zur Navigation springen

"Wir hätten uns im Keller eingeschlossen und geweint"

vom

shz.de von
erstellt am 11.Mai.2013 | 01:14 Uhr

Vilnius | Das Bild hat es ihm angetan. Eine erkennbar osteuropäisch aussehende ältere Frau hockt im Grünen mit einem Laptop auf den Knien."So sieht das hier aus, wenn man auf dem Land mit seinem Arzt spricht", sagt Torsten Albig. Der schleswig-holsteinische Ministerpräsident sitzt im Universitätskrankenhaus der litauischen Hauptstadt Vilnius und lässt sich erklären, wie moderne Medizin funktionieren kann. Und gleich wird ihm am vorletzten Tag seiner Reise in die drei baltischen Länder klar, dass die Konsultation übers Internet Chancen für Schleswig-Holstein bietet - das Bundesland, das besonders unter Hausarztmangel auf dem Land leidet. Dass dafür ein schnellerer Ausbau der Breitbandversorgung nötig ist, weiß Albig auch und verspricht das gleich mal: "Unser Ziel ist eine flächendeckende Versorgung mit Breitband im ganzen Norden. Dafür werden wir die Haushalte anders organisieren müssen." Sprich: Albig will neue Millionen fürs schnelle Internet bereitstellen - "und zwar so schnell wie möglich".

Es ist nur eine der Sachen, die Albig auf seiner Baltikumreise dazulernt. Der Ministerpräsident zeigt sich begeistert von der Dynamik der drei Länder. "Sie glauben an sich selber. Das macht sie stark", sagt Albig im Anschluss an sein Gespräch mit dem litauischen Staatspräsidenten Algirdas Butkevicius. "Hier sind Dinge in der Krise angepackt worden, wir in Deutschland hätten uns da erstmal ein paar Jahre im Keller eingeschlossen und geweint." Allein die harten sozialen Einschnitte, die der Sparkurs hier mit sich gebracht hat, stören Albig. "Das waren große Verluste für viele Menschen - mehr als wir in Deutschland für erträglich halten." Der Durchschnittslohn eines Litauers liegt bei ein paar hundert Euro, die Preise gleichen denen in Deutschland.

Viele Litauer werden sich schon d eswegen keinen Eindruck vom Schleswig-Holstein-Musikfestival verschaffen können, bei dem der Schwerpunkt auf den baltischen Ländern liegt. Kommen werden aber die drei Ministerpräsidenten, die Albig nun alle persönlich kennt. Und bei aller Begeisterung für das digitale Zeitalter, das im Baltikum schon eingeläutet ist, begeistern sich die "Freunde und Nachbarn" wie Albig sie gern nennt, für ganz analoge Musik.

Und dass Albig die Vorzüge nicht-digitaler Welten genießt, zeigt sein Fazit der Reise: "Bei aller Möglichkeit der modernen Kommunikation, sind doch Besuche, bei denen man sich in die Augen schauen kann, noch immer das Beste."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen