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Plan für Schleswig-Holstein : Zeugnisse ohne Noten: Streit um Wende-Pläne

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Die neue Regelung soll bis zur Klasse 8 gelten – Bildungsministerin Wende will die Lernleistung steigern. Lehrerverbände und die Opposition üben Kritik, Beifall kommt von der Lehrergewerkschaft GEW und dem Kinderschutzbund.

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erstellt am 14.Feb.2014 | 12:24 Uhr

Pläne von Bildungsministerin Waltraud Wende (parteilos), Notenzeugnisse bis Klasse 8 durchgängig abzuschaffen, haben in Kiel eine kontroverse Debatte ausgelöst. Lehrerverbände und die Opposition kritisierten die in der Koalition verabredete Änderung der Zeugnisverordnung. Beifall kam von der Lehrergewerkschaft GEW und dem Kinderschutzbund.

An die Stelle von Notenzeugnissen können nach dem Willen von Wende auch in der Klasse vier der Grundschule Berichts- oder Tabellenzeugnisse treten. Schulkonferenzen sei aber freigestellt, an Notenzeugnissen festzuhalten, sagte eine Ministeriumssprecherin. Diese Regelung gibt es bisher nur für die dritte Klasse. Gemeinschaftsschulen verzichteten bereits mehrheitlich auf Ziffernnoten, hieß es. An den Gymnasien soll es bei Notenzeugnissen bleiben.

In Tabellenzeugnissen beurteilen Lehrer je nach Schule bis zu 100 einzelne Fächerleistungen nach Kategorien wie „sicher“, „überwiegend sicher“, „teilweise sicher“ oder „unsicher“ . Die mehrere Seiten umfassenden Zeugnisse können mit individuellen Leistungsberichten ergänzt werden.

Wende verwies auf die Einschätzung von Bildungsexperten, wonach „die Freude am Lernen und die unbeschwerte Neugier von Kindern durch Schulnoten gehemmt“ werde. Rückendeckung erhielt die Ministerin von der GEW. Ziffernnoten an Grundschulen seien „völlig fehl am Platz“ und „pädagogisch nicht sinnvoll“, sagte Landesgeschäftsführer Bernd Schauer. Die Vorsitzende des Kinderschutzbundes, Irene Johns, unterstrich, es gehe nicht darum, „weniger Lernleistung von den Kindern zu fordern“. Die Vorsitzende des Grundschulverbandes, Beate Blaseio, nannte Wendes Pläne „ganz großartig“.

Andere Verbände lehnten die Pläne ebenso wie CDU und FDP ab. Die Regierung setze darauf, „dass verunsicherte Eltern ihre Kinder nicht auf das Gymnasium schicken“, sagte die CDU-Bildungspolitikerin Heike Franzen. Die Koalition senke das Leistungsniveau ab. Ziel sei es dabei, möglichst viele Kinder in die Oberstufe zu bringen. „Dabei sind ihnen die Gymnasien im Weg,“ sagte Franzen. Anita Klahn (FDP) nannte die Pläne einen weiteren Beweis, dass die Koalition jeglichen Leistungsgedanken aus den Schulen verbannen wolle. Der SPD-Bildungspolitiker Martin Habersaat sagte, Noten „können auch den Blick auf das Wesentliche verstellen, können die Lust am Lernen nehmen.“Wichtiger als die „Vergleichbarkeit auf einen Blick“ ist das Gespräch der Lehrkraft mit den Eltern.

Der Vorsitzende des Philologenverbandes, Helmut Siegmann, erklärte, „große Teile der Lehrerschaft habe bei Wende das Vertrauen in ernsthafte Bildungspolitik verloren“. Der Fortfall von Noten beschränke die Durchlässigkeit des Schulsystems weiter. Die Pläne seien „absolut verrückt und kontraproduktiv“. Die Interessenvertretung der Lehrkräfte meinte, die Koalition setze den Trend zur Entprofessionalisierung der Schule fort.

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