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Wie die Tafeln „für ein Lächeln auf dem Gesicht“ an Weihnachten sorgen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

shz.de von
erstellt am 23.Dez.2013 | 00:31 Uhr

Es gibt Lebensmittel im Überfluss – und dennoch herrscht bei vielen Menschen Mangel. Die Tafeln im Norden bemühen sich um einen Ausgleich: Sie sammeln „überschüssige“, aber qualitativ einwandfreie Lebensmittel, und geben diese weiter. In der Weihnachtszeit gibt es auch öfter etwas Besonderes – bei mehreren Tafeln wurde die Bescherung für Bedürftige bereits vorgezogen.

Süssigkeiten gibt’s danach: Oder sie wird nachgeholt. So in der Itzehoer Tafel: Hier gab es eines für die Kunden noch nicht: weihnachtliche Süßigkeiten. Diese würden nach dem Fest erst in den Märkten reduziert angeboten, so Antoinette Deister, Leiterin der Ausgabe. Mit etwas Verspätung landeten sie dann bei der Tafel – und zwar in Mengen. In der Itzehoer Tafel helfen mehr als 70 Mitarbeiter ehrenamtlich, die zweimal in der Woche in der Innenstadt Lebensmittel verteilt: „Mittwoch, wenn die Lebensmittel mit kürzerer Haltbarkeit ausgegeben werden, kommen mehr als 100 Kunden. Jeden Freitag bei der allgemeinen Ausgabe sind es sogar 180 bis 220 Personen“, so Antoinette Deister. Auch am vergangenen Freitag bei der Weihnachtsausgabe waren es wieder 200 Kunden, die sich in dichtem, aber geordnetem Gedränge versorgen konnten. Dabei verteilte der Itzehoer Rotary-Club Kaffee und Kakao, beides Produkte, die sonst schnell vergriffen sind. „Es ist bedrückend beeindruckend, wie viele Leute hier kommen“, sagt Rotary-Präsident Rüdiger Blaschke. „Es ist gut, dass es die Tafel gibt – aber ein Jammer, dass wir sie brauchen.“

Weihnachtstaschen: Auf der Insel Sylt bietet die Tafel den Bedürftigen einen besonderen Service: „Wir packen jedes Jahr Weihnachtstaschen“, sagte die Vorsitzende der Sylter Tafel, Dörte Lindner-Schmidt. „In den Taschen ist natürlich Essen und als Geschenk haben wir einen Kino- und einen Essengutschein beigelegt.“ Die weihnachtliche Aktion habe mittlerweile Tradition und werde sehr gut angenommen, so Lindner-Schmidt. Auf Sylt versorgt die Tafel während zwei Ausgaben pro Woche im Schnitt jeweils 60 Bedürftige. „In der Weihnachtszeit ist der Bedarf jedoch noch größer als sonst.“

Festessen: Zum vorweihnachtlichen Festessen hatte die Rendsburger Tafel ihre Stammgäste eingeladen. 55 Menschen, die sonst zum täglichen Mittagstisch oder den wöchentlichen Lebensmittelausgaben kommen, fanden sich an den gedeckten Tischen im katholischen Gemeindezentrum St. Martin ein. Serviert wurden Ente mit Klößen und Rotkohl sowie als Dessert Stollen-Mousse mit Kirschen. Gespendet hatte die Mahlzeit das Fockbeker Restaurant „De Aalversuuper“. Auch Tischwäsche und Blumendekoration wurden von Betrieben der Region kostenlos zur Verfügung gestellt.

