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Wie das Land die Ostseeküste schützen will

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Ministerium legt komplette Dokumentation im Internet aus / Neue Deiche sind notwendig

shz.de von
erstellt am 07.Feb.2014 | 12:09 Uhr

Schleswig-Holstein ist größer geworden – zumindest was die Ostküste angeht. In den vergangenen rund 130 Jahren sind durch Stürme, Fluten und Wellen auf rund 182 Kilometer Küste rund 690 Hektar Land abgebrochen. Im Gegenzug gab es auf rund 128 Kilometern rund 840 Hektar Anlandungen. Das ist ein Ergebnis des neuen Fachplans Küstenschutz Ostseeküste, den Umweltminister Robert Habeck (Grüne) gestern in Kiel vorgestellt hat. „Er zeigt wie kompliziert die Küste organisiert ist“, sagte er. In dem Plan, an dem Mitarbeiter des Landesamts für Küstenschutz (LKN) fünf Jahre gearbeitet haben, ist zum ersten Mal umfassend gesammelt, was es an Wissen in Verwaltung und Wissenschaft zum Thema Ostküste gibt. Darin finden sich Fotos, Grafiken, Zahlen und Texte, die die Veränderung der Küste dokumentieren. Dabei wurde historisches Material genauso berücksichtigt wie neueste Prognosen. „Wir hätten Publikationen im Umfang von Telefonbüchern drucken müssen, um alles unterzubringen – deshalb haben wir den ganzen Plan online gestellt“, sagte Habeck.

Der Fachplan sei ein „Meilenstein“, helfe Küste zu verstehen und ermögliche es Kommunen, besser zu planen. Habeck warnte aber davor, zu viele Küstenschutzmaßnahmen zu ergreifen. „Es gilt immer, das dafür nötige zu machen, der Natur aber so viel Raum wie möglich zu lassen. Es macht keinen Sinn, gegen die Natur anzuarbeiten.“ Die Küste verändere sich permanent, aber was an manchen Stellen abbreche, werde an anderen wieder angelandet, so der Abteilungsleiter im Umweltministerium, Dietmar Wienholdt. Es mache etwa keinen Sinn, die Steilküste am Brodtener Ufer in der Lübecker Bucht verstärkt zu schützen. „Das würde bedeuten, dass woanders Strände verschwinden. Manchmal ist es besser, nichts zu tun.“

Allerdings machte Wienholdt deutlich, dass bei den Landesschutzdeichen, von denen es an der Ostseeküste deutlich weniger gibt als im Westen, in Zukunft Erhöhungen nötig werden könnten. „Viel wichtiger ist aber, dass wir weitere Niederungen, die jetzt nur durch Regionaldeiche gesichert sind, mit Landesschutzdeichen versehen, die wir nachträglich noch aufstocken können.“ Wienholdt rechnet bis zum Ende des Jahrhunderts mit einem Anstieg des Meeresspiegels von rund 50 Zentimetern. Genaue Prognosen, wo genau der Küstenschutz verstärkt werden müsse, seien aber schwierig.

Natürlich gebe es noch Lücken in der Forschung. So müsse man mehr über den Zusammenhang von Wasserstandshöhen und Wellenschlag herausfinden, so Wienholdt. Für die Westküste seien bereits Untersuchungen im Generalplan Küstenschutz verzeichnet, allerdings arbeite das LKN an einem Fachplan Wattenmeer, in dem Ursachen für Abbrüche und Ablagerungen vor der Küstenlinie untersucht werden. Der Plan soll 2015 fertig sein – und ebenfalls im Netz publiziert werden. Der Vorteil einer solchen Veröffentlichung sei, dass sie immer fortgeschrieben werden könne, so Wienholdt. „Und so kann das Wissen nicht verloren gehen.“


>www.schleswig-holstein.de/Kuestenschutz

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