Zwischen den Windmühlen

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04. Januar 2013, 01:14 Uhr

Husum/Hamburg | Die Messegesellschaften in Hamburg und Husum steuern im Streit um die Ausrichtung der Windmesse auf neue Verhandlungen zu. Kurz vor Weihnachten einigten sich Vertreter beider Seiten unter Vermittlung des Unternehmerverbandes (UV) Nord auf Gespräche, die jetzt im Januar aufgenommen werden sollen. Peter Cohrs und Peter Becker als Vertreter der Husumer Messegesellschaft bringen eine Umfrage unter den Ausstellern der Branche ins Gespräch. Dabei sollen nicht nur die Anlagenbauer, sondern auch Planer, Finanzierer und Projektbüros einbezogen werden. Der Ausgang der Gespräche ist ungewiss.

Bei dem Streit geht es um die Ausrichtung der weltweit wichtigsten Messe zum Thema Windenergie. In Husum findet seit 1989 alle zwei Jahre die Husum-Wind statt. Sie hat sich zur führenden Leitmesse der Branche entwickelt. 30 Prozent der Aussteller und Gäste kommen aus dem Ausland. Die Hamburger Messegesellschaft geht für den nächsten Termin im September 2014 in direkte Konkurrenz und lädt zu einer Parallelveranstaltung ein.

In der Hansestadt weist man auf die bessere Infrastruktur und Erreichbarkeit des dortigen Messegeländes hin. Hinter diesem Projekt steht der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Husum versucht mit seiner Erfahrung zu punkten - und den besonderen Rahmenbedingungen einer großen Messe in einer kleinen Stadt, die sich hundertprozentig für die Windkraft einsetzt. Da der Streit der beiden Konkurrenten letztlich auf dem Rücken der Aussteller ausgetragen wird, befürchten inzwischen viele Beteiligten, dass ein dritter Anbieter aus Deutschland oder dem europäischen Ausland auf den Markt drängen könnte, womit die Messe für Norddeutschland verloren wäre.

Zwischen den Messegesellschaften ist das Klima vergiftet. Husum wirft den Hamburger Kollegen unfaires Verhalten vor. Der Streit belastet auch das politische Verhältnis zwischen Hamburg und Schleswig-Holstein. Ministerpräsident Torsten Albig positionierte sich klar für die Husumer Messe. Wirtschaftsminister Reinhard Meyer und sein Hamburger Pendant Senator Frank Horch reden zwar über das Thema. Eine Lösung müssen jedoch die beiden Messegesellschaften und die beteiligten Verbände finden, so die übereinstimmende Aussage. Alle Seiten wünschen sich eine möglichst rasche Lösung, da die Zeit drängt.

Noch werben beide Messegesellschaften um die gleichen Kunden. Beide Seiten verweisen auf gute Buchungszahlen und stark belegte Hallen. Stimmen die veröffentlichten Angaben, würde schon heute das anderthalbfache Aussteller-Aufkommen der vergangenen Husum-Wind 2014 in Hamburg und in Husum an den Start gehen. Branchenkenner halten das für illusorisch.

In den Verhandlungen zeichnen sich verschiedene Kompromisslinien ab. Minister Meyer tritt für eine Absage der Messe 2014 in Hamburg ein. Was danach geschehe, müsse jetzt verhandelt werden. "Husum-Wind ist eine echte Marke, die man nicht so schnell aus der Hand gibt", sagt er. Denkbar sei eine Teilung des Angebots zwischen den beiden Standorten. Husum könnte sich beispielsweise auf Großkomponenten konzentrieren. In welchem Verhältnis und mit welcher Gewichtung diese Partnerschaft ausgestaltet wäre, bleibt offen. Am besten jeweils 50 zu 50 heißt es aus Kreisen der Verhandler. Klar ist jedoch auch, dass zunächst wieder Vertrauen aufgebaut werden müsse, empfinden doch die Husumer Messemacher das gesamte Projekt der Hamburger als dreisten Angriff auf ihr Zugpferd.

Auch Horch hält zwei Windmessen im Norden für wenig sinnvoll. Dies hätte "eine Schwächung des norddeutschen Windkraft standortes insgesamt zur Folge", hieß es aus seiner Behörde. Einer der beiden Standorte müsste letztlich aufgeben. Konkreter wird der Senator nicht.

Peter Cohrs als Aufsichtsratschef der Husumer Messe und Geschäftsführer Peter Becker deuten zumindest Einigungsmöglichkeiten an. Die Husumer Messegesellschaft als Veranstalter an einem anderen Ort, sei eine denkbare Lösung. Ob dieser Ort auch Hamburg heißen kann, lassen sie offen. 2014 soll es in jedem Fall eine Ausstellung in Husum geben. "Wir brauchen aber die Perspektive für die Zukunft", sagt Cohrs. Die Hamburg-Messe äußert sich nicht zu den Verhandlungen. "Wir halten uns an die Vertraulichkeit, um das Ergebnis nicht zu gefährden", sagt Sprecher Karsten Broockmann.

Derzeit bemühen sich beide Seiten um die gleichen Kunden, die zwischen der Loyalität und der guten Erfahrung mit Husum und den Hamburger Angeboten hin- und hergerissen sind. Wenn beide Messen parallel stattfinden, könnte das für einige bedeuten, dass sie auch mit zwei teuren Messeständen an den Start gehen müssen. "Wir brauchen ein unabhängiges Gutachten", fordert Peter Cohrs, "das die Interessen aller Marktteilnehmer berücksichtigt." Dieses Gutachten müsste neutral klären, welchen Standort die Branche nach 2014 bevorzuge, welche Aktivität an welchem Ort gewünscht sei. "Wir sind Dienstleiter der Branche", unterstreicht Cohrs, und damit an deren Wohlergehen interessiert.

Alle Seiten rechnen mit einem Verhandlungstermin noch im Januar. Die Aussichten auf eine Einigung sind ungewiss. Immerhin rede man wieder miteinander, hieß es aus Verhandlungskreisen. In Kiel hofft man hinter vorgehaltener Hand auf ein Machtwort vo n Olaf Scholz, der seinen Messechef zurückpfeifen könnte. Auf eine politische Lösung setzen auch die Husumer Messemacher. Im Zweifelsfall aber, so Minister Meyer, müsse die Messe 2014 eben in doppelter Ausfertigung an den Start gehen . "Das ist das Schlimmste für die Branche, wenn es so kommt", sagt Peter Becker.

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