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Schusswaffen in SH : Waffenbesitz: Schleswig-Holstein ist hoch gerüstet

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In SH gibt es 215.000 gemeldete Waffen. Kritiker fordern schärfere Kontrollen. Jäger und Sportschützen verteidigen den Besitz.

Kiel | Einige Kreise in Schleswig-Holstein scheinen regelrechte Waffenhochburgen zu sein. So kommen in Dithmarschen 102 registrierte Waffen auf 1000 Einwohner – in den Kreisen Schleswig-Flensburg und Rendsburg-Eckernförde sind es jeweils 101 und 110 Waffen. Waffengegner betrachten diese Zahlen mit Sorge. Sportschützen und Jäger dagegen verteidigen ihren Besitz.

„Jeder, der eine Waffe besitzt, ist seit mindestens einem Jahr im Verein und muss dann eine Prüfung absolvieren“, sagt Arno Wilhelm, Vorsitzender des Kreisschützenverbands Rendsburg-Eckernförde. Anrufe besorgter Eltern hatte Wilhelm trotzdem schon öfter. „Ich lade sie dann ein, damit sie sehen, dass hier nicht rumgeballert wird, sondern die Kinder ordentlich ausgebildet werden.“ In der Regel habe jeder Sportschütze nur eine Waffe. Es sei denn, er schießt in unterschiedlichen Disziplinen, so wie Alfred Koitzsch, Vorsitzender des Kreisschützenverbands Schleswig-Flensburg. Er hat gleich sechs meldepflichtige Waffen zu Hause. Bevor ein Sportschütze eine Waffe erwerben darf, prüft sein Schützenverein, der Landesfachverband und das Ordnungsamt, ob der Antragsteller geeignet ist. „Und das Ordnungsamt ist dabei sehr streng und konsequent“, so Koitzsch.

Ein Antragsteller bekam seine Waffenbesitzkarte vorerst nicht ausgehändigt, weil ein Gerichtsverfahren gegen ihn lief. Dabei ging es um Unterhaltszahlungen für seine Ex-Frau, erzählt Koitzsch. In einem anderen Fall wurde einem jungen Mann der Waffenschein entzogen, nachdem die Polizei ihn mit Alkohol am Steuer erwischt hatte. „Das ist auch gut so, dass er nie wieder eine Waffe besitzen darf. Denn dieser Vorfall hat gezeigt, dass er nicht vertrauenswürdig ist“, findet er.

Neben den Sportschützen sind Jäger die zweite große Gruppe der Waffenbesitzer. In Schleswig-Holstein gibt es rund 18.000. Dabei besitzen sie in den seltensten Fällen nur eine Waffe. „Zwei ist bei uns eigentlich das Minimum“, sagt Marcus Börner, Pressereferent des Landesjagdverbands. Die Gefahr, die von Jagdwaffen für Menschen ausgeht, schätzt er als sehr gering ein. Schließlich gebe es ganz klare Vorschriften zur Aufbewahrung. Und: „Das Messer in der Schublade kann genauso zur Gefahr werden. Und da kommt man viel leichter ran.“

Nach Recherchen der Zeitung die „Zeit“ wurden 2013 in Deutschland mindestens 27 Menschen mit registrierten Schusswaffen getötet – bei insgesamt 54 bekannt gewordenen Todesfällen durch Schusswaffen. Dazu kommen noch hunderte Selbstmorde. Über aktuelle Fälle in Schleswig-Holstein kann das Landeskriminalamt keine Angaben machen. Von 2008 bis 2012 sind in Schleswig-Holstein acht Menschen durch Schusswaffen ums Leben gekommen. Ob es sich dabei um registrierte oder illegale Waffen handelte, werde nicht statistisch erfasst.

 

„Das ist eine politische Entscheidung, dass die Zahl der Legalwaffen-Morde bis heute nicht detailliert veröffentlicht wird“, meint Roman Grafe, Sprecher der Initiative „Keine Mordwaffen als Sportwaffen.“ Die Gruppe hat es sich zur Aufgabe gemacht, über solche Taten aufzuklären.

Demnach sind in Schleswig-Holstein zwei Fälle bekannt: 1991 wurde ein Mann in Lübeck bei einem Streit erschossen. Und in Tornesch hat 1994 ein 57-jähriger Mann seine Ehefrau und dann sich selbst getötet. Die Täter waren Mitglieder im Schützenverein und die Sportwaffe die Tatwaffe. Trotz der vergleichsweise geringen Zahl der Fälle, fordert Grafe ein Verbot aller „tödlichen Sportwaffen“.

Auch die Fraktion der Grünen im Kieler Landtag äußert sich kritisch zum Waffenbesitz. Burkhard Peters, innen- und rechtspolitische Sprecher der Fraktion, fordert, dass Waffen nicht mehr im Privatbereich aufbewahrt werden dürfen. „Da besteht einfach immer die Gefahr, dass jemand an die Waffen rankommt.“ Stattdessen sollten die Schusswaffen in Waffenkammern aufbewahrt werden. Außerdem seien die Kontrollen in den Kreisen und Städten zu gering. Das sei vor allem ein personelles Problem, sagt Peters.

Der Kreis Rendsburg-Eckernförde hat bereits reagiert und für die Überprüfung der Waffenhalter eigens eine Stelle besetzt. Seit vergangenem Jahr ist die Mitarbeiterin dabei, die 8000 registrierten Besitzer anzuschreiben, erklärt Andreas Brück von der Jagd- und Waffenbehörde. Ein Merkzettel soll sie über die Vorschriften aufklären. Außerdem müssen die Halter nachweisen, dass sie ihre Waffe gesichert aufbewahren. „Sind Unstimmigkeiten oder Bedenken da, wird auch mal eine Ortsbesichtigung gemacht“, erklärt Brück.

Auf ganz Deutschland gesehen kommen übrigens rund 67 Waffen auf 1000 Einwohner, damit liegt der Norden mit zehn Waffen mehr über dem Bundesdurchschnitt. Doch das ist kein Vergleich zu den USA. Dort kommen sogar mehr als 1000 Waffen auf 1000 Einwohner.

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erstellt am 26.Jan.2014 | 18:46 Uhr

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