an einigen Stellen stark zerstört war. Angaben über die Schadenshöhe konnten noch nicht gemacht werden.

Das Dach des historischen Hauses war teilweise stark zerstört.

Das Dach des historischen Hauses war teilweise stark zerstört.

Foto: Arne Jappe / Nyfeler

Kurz vor Ahrensburg flog eine mächtige Tanne in den Lärmschutzwall der A1. Die Krone des Baumes ragte in die Fahrbahn hinein, sodass zwei Fahrspuren in Richtung Hamburg für die Zeit der Bergungsarbeiten gesperrt werden mussten.

Eine Tanne flog in den Lärmschutzwall der A1.

Eine Tanne flog in den Lärmschutzwall der A1.

Foto: Peter Wüst
 

Auf Sylt musste wegen des Sturms das „32. Weihnachtsbaden auf Sylt“ abgesagt werden. Der Syltshuttle verkehrte am Dienstag wieder planmäßig.

Insgesamt gab es in Schleswig-Holstein rund 200 Einsätze der Feuerwehr, in Hamburg über 80. Weitere Verletzte gab es den Angaben der Polizei zufolge nicht.

Auch in Hamburg setzten die Orkanböen verschiedene Hafenbereiche an der Elbe unter Wasser. Dem Lagezentrum der Polizei zufolge lag der Scheitelpunkt des Hochwassers in der Nacht zum Dienstag 2,73 Meter höher als das mittlere Hochwasser. Straßen im Hafengebiet und unter anderem auch der Fischmarkt wurden dadurch überflutet. Am Dienstagmorgen waren die Überschwemmungen weitgehend wieder abgelaufen.

In der Nacht kam es zu ersten Überschwemmungen in Hamburg.

In der Nacht kam es zu ersten Überschwemmungen in Hamburg.

Foto: Sebastian Peters

In der Hafencity lief eine Tiefgarage voll. Sie stand bis zu einer Höhe von etwa 70 Zentimetern unter Wasser, wie die Feuerwehr mitteilte. 500.000 Liter Wasser seien eingedrungen. Rund 20 Feuerwehrkräfte waren am Dienstagmorgen im Einsatz, um die Garage wieder leer zu pumpen.

Für die Feuerwehr gab es in Hamburg mehr als 80 wetterbedingte 80 Einsätze. „Hierbei handelte es sich überwiegend um umgestürzte Baugerüste, Bäume oder abgebrochene Äste die durch die Einsatzkräfte beseitigt werden mussten“, teilte die Feuerwehr mit. Außerdem mussten Siele von Laub befreit und mit Regenwasser vollgelaufene Keller ausgepumpt werden.

In Hamburg-Langenhorn drohte ein Baugerüst umzustürzen und andere Häuser zu beschädigen. Den Angaben der Polizei zufolge lösten sich am Montagabend Teile des Gerüstes und flogen herum. Demnach mussten 15 Bewohner vorsorglich ihre Häuser verlassen.

Einen weiteren Einsatz gab es an den Hamburger Messehallen. Wegen des starken Windes waren dort am Montagnachmittag etwa 40 Zentimeter große Betonteile von Stützpfeilern des Messegebäudes abgebrochen und auf den Gehweg gefallen, wie der Sprecher sagte. Der Bereich wurde mit einem Bauzaun abgesichert. Verletzte gab es nach ersten Erkenntnissen nicht.

Facebook-Nutzer schickten der Redaktion einige Fotos vom Sturm und ansteigendem Wasserspiegel:

<p>Sturmflut in Dagebüll: Die Nordsee ist bereits über das Ufer getreten.</p>

Sturmflut in Dagebüll: Die Nordsee ist bereits über das Ufer getreten.

Foto: Sabrina Palatzke
<p>Wellen peitschen gegen den Fähranleger in Dagebüll.</p>

Wellen peitschen gegen den Fähranleger in Dagebüll.

Foto: Sabrina Palatzke
 
<p>Am Husumer Hafen ist der Wasserspiegel höher als sonst.</p>

Am Husumer Hafen ist der Wasserspiegel höher als sonst.

Foto: Marcel Arndt

Wie stark die Sturmböen bereits am Montagnachmittag waren, zeigt dieses Video eines Facebook-Nutzers.

 

Alle aktuelle Informationen zu Wetterwarnungen gibt es auch auf der Seite des Deutschen Wetterdienst.

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