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Wo sich Torsten Albig warm anziehen muss

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Norweger feiern 200 Jahre Kieler Frieden und ihre Unabhängigkeit – und eine Delegation aus Schleswig-Holstein ist dabei

Stolz wie Bolle präsentierte Ministerpräsident Torsten Albig seine neue Winterjacke. „Die hält warm bis 40 Grad minus, hat man mir garantiert.“ Bei den Delegationsmitgliedern, die ihn zu den Verfassungsfeierlichkeiten nach Oslo begleiteten, erntete er damit nur ein müdes Lächeln. Schließlich wehte in der Landeshauptstadt ein laues Frühlingslüftchen, als die „Color Fantasy“ am Wochenende von Kiel aus in See stach. 36 Stunden später beneidete ihn so mancher um die Jacke. Bei kräftigem Frost zeigten die Norweger bei einem beeindruckenden Festakt die Verbundenheit mit ihrem Königreich und ihrer Verfassung – und das unter nachtschwarzem Himmel.

Die Reise der Schleswig-Holsteiner nach Oslo hat einen historischen Hintergrund. Vor 200 Jahren wurde der Kieler Frieden unterzeichnet in dessen Folge Norwegen unabhängig wurde. In Eidsvoll 40 Kilometer nördlich von Oslo wurde damals die erste norwegische Verfassung angenommen, die neben der amerikanischen und der französischen inzwischen die älteste der Welt ist. Zuvor hatte das Königreich Dänemark lange das Sagen in dem damals bitterarmen Land.

In Anwesenheit von König Harald und Königin Sonja von Norwegen und dem Kronprinzenpaar Haakon und Mette-Marit wurde das Verfassungsjubiläumsjahr mit dem großen Volksfest eröffnet. Schauspieler entführen in die Vergangenheit, sparten auch kritische Situationen der norwegischen Geschichte nicht aus, es gab eine atemberaubende Lichtprojektion auf das historische und aufwändig restaurierte Verfassungsgebäude. Und mit seltener Stilsicherheit gelang es Alt und Jung, Neu und Alt zu verbinden: Während eine klassische Trommlerformation von Soldaten in historischen Gewändern ihre stringenten Klänge durch die Luft wirbelten, wirbelten im Takt junge Breakdancer über eine künstliche Eisfläche. Eine große Feier in historischer Umgebung – live übertragen im norwegischen Fernsehen – da gerieten selbst die großen Erfolge der norwegischen Wintersportler für einen Moment zur Nebensache!

Der Ministerpräsident war beeindruckt: „Diese modere Form von Nationalstolz, das ist etwas, was ich mir auch für Deutschland noch mehr wünschen würde.“ Albig konnte zwar mit seiner blauen Daunenjacke für 79 Euro nicht ganz mit dem hochmodernen und edlen Apres-Ski-Look des Königshauses mithalten. Der würdevollen Vertretung des echten Nordens im hohen Norden tat das aber keinen Abbruch.

Die Norweger sind stolz auf ihre Geschichte, vor allem aber darauf, wie sich das Land gerade in der jüngeren Vergangenheit entwickelt hat. Stabile Währung, sprudelnde Einnahmen durch Öl und Gas, geringe Schulden: Seit Jahren gilt Norwegen als sichere Insel in Europa. Es profitierte wie kein anderes Land vom Rohstoffboom und der Eurokrise. Während jedoch Bundesbürger – egal ob Baby oder Greis – für 25 000 Euro Staatsschulden bürgen, ist jeder der 5,2 Millionen Norweger von Staats wegen Millionär. Die Rentenfonds sind mit 600 Milliarden Euro prall gefüllt. Kurz: Man weiß kaum, wohin mit dem Geld. Entsprechend sprießen Luxushochhäuser in den Himmel, in Oslo wurde binnen fünf Jahren eine imposante Hafencity aus dem Boden gestampft, die Hamburgs Hafencity weit in den Schatten stellt. Auch die weiße Staatsoper im Meer ist ein Symbol für den Wohlstand.

Vor allem Öl und Gas brachte dem Königreich den Reichtum. Hätten die Dänen, die Norwegen vor 200 Jahren in Folge der napoleonischen Kriege an Schweden abgeben sollten, gewusst, welche Schätze noch im Erdreich versteckt sind – sie hätten vielleicht härter verhandelt und gekämpft, wird heute gespottet. Für die Norweger bleiben die vier Jahrhunderte in dänischer Abhängigkeit eine dunkle Epoche. Wohl auch deshalb wird in diesem Jahr die Unabhängigkeit gefeiert und Nationalstolz gezeigt.


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erstellt am 17.Feb.2014 | 13:46 Uhr

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