Prozess am Landgericht Hamburg : Mit Droge GHB betäubt: 59-Jähriger soll 19-Jährige vergewaltigt haben

Der Ingenieur habe die Frau laut Anklage in seine Wohnung in Eimsbüttel gelockt und sich an ihr vergangen.

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26. Oktober 2018, 17:02 Uhr

Hamburg | In einem Prozess am Landgericht Hamburg geht es seit Freitag um einen besonderen Fall von Vergewaltigung. Laut Anklage soll ein 59-jähriger Deutscher eine junge Frau durch ein Getränk mit K.o.-Tropfen wehrlos gemacht und sie anschließend missbraucht haben. Die 19-Jährige hatte nach Angaben eines Gerichtssprechers per Kleinanzeige im Internet einen Job gesucht. Der Angeklagte soll ihr eine Stelle als Bürokraft angeboten haben.

Am Abend des 17. Juli soll er ihr in seiner Wohnung das Getränk verabreicht haben. Der Frau sei von der Droge schwindelig geworden, sie habe sich schwach und unwohl gefühlt, hieß es in der Anklage. Der 59-Jährige habe sie zunächst auf dem Sofa und dann auf dem Bett im Schlafzimmer missbraucht. Der 19-Jährigen gelang es schließlich, aus der Wohnung im Stadtteil Eimsbüttel zu flüchten.

Vergewaltigungsdroge GHB im Urin

Bei den K.o.-Tropfen handelte es sich laut Staatsanwaltschaft um 1,4-Butandiol. Die Substanz verwandelt sich im menschlichen Körper in eine Droge, die in niedriger Dosis berauschend wirkt, in höherer Dosis aber apathisch macht. Die Substanz Gamma-Hydroxybuttersäure (GHB) war nach Angaben des Gerichtssprechers nach der Tat im Urin des Opfers festgestellt worden.

Die Anklage lautet auf gefährliche Körperverletzung durch Beibringung von Gift und mittels eines hinterlistigen Überfalls sowie auf Vergewaltigung. Der Angeklagte wollte sich zunächst nicht zu den Vorwürfen äußern. Der Ingenieur war kurz nach der Tat in seiner Wohnung festgenommen worden. Die Polizei hatte nach eigenen Angaben bei einer Wohnungsdurchsuchung Beweismittel sichergestellt. Der 59-Jährige sitzt seit dem 18. Juli in Untersuchungshaft. Zum Prozess erschien er in weißem Hemd, grauer Krawatte, dunklen Jeans und Anorak.

Befangenheitsantrag gegen Richter

Seine Anwälte stellten einen Befangenheitsantrag gegen den Vorsitzenden Richter Sönke Pesch. Dieser habe eine Medienverfügung erlassen, die die Persönlichkeitsrechte des Angeklagten nicht ausreichend schütze. Filmaufnahmen und Fotos könnten eine „Prangerwirkung“ haben, es bestehe die Gefahr der Stigmatisierung, erklärte Anwalt Mirko Laudon.

Tatsächlich hatte der Richter den Bildberichterstattern aufgegeben, das Gesicht des Angeklagten unkenntlich zu machen. Die Verteidiger wollten jedoch eine sogenannte Poollösung, bei der jeweils nur ein Fotograf und ein Kameramann im Gerichtssaal Aufnahmen machen.

Diese sollten sie nur vollständig anonymisiert an ihre Kollegen weitergeben dürfen. Beim Prozessauftakt am Freitag fotografierten zwei Medienvertreter den Angeklagten, der sich die Kapuze seines Anoraks über den Kopf gezogen hatte und sich einen Aktendeckel vors Gesicht hielt. Das Gericht hat acht weitere Verhandlungstermine bis zum 17. Dezember angesetzt.

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