Oldtimer-Saison : Mit dem Zweitakter zur Bräutigamseiche

Zweitakt-Duft: Zwischen 70 und 80 km/h schnell gings zur Bräutigams-Eiche. Fotos: Sopha
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Zweitakt-Duft: Zwischen 70 und 80 km/h schnell gings zur Bräutigams-Eiche. Fotos: Sopha

Das Melsdorfer Ehepaar Möller besitzt diverse Oldtimer. Karin Möller organisierte jetzt fünf Ausfahrten für den Goggo-Stammtisch "Nordlichter": von Eutin über Malente zur Bräutigamseiche.

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19. April 2011, 07:08 Uhr

Melsdorf/eutin | Es ist der typische Trabbi-Duft: Zweitakter-Gemisch hüllt die Besucher auf dem Eutiner Marktplatz ein, als zwanzig Goggomobile und andere Oldtimer in Richtung Malente starten. Mit lautem Knattern rollen sie über das Kopfsteinpflaster, allen voran Karin und Addi Möller in ihrer dunkelgrünen Glas-Limousine. Es ist das fünfte "Anglasen", das die Melsdorferin für den Stammtisch der "Nordlichter" organisiert hat.
"Unsere Lebensgeschichte ist Glas", sagt die 53-Jährige. Der erste Wagen des Ehepaares im Sommer 1974 war ein grüner Glas GT. "So einer, wie wir ihn jetzt in Rot in der Garage stehen haben." Den haben sie sich 1996 gekauft. Der Glas GT gehört genau wie die Limousine und das Goggo zu den Fahrzeugen, die von der Firma Glas in Dingolfing gebaut wurden. Sie fahrbereit zu halten, dazu gehört meist viel Bastelarbeit und großer Enthusiasmus. So wie bei Karin und Addi Möller, die etliche Exemplare in einem Schuppen stehen haben. Wer viel bastelt, möchte sein gutes Stück auch präsentieren. Darum tüftelte Karin Möller in diesem Jahr zum fünften Mal die Frühlingsausfahrt aus.
Motor im Heck bringt das Gefährt auf 80 km/h
Dieses Mal führt die Tour von Eutin über Malente zur Bräutigamseiche. Dabei gehts nur langsam voran. Denn mehr als 80 Stundenkilometer fahren die Goggos nicht. So lassen sich das zarte Grün der Bäume und die gelben Blüten am Wegesrand genießen. Was von außen winzig aussieht, bietet innen viel Beinfreiheit - selbst für große Menschen. Für mehr als die Beine ist im Fond dann aber auch kein Platz. Das bedeutet, dass der Motor im Heck untergebracht ist.

In den 50-er Jahren waren die Goggomobile quasi die Trabbis des Westens: Kleine Autos, bezahlbar für den kleinen Mann. Kein Wunder, dass die knuffigen Kleinen immer wieder Erinnerungen wecken. So wie bei Hartmut Daene aus Ratekau. "Wir hatten auch so einen Roten", schwärmt er beim Anblick von Erhard Jankowskis Goggo auf dem Eutiner Marktplatz. Zweieinhalb Jahre lang restaurierte der Rendsburger Jankowski das Fahrzeug. Besucher Daene will alles ganz genau wissen. Und erinnert sich: "Wir sind 1958 damit in Urlaub gefahren. Ich war 14. Das Zelt lag auf dem Rücksitz." Er und seine Schwester saßen aber auch noch hinten. "Manchmal wusste ich nicht, wohin mit den Beinen", gesteht der Mann aus Ratekau.
Wenn das Auto mit dem Auto kommt...
So sehr sie Goggos liebt - aber Karin Möller hat auch gerne mehr Platz. Darum entschieden sie und ihr Mann sich 2005 für die dunkelgrüne Glas-Limousine, die sie auch im Alltag nutzen. "Damit sind wir schon durch ganz Deutschland gefahren", erklären sie. Manch anderer Oldtimer-Besitzer zieht sein Auto dagegen auf dem Trailer zu seinem Bestimmungsort. Heinrich-Adolf Schober ist beispielsweise mit dem Transporter von Sylt angereist. "Im Goggo würde ich für die Rückfahrt viel zu lange benötigen", lacht der Mann aus Morsum.
Damit sich die Oldtimer-Kolonne nicht verliert, wird nach dem Rosenheimer-System abgebogen. Karin Möller erklärt allen noch mal, wies funktioniert: "Wir sind das erste Fahrzeug. An der Kreuzung bleibt der Wagen nach uns stehen, damit alle wissen, wos lang geht. Dann reiht er sich vor dem letzten Fahrzeug wieder ein." Und so weiter, bis alle am Ziel sind.
Die 53-jährige Melsdorferin stand in diesem Jahr an einem Scheideweg: Die Vorbereitung der Fahrt fordert viel Arbeit. Manchmal zu viel. Darum war es die letzte Tour, die sie organisiert hat. Aber Glas-Mobile - die wird sie natürlich weiter fahren.
(sab, shz)

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