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„Zeit hoher Arbeitslosigkeit ist vorbei“

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Arbeitsministerium will mehr für Langzeitarbeitslose tun / Neues Förderprogramm mit Unterstützung der EU wird aufgelegt

shz.de von
erstellt am 01.Apr.2014 | 12:10 Uhr

Nein, eine genaue Zahl will sie nicht nennen, schließlich habe sie keine seherischen Fähigkeiten. Die Chefin der Agentur für Arbeit im Norden, Margit Haupt-Koopmann will sich nicht festlegen, um wieviel die Arbeitslosenquote 2014 sinkt. „Aber dass wir im Herbst deutlich unter 100 000 haben – davon kann man ausgehen.“ Und auch 2015 seien weiter sinkende Zahlen zu erwarten.

Denn so lange die Zinsen niedrig sind, wird viel investiert – und es werden mehr Jobs geschaffen. Im März gab es so viele freie Stellen in Schleswig-Holstein wie seit zehn Jahren nicht mehr, vor allem im Handels-, Dienstleistungs- und Gesundheitssektor. Davon profitierten alle Altersgruppen, sagt Haupt-Koopmann. „Die guten Leute gehen in Arbeit.“

Deswegen legen sie und Arbeitsminister Reinhard Meyer (SPD) den Fokus auf diejenigen, die es schwerer haben, Jobs zu finden: Über-50-Jährige, Langzeitarbeitslose oder Jugendliche ohne ausreichende Qualifikation. „Wir dürfen kein Talent in Schleswig-Holstein allein lassen“, so Meyer. Und Haupt-Koopmann appelliert an die Firmen, keine Aufträge abzulehnen, weil es angeblich nicht mehr genügend Fachkräfte gebe. „Wir haben noch welche und können Unternehmen unterstützen – etwa über Lohnkostenzuschüsse.“

Meyer präsentiert dazu passend das Programm „Neue Arbeit“, das mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds, des Bundes und des Landes bis 2020 rund 240 Millionen schwer sei und im Sommer starten soll. Damit stehen rund 48 Millionen Euro weniger zur Verfügung als in der vorigen Periode von 2007 bis 2013, „aber wir werden die Förderung konzentrieren“, so Meyer. Er verweist auf die Erfolge des Programms, durch das es etwa 9200 Weiterbildungen gegeben habe. Dazu habe das Handlungskonzept Schule und Arbeitswelt dazu beigetragen, die Zahl der Schulabbrecher von 9,8 Prozent im Jahr 2005 auf 7,3 Prozent im Jahr 2012 zu senken. Außerdem seien 1900 Ausbildungsplätze für benachteiligte Jugendliche geschaffen worden. Und Langzeitarbeitslose würden besser in den Arbeitsmarkt integriert. Fast die Hälfte derjenigen, die im Rahmen des Programms beraten wurden, hätten sechs Monate danach einen Job gehabt, allerdings nur jeder fünfte davon in einem sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis. „Das wollen wir verbessern“, sagt Meyer, der auf die zahlreichen Existenzgründungen verweist, die es im Zuge des Programms gegeben habe. Rund 9000 Menschen seien beraten, worden, davon hätten sich 75 Prozent selbstständig gemacht. Nach zwei Jahren seien noch rund 4000 am Markt tätig gewesen und hätten neben der Stelle des Gründers im Schnitt noch einen weiteren Job geschaffen. Darunter seien auch manchmal ungewöhnliche Existenzgründungen. So wurde zwar keine Seherin, aber eine Handauflegerin unterstützt. Meyer sagt, dass das mancher für Unsinn halten könne: „Aber es gibt einen Markt dafür.“

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