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Wildbrücke lenkt Tiere auf die Straße

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Jäger und Naturschützer kritisieren den Standort des Bauwerks – und fordern ein Tempolimit zum Schutz vor Unfällen

Das kommt nicht oft vor – dass Naturschützer Grünbrücken kritisieren. Ist aber so im Fall der A 20 bei Strukdorf im Kreis Segeberg.

Vorweg: Grünbrücken sind etwa 50  Meter breit, sind bepflanzt, und sie führen in der Regel über eine Autobahn. Der Sinn: Die Tiere sollen gefahrlos die ihren Lebensraum trennende Autobahn überqueren können. Doch aus Sicht des Naturschutzbeauftragten des Kreises Segeberg, Hans Peter Sager (75), bringt die Grünbrücke Hainholz bei Strukdorf das Wild eher in Gefahr. Denn nur 60 Meter weiter südlich verläuft hier die ehemalige B 206, heute eine Kreisstraße. „Eine gut ausgebaute und eine gefährliche Straße“, sagt Sager. Genau auf diese aber würden die Tiere durch die Grünbrücke gelenkt.

Die Bilanz des Jagdgenossenschaftspächters Wilfried Henck (71) aus Strukdorf bestätigt die Kritik des Naturschutzbeauftragten. „Die Wildunfälle in diesem Bereich sind mehr geworden“, sagt Henck. Seit Beginn dieses Jagdjahres im April habe es nahe der Grünbrücke auf der Kreisstraße zehn Rehe, zweimal Damwild und vier Wildschweine erwischt.

Vor sieben Jahren bereits wurde die Wildbrücke bei Strukdorf für 2,4 Millionen Euro errichtet. Das Teilstück der Autobahn 20 zwischen Lübeck und Geschendorf (Kreis Segeberg) wurde allerdings erst 2009 freigegeben. In der Folge wurde die südlich davon parallel verlaufende alte Bundesstraße 206 zur Kreisstraße 115 herabgestuft.

Aus Sicht von Sager wäre eine Wildbrücke wünschenswert gewesen, die nur 400 Meter weiter östlich die A 20 und die heutige Kreisstraße 115 gleichzeitig überspannt – und an dieser Stelle damit zudem zwei Waldflächen miteinander verbindet. Dass dies „vielleicht zu aufwendig“ gewesen wäre, „das kann ich ja noch einsehen“, sagt der Naturschutzbeauftragte. Jetzt aber, wo die Grünbrücke halt stehe, müsse wenigstens die Geschwindigkeit auf der Kreisstraße auf 70 Stundenkilometer begrenzt und unbedingt vor Wildwechsel gewarnt werden, fordert Sager.


Verkehrsaufsicht des Kreises signalisiert Entgegenkommen


„Gefühlt wird hier bis zu 150 Stundenkilometer schnell gerast“, sagt Jagdpächter Henck. Nach seinen Angaben passieren im Bereich der Grünbrücke Hainholz bis zu 2000 Fahrzeuge täglich die Kreisstraße. „Diese Zahl erscheint mir dann doch zu hoch gegriffen“, sagt dazu Jens Sommerburg, Leiter der Niederlassung Lübeck des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein. Die Verkehrsmenge auf der alten B 206 falle kaum noch ins Gewicht im Vergleich zu früheren Zeiten, als es die A 20 noch nicht gab. „Damals hatten wir 15 000 bis 16 000 Fahrzeuge täglich“, macht Sommerburg deutlich. Mit Blick auf den geringeren Verkehr und die Entlastungswirkung der A 20 sei die Straße zudem von seinerzeit knapp elf Meter Breite auf nunmehr 6,50 Meter angepasst worden.

Gleichwohl sei die Wildunfall-Gefahr damit eben keineswegs gebannt, hält Henck dagegen. Zumal inzwischen entlang der heutigen Kreisstraße etwa sechs Hektar neuer Wald angelegt worden seien. Dieser locke noch mehr Tiere an, die Gefahr des Wildwechsels werde damit sogar noch erhöht. Wie der Kreisnaturschutzbeauftragte fordert der Jagdpächter ein Tempolimit und Wildwechsel-Warnschilder.

Dazu könnte es möglicherweise bald kommen. Nach Angaben von Michael Krüger, Leiter der Verkehrsaufsicht des Kreises Segeberg, dürfen neue Verkehrszeichen angeordnet werden, wenn sie „zwingend erforderlich sind“. Für Wildwechsel heißt dies: „Fünf bis sechs Wildschäden auf einer Strecke von einem Kilometer“, so Krüger. Sein Signal an Sager und Henck: „Wenn wir die Zahlen erhalten, dann werden wir über eine ergänzende Beschilderung – also Tempo 70 und Wildwechsel – nachdenken.“

Zehn Rehe, zweimal Damwild und vier Wildschweine als Verkehrsopfer – sobald das Jagdjahr am 31. März zu Ende ist, wird Henck die Wildunfall-Zahlen präsentieren.

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erstellt am 24.Feb.2014 | 13:50 Uhr

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