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Solidarische Landwirtschaft : Mit der Kuh-Aktie zum Bio-Hof

vom

Der Hof Fuhlreit in Kropp soll ökologischer werden. Doch die Familie Sierck kann sich den Umbau nicht leisten. Mit einer "Kuh-Aktie" soll sich das ändern. Als Dividende gibt es Milch.

shz.de von
erstellt am 09.Mai.2013 | 08:35 Uhr

Kropp | Seit 1881 ist der Hof Fuhlreit in Kropp im Besitz der Familie Sierck. Jörn Sierck führt den Betrieb in fünfter Generation, die sechste steht schon in den Startlöchern: Die beiden ältesten seiner drei Söhne absolvieren gerade ihre landwirtschaftliche Ausbildung, um den Hof in einigen Jahren weiterzuführen.
Auf dem Gottorfer Landmarkt sind die Siercks nicht vertreten. "Wer, wenn nicht ihr?", fragen deren Kunden verwundert, aber beim Hof Fuhlreit steht nicht Bio drauf, obwohl schon viel Bio drin steckt: Die 70 Kühe sind eine Zweinutzungsrasse, das heißt, sie sind nicht nur für die Milch-, sondern auch für die Fleischproduktion gezüchtet, sie werden erst ein halbes Jahr später als in den meisten anderen Betrieben tragend, die Siercks verzichten auf gentechnisch verändertes Futter und Saatgut, und nicht zu letzt kommen die Tiere an die frische Luft, haben große grüne Weiden zum Auslaufen.

Direkt in den Nachbarhof investieren


Das reicht aber nicht aus, um die strengen Richtlinien eines Bio-Betriebs zu erfüllen. Dafür müsste mehr Land her, große Umbaumaßnahmen an den Ställen wären nötig, die Tiere bräuchten einen teilüberdachten Laufhof. Das alles ist für Familie Sierck finanziell nicht zu stemmen. Gemeinsam mit dem Tierschutzverein Pro Vieh, der sich gegen tierquälerische Massentierhaltung einsetzt, wollen die Landwirte nun einen neuen Weg einschlagen, über den sich ihre konventionelle Landwirtschaft noch weiter ökologisieren lässt.
Anteilnahme ist dabei das Stichwort. Das Wort selbst gefällt den Jörn und Gunda Sierck zwar nicht - erinnert es sie doch zu sehr an Beileidsbekundungen - aber die Idee, die dahinter steckt, reizt die beiden: sowohl mitfühlend als auch wirtschaftlich Anteil nehmen, am Wohl der Tiere. Pro Vieh versucht deshalb, landwirtschaftliche Betriebe und deren Kunden so nah zusammenzubringen, dass dadurch eine verlässliche Partnerschaft, quasi sogar ein Geschäftsverhältnis entsteht. "Querfinanzieren durch Bürgerbeteiligung", nennt Stefan Johnigk das. Der Geschäftsführer von Pro Vieh führt weiter aus: "Nachhaltig wirtschaften heißt auch, seine Verantwortung zu schultern und dafür zu sorgen, dass sich die Bio-Idee trägt", und damit meint er nicht nur die Landwirte, sondern auch die Verbraucher. "Entweder die Kunden zahlen im Laden mehr oder so investieren hier direkt in die Landwirtschaft", sagt Jörn Sierck und wünscht sich, dass Verbraucher und Landwirte enger zusammenrücken.

Milch als Dividende


Seit die Siercks vor drei Jahren anfingen, ein Drittel ihrer produzierten Milch über die hauseigene Meierei Geestfrisch selbst zu vermarkten, haben sie schon viel engeren Kundenkontakt. "Eigentlich sind wir ja schon Partner", sagt der Landwirt. In einem nächsten Schritt hofft er, mit seinen Kunden ins Gespräch zu kommen, um gemeinsam Projekte anzupacken. "Landwirt und Verbraucher müssen sich gegenseitig was sagen können. Vielleicht ist ein Außenstehender im Herzen Landwirt und weiß das gar nicht."
Wie genau diese Beteiligung der Kunden auf Hof Fuhlreit aussehen könnte, steht noch nicht fest. Möglich wäre zum Beispiel die Einführung so genannter Kuh-Aktien. Die Kunden werden zu Anteilseignern, finanzieren die Arbeit des Hofes mit und erhalten eine jährliche Dividende, zum Beispiel in Form von Hofprodukten. Ob es nun diese oder eine andere Art der Anteilnahme wird, gilt es zu diskutieren. Eine konkrete Idee, wo man das Geld am besten investieren könnte, gibt es schon: "Es wäre der größte Zugewinn für das Tiereswohl, mit der Verbesserung der Bullenmast anzufangen", sagt Stefan Johnigk. "Aber das ist ein dickes Brett zu bohren."
Gunda und Jörn Sierck würden das Bohren aber gerne zusammen mit ihren Kunden beginnen: "Das ist eine gute Idee, so einen Weg zu gehen und auf diese Weise etwas für die Tiere zu machen. Aus alleiniger Kraft schaffen wir das nicht", so Gunda Sierck.
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