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Wo ein U-Boot nicht abtauchen darf

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Nach der Jagd auf ein nicht identifiziertes Unterwasserobjekt vor Schweden fuhr eines der Verdächtigen gestern durch den Nord-Ostsee-Kanal

In Schweden hat es Schlagzeilen gemacht, gestern ist es im Nord-Ostsee-Kanal aufgetaucht: Das niederländische U-Boot „Bruinvis“ („Schweinswal“). Auf der Fahrt von Kiel nach Brunsbüttel stand die Besatzung an Deck und ließ sich den Wind um die Nase wehen.

Die „Bruinvis“ gilt als eine der Verdächtigen für die mysteriösen Aktivitäten vor Stockholms Küste. Nach drei Sichtungen eines nicht identifizierbaren Unterwasserobjekts hatte Schweden vergangene Woche mit 200 Soldaten, Kriegsschiffen und Hubschraubern die größte U-Boot-Jagd auf der Ostsee seit Ende des Kalten Krieges eingeleitet. Bislang ohne Erfolg.

Von der Aufregung der vergangenen Tage war gestern nichts zu spüren. Um 7.30 Uhr wurde das Boot der „Walrus“-Klasse (67,7 Meter lang) in Kiel-Holtenau eingeschleust. „Wir sind eine internationale Wasserstraße, wer die nautischen und technischen Voraussetzungen erfüllt, darf passieren“, sagte Axel Rantzow, 2. Ältermann der Lotsenbrüderschaft in Brunsbüttel, wo die „Bruinvis“ am Abend aus der Schleuse in die Nordsee fuhr.

Wohin die Reise geht? „Zu militärischen Fahrzeugen dürfen wir keine Auskünfte geben“, erklärt Wilhelm Lohmann, Nautiker im Wasser- und Schifffahrtsamt.

Aus Sicherheitsgründen wurde die „Bruinvis“ vom Schlepper „Falckenstein“ begleitet, hatte einen Lotsen an Bord. Außerdem ist vor der Passage ein ziviler Transponder der Lotsenbrüderschaft auf dem Turm montiert worden – damit waren die Positionsdaten des U-Boots auch für alle anderen Schiffe sichtbar. „Getaucht fahren durfte das U-Boot natürlich auch nicht“, betont Axel Rantzow. „Jedes Fahrzeug auf dem Kanal muss gesehen werden können.“

Schweden hatte nach drei U-Boot-Sichtungen Russland verdächtigt, seine Hohheitsgewässer zu verletzen. Als ein Beleg dafür wurde eine abgefangene verschlüsselte Sendung auf einer russischen Notfrequenz gesehen, die von einem U-Boot stammen soll. Das Militär nimmt die Sache ernst, da sich das Land an einen Vorfall von 1981 erinnert fühlt, als ein mit Atomtorpedos bestücktes sowjetisches U-Boot an der schwedischen Küste strandete. Russland hingegen hat Schweden eine Überreaktion vorgeworfen. Gesehen worden sei nicht ein russisches U-Boot, sondern die niederländische „Bruinvis“.

„Wir waren es nicht“, sagte ein Sprecher des niederländischen Verteidigungsministeriums gestern unserer Zeitung. Zwar habe es eine Übung mit Schweden gegeben, an der auch das U-Boot beteiligt gewesen sei, doch zum Zeitpunkt der Sichtungen sei die Übung bereits seit zwei Tagen beendet gewesen. Die „Bruinvis“ sei nach Tallinn gefahren, habe dort am Montag abgelegt und sich auf den Heimweg gemacht – via Nord-Ostsee-Kanal.

Für die Version der Niederländer spricht, dass es laut schwedischem Militär jetzt erneut zwei verdächtige Sichtungen gegeben hat.

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