Versicherungsbetrug: Ermittlungen im Milieu

Avatar_shz von
19. Januar 2013, 01:14 Uhr

Kiel | Bisher konzentrierten sich die Ermittlungen gegen Rocker auf Straftaten aus dem Rotlichtmilieu: Drogen-, Menschen- und Waffenhandel. Jetzt kommt Versicherungsbetrug hinzu. Mitglieder der verbotenen Kieler "Hells Angels" sollen sich damit eine Einnahmequelle verschafft haben - wobei sie gemeinsame Sache mit einem Kieler Versicherungsvertreter gemacht haben sollen.

"Der Beschuldigte sitzt in Untersuchungshaft", sagt Oberstaatsanwältin Birgit Heß. "Ihm wird gewerbsmäßiger Betrug und Untreue vorgeworfen."

Aufgeflogen sind die Taten durch die Auswertung von Unterlagen, die bei der großen Rocker-Razzia im Mai 2012 bei den "Hells Angels" beschlagnahmt wurden. Acht Jahre lang betrogen die Rocker offenbar verschiedene Versicherungen, angeklagt sind rund 70 Fälle. Schaden: mindestens 100 000 Euro.

Versicherungsvertreter Roland K. war unter anderem für die "AachenMünchener" und die "Mannheimer" tätig - und berechtigt, Schäden in bestimmter Höhe selbst zu regulieren. Das "Schleswig-Holstein Magazin" berichtet, Mitglieder und Unterstützer der "Hells Angels" seien per "Chef-Ansage" verpflichtet worden, Versicherungsverträge abzuschließen. Dies gehe aus den Vernehmungen des Rocker-Kronzeugen Steffen R. hervor und sei von einem weiteren Ex-Rocker bestätigt worden. Kurz darauf sollen sie fingierte Schäden gemeldet haben - wie etwa den angeblichen Diebstahl eines alten Motorrades, einen vermeintlichen Wasserschaden oder imaginäre Brände. Der Versicherungsmakler kümmerte sich um die Regulierung, die Summe wurde dann geteilt.

Der Sprecher der "AachenMünchener" sagt: "Bereits vor der Razzia hatten wir Unregelmäßigkeiten bemerkt und dem Agenten, der fest für unser Unternehmen gearbeitet hatte, fristlos gekündigt." Durch die Ermittlungen der Polizei seien dann weitere Fälle entdeckt worden. "Jetzt arbeiten wir eng mit der Kieler Staatsanwaltschaft zusammen."

Der Versicherungsvertreter ging geschickt vor, es ging stets um moderate Summen von bis zu 2000 Euro. "Aber es waren sehr viele Fälle", heißt es aus der Versicherungsbranche.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen