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Weniger Wald im Norden

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erstellt am 15.Aug.2013 | 01:14 Uhr

Kiel | Schleswig-Holsteins Waldbesitzer schlagen Alarm. Denn das Land weist für das Jahr 2012 eine negative Waldbilanz aus - zum ersten Mal seit mehr als 40 Jahren. Nach vorliegenden Zahlen aus dem Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (MELUR) sei die Waldfläche 2012 im Vergleich zum Vorjahr um 80 000 m² oder acht Hektar zurückgegangen. Erstmals seit Beginn der Statistik im Jahr 1969 sei damit mehr Waldfläche gerodet oder in andere Nutzungsarten umgewandelt worden, als neu aufgeforstet oder als Ersatzforstung entstanden sei, heißt es von Seiten der Waldbesitzer.

Schleswig-Holstein ist das waldärmste Flächenland der Republik und liegt sogar bei den drei Stadtstaaten noch hinter Berlin. Der Waldanteil im Norden beträgt nach Angaben der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald lediglich zehn Prozent - bei einem Bundesdurchschnitt von rund 30 Prozent. Der Landesentwicklungsplan sieht als Ziel einen Waldanteil von zwölf Prozent der Landesfläche vor. "Dazu müssten wir 30 000 Hektar neuen Wald schaffen", sagt Hans-Caspar Graf zu Rantzau, Vorsitzender des Waldbesitzerverbandes. "Der erstmalige Rückgang der Waldfläche ist ein Besorgnis erregendes Zeichen für den Wald und die Waldbesitzer." Trotz aller politischer Willensbekundungen habe schon in den vergangenen Jahren nur noch eine geringe Waldzunahme stattgefunden. "Mit der erstmaligen Abnahme seit über 40 Jahren wird das gemeinsame Zwölf-Prozent-Ziel nun gänzlich ad absurdum geführt", so zu Rantzau. Schuld daran seien unter anderem Rodungen für den Stromtrassenbau und die Umwandlung von Wald für Naturschutzprojekte. Zudem fehlten finanzielle Mittel zur Erstaufforstung. "Und die forstliche Förderung soll unter der neuen Landesregierung noch weiter abgebaut werden, dies ist ein fatales Signal für den ländlichen Raum." Hauptursache für den Waldschwund ist laut MELUR der Bau der Stromtrasse Krümmel-Görries, für die 86 Hektar gerodet worden seien. Dafür würden im Ausgleichsverhältnis 1 : 3 zwar 240 Hektar Wald angepflanzt, doch dies habe 2012 noch nicht zu Buche geschlagen. Einen Rückgang der Förderung von aktuell 3,2 auf 2,4 Millionen Euro im Jahr 2014 im Rahmen allgemeiner Einsparmaßnahmen bestätigt das Ministerium. Angesichts der Flächenkonkurrenz setze das Land zunehmend auf den naturnahen Umbau von vorhandenem Wald. "Wir kommen nicht mehr an die Flächen ran, weil die Preise - vor allem durch den agrarstrukturellen Wandel - so stark gestiegen sind", sagt Umweltminister Robert Habeck. "Das macht die Bildung von Neuwald extrem schwierig. Deshalb müssen wir uns zurzeit vor allem auf die Qualität des Waldes konzentrieren."

Es würden große Anstrengungen unternommen, um aus reinen Nadelbaumbeständen zunehmend stabile Mischwälder mit einem hohen Anteil von heimischen Laubbäumen zu machen. "Damit ist der Wald besser für den Klimawandel gerüstet", sagte Habeck. "Vielfältige Mischwälder, die dem Standort angepasst sind, kommen viel besser mit steigenden Temperaturen, Witterungsextremen und Schädlingsbefall klar als reine Nadelwälder".

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