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Schlechtes Weihnachtsgeschäft : Winterschlussverkauf lässt SH kalt

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Der Schlussverkauf in SH läuft schleppend - und der Einzelhandel rätselt, wo die Schnäppchenjäger bleiben. Auch das Weihnachtsgeschäft verlief schlechter als gedacht.

Kiel | Einsame Pirsch: Der schleswig-holsteinische Schnäppchenjäger kann sich in diesem Winter nahezu ungestört von Konkurrenz auf die Sonderangebote im Einzelhandel stürzen. Aus und vorbei die Zeiten, in denen Kunden sich regelrechte Schlachten am Grabbeltisch lieferten oder vor Ladenöffnung vor den Türen lauerten. Die Rabatte zum Winterschlussverkauf in den Innenstädten lassen SH in diesem Jahr kalt.  Der Sale läuft nach Einschätzung des Einzelhandelsverbands bislang nicht gut. „Normalerweise ist in der ersten Schlussverkaufs-Woche deutlich mehr los in den Geschäften“, sagte Hauptgeschäftsführer Dierk Böckenholt. Der Einzelhandel rätsele derzeit noch, woran der schlechte Start des Anfang der Woche begonnenen Schlussverkaufs gelegen habe.

Ein möglicher Grund sei, dass die ersten beiden Januar-Wochen im Einzelhandel in Schleswig-Holstein und Hamburg bereits gut gelaufen sein, sagte Böckenholt. Deshalb werden die meisten Händler nach Einschätzung des Verbandes für den gesamten Monat Januar auch wieder ein ähnliches Umsatzniveau erreichen wie im Vorjahr.

Das schwache Weihnachtsgeschäft drückt die Jahresbilanz des deutschen Einzelhandels nach unten. Denn der Rückschlag im Dezember war überraschend deutlich: In die Kassen der Händler floss preisbereinigt (real) 2,4 Prozent weniger als im Vorjahr, wie das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden mitteilte. „Anscheinend geben die Verbraucher ihr Geld anderswo aus als in den Geschäften, die in die amtliche Statistik einfließen“, sagte Volkswirt Christian Schulz von der Berenberg Bank. Ökonomen hatten mit einem Anstieg um 1,9 Prozent gerechnet. Auch nominal verschlechterte sich das Dezembergeschäft um 1,4 Prozent.

Der Handelsverband HDE zeigte sich enttäuscht: Im Weihnachtsgeschäft im November und Dezember machte der Handel nach HDE-Angaben mit 79,8 Milliarden Euro gerade einmal 0,3 Prozent mehr Umsatz als im Vorjahr.

Auf das Gesamtjahr 2013 blickt der Verband mit gemischten Gefühlen - magere 1,1 Prozent mehr als 2012 nahmen die Händler ein. „Es gab einen positiven Verlauf, aber es hätte mehr passieren können“, sagte Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Rechnet man Preissteigerungen heraus, ging der reale Umsatz nach HDE-Angaben sogar um 0,4 Prozent zurück. Das Statistische Bundesamt berechnete für 2013 ein reales Plus von 0,1 Prozent, nominal nahmen die Einzelhändler demnach 1,4 Prozent mehr ein. Für ihre Zahlen haben HDE und Bundesamt etwas unterschiedliche Berechnungsgrundlagen.

Nach den Daten der Behörde schloss die Branche das Jahr damit zum vierten Mal in Folge mit einem realen Plus ab. Dennoch überrascht das karge Jahresergebnis - denn eigentlich hatte alles für bessere Geschäfte im Handel gesprochen.

Erschwerend für den noch bis Ende kommender Woche laufenden Schlussverkauf sei zudem der Umstand, dass viele Geschäfte angesichts der milden Witterung bereits in den vergangenen Woche spürbare Rabatte auf Winterkleidung gegeben hätten, sagte Böckenholt. Auch zusätzliche Impulse durch den Kälteeinbruch der vergangenen Tage seien bislang ausgeblieben. „Wir hoffen aber noch ein Stück auf die kommende Woche.“

Ein weiterer Grund für die Kaufmüdigkeit im Einzelhandel könnte auch die zunehmende Tendenz zum Online-Shopping sein. Auf der Facebook-Seite von shz.de zeigten sich die Teilnehmer einer kleinen Umfrage unbeeindruckt von den Angeboten vor Ort. „Schäppchenjagd? - klar, aber online“, lautet ein Grund, der Innenstadt fern zu bleiben. „Das Meiste kaufe ich aus Zeitgründen im Internet...“, schreibt eine Leserin. Andere Teilnehmer der Umfrage fühlen sich von den Sonderangebots-Schlachten bedrängt. „Ich kaufe nach Bedarf und nicht, wenn da Sale steht und der Handel der Meinung ist, dass ich kaufen soll", kritisiert ein Facebook-Nutzer. Andere monieren gar einen „Konsumterror“.

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erstellt am 31.Jan.2014 | 16:33 Uhr

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