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Schulgesetz : Minister unter Druck: Ist das wirklich klug?

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Im Kriechgang zum neuen Schulgesetz. Die Koalition in Schleswig-Holstein hat sich mit Zeitverzug zum Kompromiss gequält. Eine Baustelle weniger für den glücklosen Bildungsminister Ekkehard Klug (FDP).

Kiel | Es gab Zeiten, das war Ekkehard Klug der Liebling vor allem konservativer Lehrerorganisationen. Was Realschullehrer- oder Philologenverband dem FDP-Bildungspolitiker einflüsterten, fand bei dem studierten Historiker stets Gehör und meist im Originalton Eingang in Reden oder Initiativen im Parlament.
Das war zu Zeiten, in denen Klug Bildungsexperte der oppositionellen FDP war und nur zu gern den letzten Lordsiegelbewahrer des dreigliedrigen Schulsystems gab. Seit knapp einem Jahr ist der 54-Jährige nun Bildungsminister in der schwarz-gelben Koalition. Und der Wind hat sich mächtig gedreht. Langjährige Anhänger des Liberalen verstehen Klugs Welt nicht mehr.
Ruhe hatten sich die Lehrerverbände von Klug versprochen. Besonders nach den Stürmen um die noch von der großen Koalition beschlossenen Schulreformen. Doch was Schwarz-Gelb mit ihren Plänen für ein neues Schulgesetz anzettelten, geriet zum glatten Gegenteil.
Maximale Freiräume zur Ausgestaltung des Weges zum Abi
Elternvertreter wie Lehrer liefen Sturm gegen die als völlig missraten empfundene Idee, dem eben erst flächendeckend eingeführten Turbo-Abitur nach acht Jahren wieder die Langsam-Variante nach neun Jahren an die Seite zu stellen. Überall im Lande sollte durchgedrückt werden, dass "in erreichbarer Nähe" Gymnasien nicht nur G8 sondern auch G9, im Notfall beides parallel anbieten mussten.
Angeblich geht die verquere Idee auf das Konto der CDU; Fakt ist: Klug hatte den Schulen bei Amtsantritt maximale Freiräume zur Ausgestaltung des Wegs zum Abitur versprochen. Was dazu im Gesetzentwurf stand, deckte sich kaum mit diesem Versprechen. Unionskreise dagegen behaupten hartnäckig, Klug sei Schuld am Kuddelmuddel.
Schulleiter sahen bereits das Chaos kommen, kommunale Schulträger unüberschaubare Kosten für zusätzliches Personal und Ausstattung, weil zusätzliche Klassen benötigt würden. Abgesandte der Kommunalen Landesverbände sollen in internen Runden mit einer Klage gedroht haben, sollte die Koalition ihre Reformen fürs Gymnasium wahr machen. Nach der Landesverfassung (Konnexitätsprinzip) müsste das Land die Kosten der Reform, die es wolle, selbst schultern.
Die eher fortschrittliche Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft wetterte derweil gegen die koalitionären Pläne zur Kehrtwende auf dem soeben erst abgesteckten Weg zum längeren gemeinsamen Lernen an Gemeinschaftsschulen. Die Regionalschulen sollten nach der zwischen Union und FDP verabredeten Klug-Novelle gleich komplett in die äußere Differenzierung und damit auf getrennte Bildungsgängen zum Real- und Hauptschulabschluss gezwungen werden.
Der Union, die in der Koalition mit der SPD - zum Leidwesen ihrer konservativen Bildungspolitiker - den Weg zu durchgreifenden Reformen mitgegangen war, schien all das ein mittelprächtiges Gräuel. Gut möglich aber auch, dass die Empörung nur gespielt war. In FDP-Kreisen heißt es etwa, der Koalitionspartner habe einst darauf gepocht, die Doppelgleisigkeit zum Abitur gesetzlich festzuschreiben. Klug habe bei der Abfassung des Gesetzentwurfs - "so geht Koalition nun einmal" -, klein beigegeben."
60 Prozent der Gymnasien sind auf den Turbo-Zug gesprungen
Wie dem auch sei. Mit einigen Monaten Verspätung haben sich CDU und FDP nun auf eine Linie verständigt, die gemeinsam getragen wird. Klugs Leute sehen darin die ursprünglichen Überlegungen ihres Ministers wieder. Unionschristen feiern den vergangenen Donnerstag nach einer Marathon-Sitzung der Koalitions-Bildungsexperten verabredeten Kompromiss als ihren Erfolg.
Fürs Gymnasium verständigten sich beide Fraktionen darauf, dass Schulleiter im Einvernehmen mit der Schulkonferenz und dem Schulträger entscheiden können, ob nun acht oder neun Jahre oder beide Bildungsgänge zum Abitur angeboten werden. Soll es ein Doppelangebot geben, wird es aus Kostengründen strenge Maßstäbe geben. 60 der landesweit 100 Gymnasien sind ohnehin bereits voll auf den Turbo-Zug gesprungen.
Zugleich kippten die Bildungspolitiker der Koalition Pläne, nach denen Regionalschulen ab Klasse sieben eine auf Leistungsentwicklung und Abschlüsse bezogene Differenzierung des Unterrichts vorsehen mussten. Wie Gemeinschaftsschulen sollen Regionalschulen statt dessen selbst über den Weg der Differenzierung des Unterrichts entscheiden können. Damit wird de facto der Weg für die spätere Zusammenführung von Gemeinschaftschulen und Regionalschulen geebnet.
Der Gesetzentwurf soll nun im Oktober im Landtag in erster Lesung beraten werden. Zum Schuljahr 2011/12 soll das Gesetz in Kraft treten.

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erstellt am 16.Sep.2010 | 02:20 Uhr

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