Wo Müll Millionen macht

Gilt als Goldesel: Die Müllverwertungsanlage am Rugenberger Damm macht Millionenprofite.dpa
Gilt als Goldesel: Die Müllverwertungsanlage am Rugenberger Damm macht Millionenprofite.dpa

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17. Januar 2013, 01:14 Uhr

Hamburg | Was die einen wegwerfen, füllt den anderen die Kassen. Hamburgs Müllverbrennungsanlagen entpuppen sich als regelrechte Goldesel mit vielfachen Millionenprofiten - befeuert von den Gebühren der Bürger. So liegt die Umsatzrendite für die Müllverwertungsanlage am Rugenberger Damm (MVR) durchschnittlich bei erstaunlichen 20 Prozent. Heißt: Von jedem umgesetzten Euro verbleiben dem Eigentümer 20 Cent Gewinn. 2010 habe der Wert gar bei mehr als 40 Prozent gelegen, berichtet das NDR-Magazin "Panorama 3". Nach den Berechnungen werde die Anlage unterhalb der Köhlbrandbrücke bis 2019 insgesamt 230 Millionen Euro eingefahren haben.

Leidtragende sind Kommunen im südlichen Hamburger Speckgürtel, die ihren Hausmüll am Rugenberger Damm verfeuern lassen und sich langfristig an die MVR gebunden haben. Zwar fordern die Vertreter der Randkreise nun Preissenkungen, um ihren Bürgern überschüssige Millionen in Form geringerer Müllgebühren zukommen zu lassen. Aussicht auf Erfolg haben sie damit jedoch nicht.

Die Cash Cow MVR gehört zu drei Vierteln dem schwedischen Energiekonzern Vattenfall, zu einem Viertel der Hamburger Stadtreinigung. 2011 gingen dort 320 000 Tonnen Hausmüll in Rauch auf, 120 000 Tonnen davon aus den niedersächsischen Landkreisen Harburg, Stade und Heidekreis. Die Anlage im Hafen erwirtschaftete dabei 2010 einen Überschuss von 19,4 Millionen Euro. Nur geringfügig weniger verdienten die Müllöfen in Stapelfeldt (Kreis Stormarn) und an der Borsigstraße, die ebenfalls deutlich zweistellige Umsatzrenditen aufweisen. Werte, von denen andere nur träumen. Wirtschaftsanwalt Hans Peter Lange im NDR: "Ich kenne keine Branche, die ähnlich hohe Umsatzrenditen macht."

Vattenfall-Sprecher Stefan Kleimeier bestreitet die Zahlen nicht grundsätzlich. Von einer Lizenz zum Gelddrucken auf Kosten der Bürger könne aber keine Rede sein. "Das ist eine Momentaufnahme. Gewinne und Renditen solcher Anlagen müssen über die gesamte Lebensdauer von rund 20 Jahren betrachtet werden." Der Sprecher verweist auf hohe Baukosten, Anlaufverluste, Nachrüstungskosten und das Risiko teurer Reparaturen. So berechnet habe die durchschnittliche Umsatzrendite des Müllofens am Köhlbrand zwischen 1995 und 2010 bei nur rund fünf Prozent gelegen. Allerdings räumt der Vattenfall-Sprecher ein, dass die Rendite bis 2019 wohl weiter steigen werde.

Teuer bezahlen müssen das die Haushalte im Hamburger Süden. Die dortigen Landkreise haben 20-Jahres-Verträge mit der MVR abgeschlossen, die bis 2019 laufen. Darin sind Abnahmemengen und Verbrennungspreise unverrückbar festgeschrieben. Einen Nachlass könne und werde es nicht geben, heißt es von Vattenfall und Stadtreinigung übereinstimmend. Die Verträge seien gültig. Auch Hamburgs Politik lehnt es ab, den geplagten Gebührenzahlern beizuspringen. Umweltsenatorin Jutta Blankau (SPD) lässt mitteilen: "Die Stadtreinigung hält lediglich ein Viertel an der MVR. Wir können da nichts machen."

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