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Was für ein Sonnenuntergang!

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

von
erstellt am 08.Okt.2013 | 00:33 Uhr

California Dream heißt eine Motorradreise für Leser: Auf einer Harley-Davidson geht es von Los Angeles zu den Nationalparks in der Sierra Nevada, nach San Francisco und auf dem berühmten Highway 1 an der Pazifik-Küste zurück. Redakteur Rolf Blase ist dabei.


Rom wurde auf sieben Hügeln gebaut, San Francisco auf 36 kleinen und sieben großen Hügeln. „The crookedest Street in the World“ nennen die Amerikaner ein Stück der Lombard. Das ist wie vieles übertrieben, aber ein Gefälle von 27 Prozent ist schon was Handfestes. Auch wenn der 145 Meter lange Abschnitt bereits 1922 mit dem Bau von acht Spitzkehren entschärft wurde und die Filbert Street eine Steigung von 31,5 Prozent aufweist, ist und bleibt die Lombard die berühmteste krumme Straße der Welt. Und sie wird in den Mietverträgen für die Harleys erwähnt: Man unterschreibt, dass man so steile Straßen nicht fährt. „Sonst ist meistens die Kupplung hin“, erklärt Mirko. Aber das hatte ja ohnehin niemand vor, schließlich gibt es in der europäischsten aller US-Städte viel zu entdecken.

Am Fisherman’s Wharf pulsiert das Leben. Wo früher die Fischerboote anlegten, werden zwar immer noch Meeresfrüchte verkauft, aber nicht mehr im Großhandel. Die Restaurants und Stände bieten Krabben, Shrimps, Lobster und Muscheln in allen Variationen, wer einen Tisch möchte, muss häufig warten: Fisherman’s Wharf hat sich zu einer der Haupt-Touristenattraktionen entwickelt. Die andere ist die Cable Car, bei der man am Wochenende gerne mal eine halbe oder dreiviertel Stunde warten muss, bis man in einem der Wagen einen Sitz- oder Stehplatz ergattert. Und wenn es die steilen Straßen rauf und runter geht, machen sich der Gripman und der Bremser gern mal den Spaß, die Touristen mit einer scheinbar abrupten Aktionen ein wenig zu erschrecken.

Dass die Cable Cars überhaupt noch fahren, ist übrigens Frauen zu verdanken. Als 1947 die letzten noch genutzten Linien des schon anachronistisch gewordenen Verkehrssystems aufgegeben und durch Busse ersetzt werden sollten, gründete die Arztgattin Friedel Klussmann die „San Francisco Beautiful Organisation". Sie brachte 27 Fraueninitiativen und Berühmtheiten auf ihre Seite und zwang die Stadtverwaltung mit einer Volksabstimmung in die Knie.

Was man sonst noch gesehen haben sollte oder könnte: Union Square und Market Street, Russian Hill und Pacific Heights, Coit Tower oder Chinatown, Presidio oder Golden Gate Park? Und Pier 39, wo sich vor 13 Jahren die ersten Seelöwen ansiedelten und wo heute der Katamaran ablegt.

Durch die Bay geht es vorbei an Alcatraz Richtung Golden Gate und Sonnenuntergang. Und was für einer! Dass es sich am Nachmittag etwas zugezogen hatte, entpuppt sich jetzt als Glücksfall. Die letzten Strahlen der untergehende Sonne lassen die Wolken rotgolden erstrahlen, ein fast schon kitschiger Hintergrund für die majestätische Hängebrücke. Aber es ist echt. „Ich war schon zwölfmal hier, aber das habe ich noch nie gesehen“, sagt Mirko. Und der Tourguide zückt wie alle anderen die Kamera und macht die Karte voll und den Akku leer.

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