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Wir-Gefühl und Populismus rund um Käßmann

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erstellt am 03.Mai.2013 | 01:14 Uhr

Hamburg | Wenn jemand einer Frau vorwirft, zu nerven, ist das unhöflich. Wenn Margot Käßmann (Foto) davon spricht, dass Frauen nerven, jubeln siebentausend Menschen, klatschen Beifall. Käßmann, die über eine Alkoholfahrt gestürzte frühere Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, stand gestern vor einer überfüllten Messehalle. Und vieles war wie immer, wenn der heimliche Star des Kirchentags irgendwo auftritt: Käßmann vermittelte ihrem Publikum ein "Wir-Gefühl" mit einer guten Dosis Populismus gewürzt. So vergleicht sie die Situation hungerstreikender Gefangener in Guantanamo mit der Lage von Asylbewerbern in Deutschland. In Guantanamo seien seit elf Jahren Menschen inhaftiert. "Wir können dort sehen, wie sehr die Glaubwürdigkeit einer Demokratie leidet, wenn Recht nicht zum Recht kommt." In Deutschland litten Flüchtlinge unter schlechten Unterkünften und Residenzpflicht. "Das ist nicht Rechtsbruch, aber es wird als Willkür empfunden." Käßmann vergleicht Äpfel mit Birnen, aber die Kirchentagsbesucher applaudieren. Für Flüchtlinge haben sie sich immer eingesetzt. Da ist es wieder, dieses "Wir-Gefühl". Käßmann indes spricht über die Prägnanz der biblischen Schriften: Für das Lesen des Gleichnisses, über das sie spricht, habe sie nur eine Minute gebraucht. "Ist das nicht faszinierend: In 60 Sekunden wird etwas ausgesagt, was Menschen begreifen, ganz gleich, wann sie geboren sind, wo sie leben." Selbst brauchte die Theologin eine gute Stunde für ihre Predigt. Und am Schluss ermutigte sie die Besucher zum fröhlichen Weiternerven: "Wir dürfen um Recht ringen wie die bittende Witwe", so Käßmann. "Ja, wir müssen weiter nerven, weil wir mitten in die Welt gewiesen sind mit unserem G lauben."

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