Tag des offenen Hofes : Wie Bauern in SH wirklich leben

Die Streichelkühe aus Wanderup geben täglich 4000 Liter Milch.  Ingwer, Birgit und Ferdinand Feddersen treiben sie täglich mehrmals per Hand zur Melkanlage, auch diese kann beim Tag des offenen Hofes besichtigt werden.
Die Streichelkühe aus Wanderup geben täglich 4000 Liter Milch. Ingwer, Birgit und Ferdinand Feddersen treiben sie täglich mehrmals per Hand zur Melkanlage, auch diese kann beim Tag des offenen Hofes besichtigt werden.

33 Betriebe im Land öffnen zum Tag des offenen Hofes ihre Türen – auch der Bundesauftakt des Aktionstages findet in Schleswig-Holstein statt

shz.de von
06. Juni 2014, 17:59 Uhr

Wanderup | „Wir sind es leid, als Straßen- und Umweltverschmutzer an den Pranger gestellt zu werden. Wir wollen zeigen, dass Landwirte gut mit ihren Tieren und der Natur umgehen, und dabei gesunde Nahrungsmittel produzieren“, sagt Ferdinand Feddersen aus Wanderup (Kreis Schleswig-Flensburg). Sein Hof mit dem Mix Milchviehhaltung, Futterbau und Erneuerbare Energien ist einer von 33 Betrieben im Land, die am 15. Juni bei der Aktion „Tag des offenen Hofes“ dabei sind. Blicke hinter die Kulissen der modernen Landwirtschaft zu gewähren, Fragen zu beantworten, Besucher mit verschiedenen Aktionen zu unterhalten und mit frischen Produkten zu bewirten – das sind die wichtigsten Ziele des Aktionstages, den die Landwirtschaftskammer und der Bauernverband, unterstützt vom Landwirtschaftsministerium, ausrichten. Auch die Eröffnung des bundesweiten Tag des offenen Hofes findet in diesem Jahr in Schleswig-Holstein statt, am 13. Juni auf dem Hof Tramsen in Dollerup an der Flensburger Förde.

Seit 1907 gibt es den Bauernhof der Feddersens in Wanderup, mittlerweile ist die vierte Generation am Ruder. Die Zukunft des 150 Hektar großen Betriebs ist gesichert. Birgit und Ferdinand Feddersen bewirtschaften den Hof zusammen mit ihrem Sohn Ingwer, einem studierten Agrarwirt. „Für mich gab es nie einen anderen Berufswunsch. Auch weil mein Vater den Hof immer zukunftsfähig betrieben und weiter entwickelt hat“, sagt der Junior. Damit sind vor allem die Erneuerbaren Energien gemeint: Solar-Anlagen, Windenergie und ein Güllewerk, für das kein Mais als Brennstoff angebaut werden muss. „Zu mindestens 90 Prozent gewinnen wir Strom aus Gülle und Mist, dazu kommen Futterreste“, sagt Ingwer Johannsen.

Das Herz des Hofes ist seit jeher die schwarz-bunte Milchviehhaltung. Die 150 Feddersen-Kühe führen ein Bilderbuchleben. Alle haben einen Namen, sind zutraulich und leben im Sommerhalbjahr auf der Weide. „Das ist in Betrieben mit deutlich mehr Kühen mit Blick auf das Melken gar nicht möglich, diese Tiere werden ganzjährig im Stall gehalten“, sagt Birgit Feddersen. Ihre Kühe werden per Hand zur Melkanlage getrieben. „Wir ernten an 365 Tagen im Jahr im Schnitt 4000 Liter Milch“, sagt Ingwer Feddersen. Zeit für freie Wochenenden oder Urlaub bleibt da nur wenig. „Dennoch habe ich eine Freundin. Das Fernsehen vermittelt ja das Bild, dass die meisten Bauern keine Frau mehr finden“, sagt der Juniorchef des familiären Ausbildungs-Betriebs, der zum Sommer noch personelle Verstärkung sucht.

Hofführungen, Arbeitsabläufe, Betriebsquiz, Trecker fahren und Kinderunterhaltung lauten die Programmpunkte am 15. Juni von 10 bis 16 Uhr beim Tag des offenen Hofes in Wanderup. Dazu gibt es ein Landfrauen-Café, über das sich Birgit Feddersen als Vize-Präsidentin der Landes-Landfrauen besonders freut. „Anders als viele andere beteiligte Höfe haben wir keine Direktvermarktung, keinen Laden oder Beherbergungsbetrieb – uns geht es wirklich nur um die positive Öffentlichkeitsarbeit für unseren Berufsstand“, betont Ferdinand Feddersen. Gespannt ist der Landwirt aus Leidenschaft auf den Ausgang seines Kuh-Roulettes. Dafür wird eine seine Lieblingskühe auf ein großes Roulette-Feld gestellt. Die Besucher können tippen, auf welches Feld die Schwarz-Bunte den ersten Kuhfladen setzen wird, der Gewinner bekommt einen Geldpreis.

Viele weitere tolle Erlebnisse erwarten die kleinen und großen Besucher, die am 15. Juni einen Ausflug aufs Land zu den anderen 32 offenen Höfen unternehmen. Der Aktionstag möchte sich so vielfältig und bunt wie die Landwirtschaft in Schleswig-Holstein präsentieren. Die Palette reicht von Tierhaltung, Pflanzen- und Gartenbau bis zur Verkostung Hof eigener Produkte wie Käse, Fleischwaren, Honig, Erdbeeren, Frühkartoffeln oder Spargel. Dazu stehen die Bauerngärten auf vielen Höfen derzeit in voller Pracht.

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