Geschenke mit Spielzeug: Die Kieler Tafel bietet ihren etwa 3800 Kunden im Stadtgebiet rund um die Feiertage Sonder-Öffnungszeiten in zwei der sechs Ausgabestellen an. Zudem erhalten Familien bereits verpackte Geschenke mit Spielzeug dazu, die Kieler Bürger zuvor gespendet haben. Olaf Böcking von der Kieler Tafel: „Natürlich werden unsere Kunden, die nächste Woche kommen, reichhaltiger beschenkt als sonst.“ Zum Teil würden auch länger haltbare Lebensmittel für einige Monate aufbewahrt, um diese vor Weihnachten an die Bedürftigen auszugeben, genauso wie gespendeter Weihnachtsschmuck. Böcking: „Durch die Feiertage fallen einige reguläre Ausgabe-Termine aus, dafür haben wir Ausweich-Termine gefunden.“

Bockwürste und Hähnchen: Die Tafel in Flensburg verteilt nach Angaben ihres Leiters Klaus Grebbin zusätzlich auch Spezielles für die Festtagsmahlzeit: Für Weihnachten und Silvester hätten Firmen aus Flensburg 1500 Pakete Bockwürste und knapp eine Tonne Hähnchenflügel und –keulen gespendet. Bei den Flensburger Tafeln sind rund 2000 Familien registriert, die Zahl schwankt um die hundert Familien. Unmittelbar vor Weihnachten, beim letzten Ausgabetermin am Freitag, hätten die Kunden etwa die doppelte der sonst üblichen Menge erhalten.

Die „Flensburger Gaben“ im Osten der Stadt erwartet vor Heiligabend 140 bis 150 Familien. „Wir haben sehr viele Süßigkeiten für die Kinder gesammelt“, sagt Leiterin Regina Ryl. Es seien auch Beutel gepackt mit Dingen, die es sonst eher nicht gibt: Konservenfisch und „Leckereien“. Speziell für Weihnachten haben sie Rotkohl und Entenhälse und Enten- und Gänseklein. Komplette Enten oder Gänse hingegen gebe es selten.

Für jeden ein Pfund Kaffee: Im Kreis Pinneberg hatten die Tafeln ebenso die Bescherung bereits vorgezogen. Der letzte Ausgabetag der Schenefelder Tafel vor dem Weihnachtsfest stand ganz im Zeichen der Nächstenliebe. „Wir haben dafür gesorgt, dass Kinder und Erwachsene reichlich beschenkt und mit einem Lächeln auf dem Gesicht nach Hause gegangen sind“, freute sich Tafelchef Mathias Schmitz. 210 bedürftige Menschen kamen, um sich mit Lebensmitteln einzudecken. „Ein Rekord“, lautet die Bilanz von Schmitz. Auch in der Hinsicht, dass jedem Erwachsenen ein Pfund Kaffee durch eine Mehraktion der Geschäfte sowie einer Privatspende zur Verfügung gestellt werden konnte. Jedes Kind und jeder Erwachsene konnte sich zudem über ein Geschenk freuen – ermöglicht durch die großzügige Spende der Firma Interschalt und der Sammelaktion der Kinder der Erlöserkirche Halstenbek.

In Elmshorn ist die Tafel über die Weihnachtstage ebenso wie in Schenefeld und auch Pinneberg nicht geöffnet. Bereits am Freitag erhielten die Menschen zahlreiche Geschenke, Tannenbäume und Köllnflocken-Kalender. Auch die Menge an Lebensmitteln, die ausgegeben wurde, sei erhöht worden.

Wunschbaum-Geschenke: Auch bei der Tafel Neumünster war am bereits am Freitag der große Weihnachts-Tag. 32 ehrenamtliche Mitarbeiter und Ein-Euro-Jobber bescherten rund 300 Menschen zusätzlich zu den regulären Lebensmitteln mit vielen Süßigkeiten und Kaffee – ab 14.30 Uhr bis „open end“. Zudem erhielten die Kinder ihre Wunschbaum-Geschenke. Auch Feiern gab es: „Für die Tafelkinder gab es einen Nachmittag mit Zaubereien vom Clown und einer Bescherung durch den Weihnachtsmann, einen Tag davor hatten wir eine Weihnachtsfeier für etwa 40 Tafelkunden ausgerichtet“, sagt Tafel-Chefin Christina Arpe.


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