zur Navigation springen

Zahl der Taschendiebstähle seit 2008 verdoppelt

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Ein kleiner Stau an der Zugtür, etwas Gedränge – und weg ist das Portemonnaie. Mit Tricks wie diesen schlagen Taschendiebe blitzschnell zu, überrumpeln ihre Opfer – und sind bereits über alle Berge, wenn der Verlust bemerkt wird.

Seit Jahren steigen die Zahlen beim Taschendiebstahl an – bundesweit, aber auch in Schleswig-Holstein, obwohl die Zahlen hier mangels großer Städte eher gering sind. So wurden im Norden im Jahr 2013 pro 100 000 Einwohnern 95 Taschendiebstähle gemeldet – in Hamburg waren es mit 941 Fällen zehn Mal mehr (Bundesdurchschnitt: 236). Trotzdem: Von 2008 bis 2013 haben sich die gemeldeten Fälle laut polizeilicher Kriminalstatistik verdoppelt, von 1331 auf 2680 (siehe Grafik).

Hochburg im Norden ist nach einer Auswertung des Online-Portals ab-in-den-urlaub.de Dithmarschens Kreisstadt Heide (302 Fälle pro 100 000 Einwohner), Flensburg liegt im Bundestrend, alle anderen größeren Städte im Land darunter. Laut Statistik ist die Hälfte der ermittelten Täter nichtdeutscher Herkunft.

Warum die Zahlen so stark steigen, kann das Landeskriminalamt nicht erklären. „Es ist bei uns aber auch kein Schwerpunktthema“, sagt dessen Sprecher Stefan Jung. Karl-Gustav Günther vom Bund deutscher Kriminalbeamter (BDK) vermutet, dass neben einem tatsächlichen Anstieg der Zahlen vor allem die Bereitschaft gestiegen ist, den Diebstahl anzuzeigen. Durch Medienberichte und Präventionsarbeit seien die Menschen sensibilisiert. „Und dass Täter hierzulande einfallen, ist mir nicht bekannt.“

Dennoch ist die tatsächliche Zahl der Taschendiebstähle wohl um einiges höher als in der Statistik verzeichnet, vermutet Stephan Steffen vom Landespolizeiamt. Denn noch immer kommt es häufig nicht zur Anzeige. Die Chance, dass Betroffene ihr Geld oder Handy wiedersehen ist auch gering: Nur zwischen fünf und sechs Prozent der Fälle werden aufgeklärt. Dazu kommt: „Den oft älteren Betroffenen ist es natürlich höchst peinlich, wenn sie etwa in der Fußgängerzone einem Wechselgeld-Betrüger auf den Leim gehen.“ Bei diesem Trick bittet der Dieb sein Opfer darum, Geld etwa für einen Automaten klein zu machen. „Dabei fällt ‚zufällig‘ eine Münze in das Portemonnaie, beim Rausholen zieht der Dieb gleich noch ein paar Geldscheine heraus“, erklärt Steffen.

Doch auch die „klassischen“ Taschendieb-Tricks sind nach wie vor beliebt: Die Bundespolizei leistet vor allem in der Vorweihnachtszeit Präventionsarbeit auf Bahnhöfen. „Wir greifen den Menschen schon mal in die Handtasche um zu zeigen, wie einfach sich im Gedränge auf dem Bahnsteig etwas herausholen lässt“, sagt Bernd Schindler von der Bundespolizeiinspektion Flensburg.

Die Aufklärung ist langwierig und personalaufwändig, sagt Karl-Gustav Günther – und warnt deshalb vor Stellenstreichungen. „Auch wenn Taschendiebstahl wegen der meist geringen Beträge keine oberste Priorität hat, braucht die Polizei genug Personal, um die Fälle auszuwerten und so Parallelen und Verhaltensweisen feststellen zu können“, sagt Günther. Nur so könnten die Täter, die fast immer organisiert vorgehen, gefasst werden.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen