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Wärmebildkameras für die Polizei : Mit Video: Einbrecher – wie Fackeln im Dunkeln

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Polizei in Schleswig-Holstein präsentiert eine neue Wärmebildkamera: Selbst im Dickicht können Kriminelle sich nicht mehr verstecken.

shz.de von
erstellt am 14.Feb.2017 | 15:14 Uhr

Kiel | Sie sieht sogar die Fußspuren der Täter, die Beamten müssen ihnen nur noch folgen. Seit anderthalb Monaten nutzt die Polizei in Schleswig-Holstein Wärmebildkameras bei der Jagd auf Einbrecherbanden, ist damit bundesweit Vorreiter. Gegenüber shz.de hat sie jetzt ihre neue Geheimwaffe enthüllt.

 

Das Gerät ist kompakt wie eine kleine Videokamera, kostet allerdings 3000 bis 5000 Euro, je nach Ausführung. Dafür bekommen die Polizisten klare Sicht bei völliger Dunkelheit. „Die Erfolge ließen nicht lange auf sich warten“, sagt Vize-Landespolizeidirektor Joachim Gutt. „In drei Fällen haben wir bereits Einbrecher mit Hilfe der Kameras gefasst.“

Der Clou ist: Kriminelle können ihre Körpertemperatur nicht verbergen. Alles, was Wärme abstrahlt, ist beim Blick durch das Okular zu erkennen. „Als wenn eine Fackel im Dunkeln geht“, sagt Frank Oesinghaus, beim Landespolizeiamt zuständig für die Beschaffung der Geräte. „Man sieht mehr und weiter als mit jedem Nachtsichtgerät.“

Am 19. Januar stiegen zwei Einbrecher in Schwentinental (Kreis Plön) in das Haus einer 91 Jahre alten Dame. Die hörte nichts, aber ihre Nachbarn wählten den Notruf. Der erste Streifenwagen am Tatort hatte keine Wärmebildkamera an Bord. Die Beamtin: „Die Täter waren aus einem Fenster im ersten Stock gesprungen, über einen Feldweg geflüchtet. Bei der Verfolgung hörten wir Äste knacken, konnten trotz Taschenlampen niemanden entdecken.“

„Abseits der Bebauung ist es stockdunkel, das nutzen Täter, ihre Fluchtwege führen immer in die Peripherie“, sagt Polizeihauptkommissarin Jessica Schäller. Sie leitete in dieser Nacht die 25-köpfige operative Spezialgruppe, die in Kiel für die Jagd auf Einbrecher ins Leben gerufen worden ist. Und schickte Teams mit zwei Wärmebildkameras los. „Wir postierten sie an Übergängen des Bahndamms, entdeckten dort einen der Täter.“ Der 26-Jährige wurde festgenommen, kam in U-Haft.

Die Beute, Schmuck und Bargeld, hatten die Männer weggeworfen – dank der Wärmebildkameras wurden sie aber gefunden. „Was Personen in der Hand gehalten oder nur berührt haben, besitzt eine Restwärme und lässt sich aufspüren“, erklärt Oesinghaus und zeigt, dass sogar Abdrücke von Schuhen sichtbar sind. „Wir können also auch in die Vergangenheit schauen, etwa eine Stunde lang.“

Beute oder Einbruchswerkzeug zu finden, ist wichtig, um die Täter zu überführen. Frank Matthiesen, stellvertretender Leiter der Polizeidirektion Kiel, betont einen weiteren Vorteil des Geräts: „Die Wärmebildkamera dient der Eigensicherung. Die Beamten laufen nicht mehr ins offene Messer, weil die Umgebung schnell gescannt werden kann. Selbst hinter Büschen oder im Dickicht sind Täter leicht zu erkennen. So lässt sich eine Lage erfassen, der Zugriff optimieren.“

Auf die Idee, Wärmebildkameras anzuschaffen, kam die Polizeispitze vergangenes Jahr nach erfolgreichen Einbrecher-Fahndungen, bei denen der Bundespolizei-Hubschrauber, ausgerüstet mit einer Wärmebildoptik, half. „Die Maschine kann aber nicht bei jedem Wetter fliegen“, sagt Vize-Landespolizeidirektor Gutt. „Da haben wir uns dann von der Technik der Spezialkräfte inspirieren lassen.“ Innenminister Stefan Studt (SPD) schaufelte 84.000 Euro im Landeshaushalt frei und ließ 32 Geräte anschaffen, die auf die Direktionen verteilt wurden. Er sagt: „Wir wollen den Tätern nach Möglichkeit immer einen Schritt voraus sein. Wer in diesem Land einen Einbruch plant, sollte wissen: Die Polizei ist bestens vorbereitet.“

Wie die Geräte funktionieren, ließ sich der Minister unweit des Tatorts in Schwentinental zeigen – und bekam gleich noch eine Wunschliste mit. Polizeihauptkommissarin Jessica Schäller: „Bei der Suche nach Einbrechern geht es um Minuten. Es wäre schön, jeweils eine Wärmebildkamera griffbereit auf jeder Dienststelle zu haben.“ Studt versprach: „Wir werden den Bedarf ermitteln, möglichst schnell mehr beschaffen.“

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