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Vorwürfe gegen Ökostromanbieter Care Energy

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shz.de von
erstellt am 16.Mai.2013 | 01:14 Uhr

Hamburg | Pfiffige Geschäftsidee oder Trickserei auf Risiko der Kunden? Der Hamburger Billig-Ökostromanbieter Care Energy sieht sich massiven Zweifeln an seinem Geschäftsmodell ausgesetzt. Die Bundesnetzagentur hat gegen die Care-Holding Mk-Group mit Sitz im Hamburger Hafen ein Verfahren wegen Umgehung von Abgaben aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) eingeleitet. Laut einer Sprecherin der Netzagentur besteht der Verdacht, dass Care Energy mit "eigenwilliger Rechtsauslegung versucht, sich den EEG-Zahlungen zu entziehen". Möglicher Schaden: zwei Millionen Euro.

Zudem hat der Bundesverband der Verbraucherzentralen den Energieversorger wegen angeblich undurchsichtiger Kundenverträge abgemahnt. Laut Kerstin Hoppe, Juristin des Bundesverbandes, bleibe in den Schriftstücken unklar, wer aus der Mk-Firmengruppe Vertragspartner des Care-Kunden sei. Auch die Klauseln zu Preiserhöhungen seien intransparent. Firmengründer und -eigner Martin Kristek weist die Vorwürfe in Gänze zurück und vermutet eine Kampagne der großen Energieversorger, die dem Newcomer Knüppel zwischen die Beine werfen wollten. "Das ist eben ein hart umkämpfter Markt", sagte der Care-Energy-Chef gestern vor Journalisten und stellte klar: "Wir zahlen sämtliche Abgaben und Steuern - und das pünktlich."

Der Österreicher erstaunt die Branche mit Niedrigstpreisen für seinen hundertprozentigen Ökostrom. Pro Kilowattstunde verlangt Care Energy 19,9 Cent, rund ein Viertel weniger als die nächstgünstigeren Konkurrenten. Dank des Kampfpreises hat der Versorger binnen 14 Monaten 250 000 Kunden gewonnen. Dabei sieht sich der Geschäftsmann als ein Förderer der Energiewende mit ausgeprägtem sozialen Gewissen. So wirbt Care Energy mit dem "einzigen Sozialstromtarif" hierzulande für Bedürftige. Auch bot das Unternehmen an, in Flensburg 300 Haushalte mit Strom zu versorgen, die wegen ausstehender Zahlungen vom Netz abgeklemmt wurden. "Am eigentlichen Stromverkauf verdiene ich kaum etwas", räumte Kristek ein. Profit mache Care Energy vielmehr über die Grundgebühr von 6,99 Euro monatlich sowie als "Energiedienstleister". Als solcher verkaufe Care Kunden Solarmodule zur eigenen Stromproduktion sowie Energiespar-Fernseher und andere Öko-Geräte. 2012 habe sein Unternehmen rund 100 Millionen Euro umgesetzt und einen "ausreichenden Gewinn" gemacht.

Kritiker sehen Parallelen zum Schicksal der Billiganbieter TelDaFax und Flexstrom. Die hatten mit üppigen Wechselrabatten gelockt und den Strompreis jährlich vorab kassiert. Nach der Insolvenz war das Geld für die Kunden verloren. Den Vergleich mit den Stromdiscountern weist Kristek von sich: "Wir verlangen keine Vorabzahlungen und schließen keine Laufzeitverträge. Bei uns kann jeder mit einer Frist von sechs Wochen kündigen."

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