Antrittsbesuch : Mit Torsten Albig in Dänemark

Wollen sich häufiger treffen: Torsten Albig und Helle Thorning-Schmidt.
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Wollen sich häufiger treffen: Torsten Albig und Helle Thorning-Schmidt.

Völkerverständigung: Torsten Albig war zu Besuch in Dänemark. Ein Blick hinter die Kulissen von Diplomatie und politischer Kommunikation.

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16. Oktober 2012, 08:50 Uhr

Kopenhagen | Bevor es richtig beginnt, legt Torsten Albig schon los. Der Ministerpräsident sitzt am Abend vor dem Start des offiziellen Programms seines Antrittsbesuchs in Kopenhagen in einem Restaurant am Tivoli - und redet. Reden wird Albig in diesen Tagen viel. Doch schon jetzt erklärt er mitgereisten Beamten, Journalisten und Diplomaten, warum der Bau der festen Fehmarnbeltquerung so wichtig für "alle" ist. "Das ist nicht nur ein Projekt, bei dem Beton ins Wasser gekippt wird", sagt er, es sei eine Chance für zwei Länder gemeinsam Wachstum zu erzielen. Und nach dem Essen erklärt er noch, dass es unter seiner Regierung keine einseitigen Kürzungen bei dänischen Schulen geben werde, und dass er das ansprechen wolle bei seinen dänischen Gastgebern. Und er will es menscheln lassen in Dänemark und kommt deswegen auch schnell auf seinen Lieblingsfußballclub Arminia Bielefeld. Denn wenn man vorwiegend männlich dominierte Runden unterhalten will, in denen geschäftliches mit privatem vermischt werden soll, dann geht das am besten mit Fußballthemen.
Kein Zweifel: Albig ist ein großer Kommunikator, als Ex-Pressesprecher weiß er, wie man Themen setzt - und dass man sie bei allen Gelegenheiten wiederholen muss, bis sie beim Gegenüber ankommen.
Strammes Programm
Und so transportiert der nette und freundliche Albig seine Botschaften auf jeder Station in seinem strammen zweitägigen Programm. Von Kopenhagen sieht der Ministerpräsident wenig. Wie ein Staatsgast wird Albig in einer von Polizeimotorrädern eskortierten Kolonne durch die Stadt kutschiert. Tür auf, rein, Begrüßung, Gespräch, Fototermin, Kurzinterview, weiter geht’s.
Sein erster Termin beim Außenminister ist gleich ein Super-Erfolg, weil alle Botschaften sitzen. Die Schulen und das bessere Klima zwischen den Ländern werden thematisiert. Und Albig sagt hinterher, dass er Villy Søvndal deutlich gemacht habe, dass die Fehmarnbeltquerung nicht auf der Insel enden dürfe, sondern bis Ostholstein weiter führen müsse. "Das ist mehr als nur Beton ins Wasser zu kippen." Und am Ende läuft es auch menschlich exzellent, weil der Minister von Bad Oeynhausen erzählt - und auch noch etwas mit dem benachbarten Bielefeld anfangen kann. Albig ahnt da nicht, dass dieser Doppelpass noch von Transportminister Henrik Dam Kristensen getoppt wird, als der ihm sagt, dass die Arminia, die in der dritten Liga kickt, ein großer Verein sei.
Nicht nur Beton ins Wasser kippen
Zu dumm, dass Albig mit Königin Magrethe II. nicht übers Kicken Konversation treiben kann. Denn die will weder über Sport noch Politik reden, sondern über Kultur. Aber Albig kann auch das. Vorschriftsmäßig verbeugt er sich vor der Monarchin und gibt sich hinterher gelassen. Hat es Zeichen von Nervosität gegeben? "Bei der Königin nicht", scherzt Albig. Und er selbst habe sich beim Reden "etwas zurückgenommen".
Doch das ist schnell vorüber als Albig zum nächsten Termin eilt. Das sozialdemokratische dänische Urgestein Mogens Lykketoft fällt seinem deutschen Parteifreund fast um den Hals - so gut verstehen sich die beiden spontan. Da ist es Zeit für Albig auch anderen ein paar neue Bälle zuzuspielen. Die feste Beltquerung muss jetzt nicht nur bis Ostholstein gehen, sondern schon bis Hamburg, sagt er allen. Es genüge nicht, nur Beton ins Wasser zu kippen, denn sonst - und das ist neu - werde Deutschland zur europäischen Lachnummer. Die Journalisten schreiben mit, das Zitat trägt für eine Schlagzeile.
Deutsch-dänische Beziehung

Doch Albig ist noch nicht am Ende. Nach einem Tag Dauer-Kommunikation folgt der nächste mit Besuchen bei der dänischen Industrie, der Planungsgesellschaft für den Belttunnel, denn schließlich dürfe man nicht nur Beton...
Und genau das ist auch das Ergebnis des Gesprächs bei Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt. Leider kann Albig hier nicht über seine Arminia reden. "Das wär’s noch gewesen, oder?", sagt er hinterher. Aber es geht dann doch um die Gleichstellung der dänischen Schulen in Deutschland. Und die Verbesserung der Beziehungen zwischen Schleswig-Holstein und Dänemark. Das ist Thorning-Schmidt wirklich wichtig. Sie faltet die Hände, bei Albig sieht es eher aus als reibe er seine. Dabei guckt er nachdenklich, wie so häufig wenn seine Gesprächspartner etwas sagen. Die Sozialdemokratin spricht zu diesem Punkt nicht auf englisch wie sonst, sondern auf dänisch - um ganz präzise zu sein. "Ich freue mich besonders, einen Parteifreund neben mir stehen zu haben." Albig freut sich so sehr, dass in seinem Abschluss-Statement, die Verbindung über den Fehmarnbelt schon über Hamburg hinausreichen soll. Und er redet nicht mehr von einer Lachnummer, sondern von einer "Witzfigur", zu der Deutschland werde, wenn es die Hinterlandanbindung und die neue Querung des Fehmarnsundes nicht tüchtig vorantreibe. Aber das schreibt schon kein Journalist mehr auf. Denn Kommunikations-König Albig hat seine Grenze erreicht. Fast. Denn eines will er doch noch sagen. "Für das Projekt Fehmarnbelt reicht es nicht, nur Beton ins Wasser..."

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