Welterbe ohne Grenzen

Die Weite des Wattenmeeres: Jetzt will neben den Niederlanden, Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein auch Dänemark Teil des Welterbes sein.Grafikfoto.de
Die Weite des Wattenmeeres: Jetzt will neben den Niederlanden, Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein auch Dänemark Teil des Welterbes sein.Grafikfoto.de

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17. Januar 2013, 01:14 Uhr

kopenhagen/kiel | Nun wird voraussichtlich doch noch das komplette Wattenmeer Welterbe der Unesco. Im zweiten Anlauf will auch Dänemark seinen Teil des einzigartigen Naturareals für das prestigeträchtige Siegel anmelden. Anders als beim ersten Versuch 2005 durchkreuzen die betroffenen Kommunen das Ziel der Regierung in Kopenhagen nicht mehr.

Die Unterstützung auf der örtlichen Ebene reiche diesmal aus, um das dänische Watt in den grenzübergreifenden Schulterschluss einzubeziehen, kündigt die dänische Umweltministerin Ida Auken an. Die Sozialistin hatte nach Antritt der derzeitigen Mitte-Links-Regierung im Herbst 2011 die einstigen Pläne erneut aus der Schublade geholt. Mit Ausnahme des direkt an Deutschland angrenzenden Tondern haben sämtliche Kommunen bis hinauf in die Sommerhaushochburgen nördlich von Esbjerg ihre uneingeschränkte Zustimmung erklärt. Zuvor waren auf Röm eine Fläche zur Hafenerweiterung und die Fahrrinne des Hafens von Esbjerg aus der Zone herausgenommen worden, die Welterbe werden soll. Grundsätzlich will auch Tondern mitmachen. Dort stört man sich lediglich an den genauen Abmessungen. Während die Ministerin die Welterbe-Zone bis hoch an die Deichkrone reichen lassen will, möchte die Grenzstadt bereits 150 Meter vor dem Deich Schluss machen. Der liberale Bürgermeister Laurids Rudebeck und seine Mehrheit im Stadtrat sorgen sich vor Hürden bei künftigen Deichverstärkungen.

"Ich hätte gern eine uneingeschränkte Rückendeckung auch aus Tondern gesehen - aber deswegen soll die große Mehrheit nicht um diese Chance betrogen werden", sagte Auken. Das Watt biete "ein Riesen-Potenzial", um - wie bereits südlich der Grenze - den naturbezogenen Tourismus in Dänemark auszubauen.

Die oberste dänische Naturschutzbehörde bereitet nun für die Regierung das Nachmelde-Verfahren vor. Der zuständige Projektbetreuer Bent Rasmussen skizziert gegenüber unserer Zeitung den Fahrplan: Bereits Ende Januar sollen die offiziellen Anträge mit ministerieller Unterschrift der Unesco-Zentrale in Paris vorlegen. Die Dänen rechnen damit, dass das Welterbe-Komitee dann im Sommer 2014 über die Nachmeldung entscheidet.

Das Watt vor Schleswig-Holstein, Niedersachsen und den Niederlanden ist seit 2009 Weltnaturerbe. Dänemark hatte bei den viele Jahre zurückreichenden Vorbereitungen zunächst mitgemacht, war dann aber ausgestiegen, weil die Lokalbevölkerung damals befürchtete, dass mit dem Siegel Restriktionen einhergingen. Unterstützung aus der betroffenen Region sei aber eines der Aufnahmekriterien der Unesco, betont Rasmussen.

In Schleswig-Holstein hatte der dänische Rückzug sowohl bei Naturschützern als auch Touristikern seinerzeit für große Enttäuschung gesorgt. Die Hoffnung für einen späteren Beitritt war aber stets lebendig geblieben. Hamburg hat seine um die Insel Neuwerk herum liegenden Wattflächen 2011 als Welterbe nachgemeldet. Somit ist Dänemark das letzte Puzzle-Stück, das noch fehlt.

"Ich freue mich sehr über die Entscheidung in Dänemark und sichere unseren nördlichen Nachbarn jegliche Unterstützung in dem Anmeldeprozess zu", sagt Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck (Grüne). "Mit der Anerkennung des gesamten Wattenmeeres von den Niederlanden bis nach Esbjerg als Weltnaturerbe wäre ein zentrales Ziel unserer langjährigen Kooperation zum Schutz des dieses einzigartigen Lebensraumes erreicht." Habeck sieht darin "erneut einen Anlass, das Wattenmeer weltweit in den Fokus des Interesses zu rücken, als Beispiel für erfolgreichen grenzüberschreitenden Naturschutz dreier Staaten und als lohnendes Urlaubsziel für Naturliebhaber im Herzen Europas".

Und wie weit an die Küste reicht in Deutschland die Welterbe-Zone heran? Dazu gibt es keine einheitliche Regelung. Das Weltnaturerbe ist laut Kieler Umweltministerium in allen Teilen des Wattenmeeres so abgegrenzt wie das jeweilige "trilaterale Schutzgebiet", also das Gebiet, das im Rahmen der "trilateralen Regierungskooperation zum Schutz des Wattenmeeres" zwischen Deutschland, den Niederlanden und Dänemark als Schutzgebiet ausgewiesen ist. In Schleswig-Holstein verläuft die landseitige Grenze des Nationalparks 150 Meter seewärts von der äußeren Kante der Deichkrone, in Niedersachsen hingegen direkt am Deich. Vor Sylt und Amrum sind Gebiete bis zur Zwölf-Seemeilen-Grenze einbezogen, in Dänemark reicht das Schutzgebiet dagegen nur bis drei Seemeilen hinaus. Das Königreich folgt also mit der jetzigen Anmeldung bei der Unesco dem Grundsatz, dass das trilaterale Schutzgebiet der Weltnaturerbefläche entspricht.

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