Zugstrecke nach Sylt : Minister Bernd Buchholz will Zweigleisigkeit auf Marschbahnstrecke

Bernd Buchholz
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Bernd Buchholz steht auf der Seite der Pendler. Er geht hart mit der Bahn-Tochter DB Regio während der Sitzung des Kreistages ins Gericht.

Für den Ausbau der Strecke zwischen Niebüll und Westerland hat Buchholz auch schon Gespräche in Berlin geführt.

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27. November 2017, 18:52 Uhr

Husum | Verspätungen, Zugausfälle, genervte Pendler: Um die vielfältigen Probleme auf der Marschbahn, die das Festland mit der Insel Sylt verbindet, langfristig zu lindern, hat Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) einen durchgehend zweigleisiger Ausbau auf den Streckenabschnitten Niebüll-Klanxbüll und Morsum-Tinnum gefordert, um die Engpässe auf der Marschbahn langfristig zu lindern. Das sagte Buchholz am Montag in Husum währen einer Sondersitzung des nordfriesischen Kreistags zu den seit mehr als einem Jahr andauernden gravierenden Problemen auf der Strecke Niebüll-Westerland.

Dazu müsse der Druck sowohl auf die zuständige DB Netz AG als auch auf den Bund erhöht werden: „Wir werden daher die 2,5 bis drei Millionen Euro teuren Vorplanungen als Land selbst anschieben und dabei dem Vorschlag der Insel- und Halligkonferenz folgen, die Mittel aus dem Sondervermögen zur Förderung von Mobilität und Innovation des Schienenpersonennahverkehrs MOIN.SH bereitzustellen“, führte der Minister weiter aus.

Kreistag
Volkert Bandixen

Am Montag versammelten sich die Mitglieder des Husumer Kreistages zu einer Sondersitzung.

Zudem werde er in Berlin weiter darauf dringen, dass die Strecke im Bundesverkehrswegeplan aufgewertet und der zweigleisige Ausbau in den vordringlichen Bedarf aufgenommen wird. „Wir haben hier eine einmalige Sondersituation, der eine simple Fahrgastberechnung nicht gerecht wird.“ Buchholz warb in diesem Zusammenhang um tatkräftige Unterstützung seiner Forderung durch Resolutionen von Land- und Kreistag. Und bekam Rückendeckung von der CDU-Bundestagsabgeordneten für Nordfriesland und Dithmarschen-Nord, Astrid Damerow, die in einer Pressemitteilung darauf hinwies, dass sie in dieser Sache ebenfalls tätig sei.

Eine Elektrifizierung der Strecke sei zwar wünschenswert, nahm Buchholz den zweiten Teil des Vorschlags der Insel- und Halligkonferenz auf. Aber da sehe er Hindernisse: „Die Trasse führt durch den Nationalpark Wattenmeer, da geht es um Vogel- und Naturschutz.“ Dort Fahrdraht zu installieren, würde wohl auf Widerstand stoßen. „Und die offenen Doppelstockwagen der Autozüge dürften oben auch nicht mehr beladen werden, da sich die Fahrzeuge zu nah an der Oberleitung befinden würden.“ Stattdessen solle man anders denken: „Warum auf dieser Strecke nicht emissionsfrei mit alternativen Antriebsarten fahren, etwa mit Wasserstoff?“

Zuvor hatte Achim Bonnichsen für die Pendler-Initiative Husum-Westerland die unhaltbaren Zustände geschildert. „368 Tage Ersatzkonzept haben wir hinter uns“, sagte er. Viele Pendler hätten sich nach dessen Auslauf am 13. November Hoffnungen auf eine Besserung der Situation gemacht. „Stattdessen hatte der erste, am stärksten frequentierte Pendlerzug am Morgen des 14. November nur vier statt zehn Wagen und der zweite Zug fiel planmäßig gleich ganz aus.“

Die 90 von der Nord-Ostsee-Bahn übernommenen Marschbahnwagen, die wegen Kupplungsschäden zeitweise ganz aus dem Verkehr genommen werden mussten, seien zwar angeblich heil zurück auf der Schiene: „Aber jetzt haben sie Heizungs- und Elektrikprobleme – und zudem gibt es Schwierigkeiten mit den eingesetzten Lokomotiven.“ Die Nerven der Pendler würden blank liegen. „Viele überlegen sich, neue Arbeitsplätze auf dem Festland zu suchen.“ Das sei fatal für die Wirtschaft auf der Insel.

Wie Bonnichsen sah auch Buchholz die DB Regio in der Pflicht, Abhilfe zu schaffen. „Die Probleme können nicht mehr auf das Ersatzkonzept geschoben werden, denn das ist Geschichte“, so der Minister. Und die Kupplungsschäden – entstanden durch einen Fehler bei der Instandhaltung – seien behoben. Es handle sich also um strukturelle Probleme bei der DB Regio, sagte er und zählte auf: „Neuerdings tauchen Flachstellen an den Radsätzen auf, deren Ursache unklar ist. Um die Räder zu reparieren, müssen die Waggons teils in weit entfernte Ausbesserungswerke gebracht werden.

Es gibt offenbar auch nicht genügend Personal, um kurzfristigen Ersatz für erkrankte Lokführer und Zugbegleiter stellen zu können. Und die Loks sind anfällig – obwohl dieselbe Baureihe vor den Sylt-Shuttle-Autozügen problemlos läuft.“ Er habe die DB Regio daher zur Bereitstellung von Ersatzmaterial aufgefordert. Und dazu, dass das Bahnbetriebswerk in Husum ebenfalls für Instandhaltungsarbeiten mit herangezogen wird, auch wenn es nicht der DB Regio gehört.

DB-Regio-Nord-Chef Torsten Reh
Volkert Bandixen

DB-Regio-Nord-Chef Torsten Reh.

Das würde bereits geschehen, so der Leiter der DB Regio Nord, Torsten Reh. „Wir nutzen alle Kapazitäten, die es gibt, auch das Werk in Husum.“ Beim Material gebe es zu den technischen Problemen noch solche durch „höhere Gewalt“, nämlich den Ausfall von zwei der insgesamt 15 Wagenparks durch Sturmschaden und die jüngste Entgleisung bei Elmshorn. Ein Wagenpark sei zudem in der Grundinstandsetzung und an weiteren würden reguläre Wartungsarbeiten durchgeführt, so dass man derzeit knapp unter der für einen planmäßigen Verkehr notwendigen Stärke von elf Wagenparks liege.

Personalmangel sah Reh dagegen nicht: „Kurzfristige Krankmeldungen verursachen stets Probleme.“ Dennoch schule die DB Regio derzeit zusätzliches Personal, um Ausfälle besser abfedern zu können. Allerdings könne alles noch so gut durchgeplant sein: Wenn irgendwo etwas schiefgehe, gerate das System durch die Auswirkungen immer aus den Fugen. „Wir müssen also pünktlich Eisenbahn fahren, damit alles klappt“, schloss er selbstkritisch. Und daran habe man schon allein deswegen Interesse, weil jeder Euro von Fahrgästen, die nicht befördert werden können, in der Kasse fehle.

Unsere Grafik zeigt, wie die DB Regio über den Finanzdienstleister Paribus, dem Waggons und Loks gehören, den Betrieb gewährleisten muss:

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