Bad Segeberg : Zweijähriger stirbt nach Unfall mit Pick-Up – Gaffer behindern Retter

Ein kleiner Junge fährt mit seinem Laufrad durch eine Fußgängerzone in Bad Segeberg, als ein Autofahrer abbiegt. Das Kind wird überrollt und erliegt den Verletzungen.

shz.de von
03. Mai 2015, 13:02 Uhr

Bad Segeberg | Noch während das Kind – vergeblich – mit dem Tod ringt, stören Gaffer den Rettungseinsatz: Bei einem tödlichen Unfall in Bad Segeberg haben einmal mehr neugierige Passanten einen schrecklichen Unfall begafft und damit Polizei und Notarzt gestört. „Schaulustige behinderten die Arbeit von Rettungs- und Einsatzkräften der Feuerwehr und der Polizei erheblich und sorgten an der Unfallstelle für Mehrarbeit und Unruhe“, so Polizeisprecher Nico Möller verärgert.

Das Kind wurde lebensgefährlich verletzt, nachdem es am Donnerstag mit seinem Laufrad durch die Oldesloer Straße fuhr und von einem Pick-Up-Fahrer offenbar übersehen wurde. Der 51-Jährige befand sich gegen 15 Uhr im Ausfahrtsbereich der Sparkasse und bog mit dem Fahrzeug nach rechts in die Oldesloer Straße ab. In diesem Berich ist die Oldesloer Straße eine Fußgängerzone. Genau dort fuhr auch der Zweijährige mit seinem Laufrad in Richtung Innenstadt.

Der Junge prallte mit dem Pick-Up zusammen, stürzte und geriet unter das Fahrzeug. Hierbei erlitt das Kind schwerste Verletzungen, an denen es noch am Unfallort starb. Der Fahrer des Pick-Ups erlitt einen Schock und wurde von einem Rettungswagen in ein Krankenhaus gebracht.

Für die Dauer der Unfallaufnahme sperrte die Polizei weite Teile der umliegenden Straßen und leitete den Verkehr um. Weiter sperrten die Beamten die Kreuzung bei Kaufland (Bahnhofstraße/Burgfeldstraße), um dem Rettungshubschrauber die Landung zu ermöglichen. Die Polizei hat die Ermittlungen zum genauen Unfallhergang und zur Klärung der Unfallursache aufgenommen. Der Pick-Up sowie das Laufrad des Jungen wurden sichergestellt.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Retter sich von zahlreichen Schaulustigen behindert fühlten. Bei einem Unfall in Kiel-Gaarden Ende April zählte die Polizei insgesamt etwa 150 Gaffer, die sich um einen schweren Unfall mit mehreren Verletzten scharten. Die Schaulustigen zückten die Smartphones um zu fotografieren und zu filmen und standen den Rettungskräften damit im Weg.

In Nordrhein-Westfalen begegnet man dem Phänomen Gaffer neuerdings mit Sichtschutzwänden. Diese sollen auf Autobahnen den freien Blick auf den Unfall verhindern. Gaffer seien ein „Problem, das erschreckende Ausmaße angenommen hat“, sagte NRW-Landesverkehrsminister Michael Groschek (SPD) . „Wir geben mit diesen Sichtschutzwänden den Opfern ein Stück Würde zurück.“ Durch weniger Staus werde sich die Anschaffung auch volkswirtschaftlich rechnen.

Immer wieder berichten Rettungskräfte von Problemen mit Gaffern bei Autobahnunfällen: Sie verursachen Staus auf der Gegenfahrbahn, behindern die Retter anstatt zu helfen oder sie filmen das Geschehen und die Unfallopfer sogar mit ihren Handy-Kameras.

Bislang hatten Rettungskräfte die Unfallopfer bei der Bergung mit Decken und Tüchern vor neugierigen Blicken abgeschirmt. In letzter Zeit hatte die Polizei mehrfach Verfahren gegen Schaulustige eingeleitet, die zum Teil sogar die Aufforderungen der Polizisten, das Filmen einzustellen, ignoriert hatten. Gaffern drohen mindestens 60 Euro Bußgeld und ein Punkt in Flensburg.

(mit dpa)

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