Viele offene Fragen

peter_hoever

shz.de von
11. September 2014, 12:00 Uhr

Das Urteil der Koalitionsfraktionen ist vielsagend. Die nennen das Inklusionskonzept von Bildungsministerin Waltraud Wende zurückhaltend eine „gute Grundlage“ für weitere Diskussionen. Im Klartext heißt das nichts anderes als: Da muss noch eine Menge nachgebessert werden. Tatsächlich ist das zweimal verschobene Konzept enttäuschend. Kreativ waren Wende und ihr Ministerium ohne Frage. Ein Sammelsurium von Einzelmaßnahmen aber ist noch lange kein Konzept für die Lösung einer hochkomplexen Fragestellung wie die der Inklusion. Im Nebel etwa bleibt die künftige Rolle der Schulassistenten. Mehr als 13 Millionen Euro will die Koalition dafür bereitstellen. In knapp einem Jahr sollen die „helfenden Hände“ in den Schulen mit anpacken. Wer sie beschäftigen wird, welche Rolle die Assistenten bei der Inklusion konkret spielen sollen, welche Qualifikation sie mitbringen müssen – all das ist offen. Das gilt auch für die Frage der Schulbegleitung, über deren Finanzierung Land und Kommunen noch immer streiten. Den schulpsychologischen Dienst auszubauen, macht fraglos Sinn. Diese Idee quasi mit Lehrerstellen zu finanzieren, ist angesichts des Unterrichtsausfalls an den Schulen kontraproduktiv. Nicht zuletzt will Wende 15 inklusive Zentren einrichten. Auch deren Aufgabenstellung bleibt unklar. Immerhin eine Erkenntnis ist in der Koalition inzwischen gereift. Inklusion braucht Zeit und eine Menge Geld. Wer das ignoriert, nimmt in Kauf, dass Inklusion am Ende nicht zu mehr Chancengerechtigkeit für Kinder mit Handicap führt, sondern zur deren Ausgrenzung.

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