Zu viel Plastik im Dünger: Grenzwerte werden verschärft

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11. Januar 2015, 18:44 Uhr

Mit der neuen Düngemittelverordnung sollen die Grenzwerte für Plastikschnipsel in Gärresten verschärft werden. Hintergrund sind zahlreiche Fälle, bei denen mit Gärsubstrat aus Biogasanlagen Felder kontaminiert wurden. So lagen bei unseren Nachbarn in Mecklenburg-Vorpommern auf Ackerflächen im Biosphärenreservat Schaalsee unzählige daumenkuppengroße Plastikschnipsel von Lebensmittelverpackungen.

„Uns sind bislang keine Fälle bekannt, bei denen es in Schleswig-Holstein zu einer Kontamination gekommen ist“, sagt Nicola Kabel vom Kieler Landwirtschaftsministerium. „Gleichwohl kann nicht ausgeschlossen werden, dass Reste von Kunststoffen in Düngern enthalten sind.“ Denn in Biogasanlagen wird längst nicht mehr nur Mais vergoren. Experten schätzen, dass jährlich eineinhalb Millionen Tonnen Lebensmittel zur Energie-Gewinnung verarbeitet werden. Und vielfach werden die Verpackungen dabei nicht sauber vom Produkt gelöst.

„Plastikrückstände haben in Gärresten, die zur Düngung ausgebracht werden, nichts zu suchen“, sagt Umweltminister Robert Habeck (Grüne). „Sie können von Bodentieren gefressen werden.“ Die Folgen seien nicht abschätzbar. „Vor dem Hintergrund der Meeresverschmutzung mit Plastik lässt sich allerdings erahnen, dass es den Tieren nur schaden kann.“


Eine Säuberung der Felder ist kaum möglich


Im Rahmen der derzeit laufenden Novellierung der Düngemittelverordnung sollen die Grenzwerte für Kunststoffe nun verschärft werden – und nur noch bei 0,1 Gewichtsprozent der Trockenmasse liegen (bisher 0,5 Prozent). Habeck begrüßt das. „Nach hiesiger Einschätzung ist eine Säuberung der Felder kaum möglich“, erklärte er. „In Frage käme nur eine Abtragung der mit Kunststoffen verunreinigten obersten Bodenschicht, die mit erheblichen Kosten verbunden wäre.“

Der Fachverband Biogas empfiehlt allen seinen Mitgliedern eine freiwillige Gütesicherung, die über die gesetzlichen Anforderungen hinausgeht. Dabei wird zum Beispiel das Gärsubstrat auf einer Fläche ausgebreitet, um eine realistische Übersicht über die Verunreinigung zu haben. Im Zweifelsfall kann ein Biogasanlagenbetreiber damit viel Geld sparen. Nicola Kabel: „In der Regel haftet der Verursacher des Schadens, also derjenige, der ein Düngemittel ordnungswidrig in den Verkehr bringt.“

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