Verein hilft 29 Menschen beim Suizid

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04. Januar 2013, 01:14 Uhr

Hamburg | Der Verein "Sterbehilfe Deutschland" des ehemaligen Hamburger Justizsenators Roger Kusch hat im vergangenen Jahr 29 Menschen in Deutschland in den Tod begleitet. Er konnte sich hierbei auf ein Gesetz berufen, das die Beihilfe zur Selbsttötung erlaubt. Mit Hilfe einer Person können Mittel zum Suizid bereitgestellt werden. Doch nun will die schwarz-gelbe Bundesregierung ein Gesetz auf den Weg bringen, das die Sterbehilfe bei unheilbaren Krankheiten genauer regelt. Das Kabinett hatte vor Monaten einen Entwurf von Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) gebilligt, wonach die gewerbsmäßige Hilfe bei der Selbsttötung untersagt und mit einer Strafe von bis zu drei Jahren Haft belegt werden soll.

Kusch sieht dem Entwurf, der eine prinzipielle Straflosigkeit bei Sterbehilfe vorsieht, und von Bundesärztekammer über Kirchenverbände bis hin zu Teilen der Politik - auch innerhalb der Koalition - auf Ablehnung stößt, entspannt entgegen, verfolge sein Verein doch keine kommerziellen Absichten. "Wir nehmen kein Geld, das berührt uns also nicht", sagt er. Doch der ehemalige Oberstaatsanwalt, der den Verein 2010 gründete, ist kein unbeschriebenes Blatt in puncto kommerzieller Sterbehilfe und steht seitdem unter Beobachtung.

Schon 2008 hatte der bundesweit wohl bekannteste Befürworter von Suizidhilfe Kusch fünf Menschen bei der Selbsttötung durch Giftcocktails geholfen, dies auf Video dokumentiert und veröffentlicht. In vier Fällen berechnete er jeweils 6500 Euro Honorar sowie 1500 Euro für einen Psychologen. Im selben Jahr noch untersagte ihm das Hamburger Verwaltungsgericht die weitere Praxis dieser Art, woraufhin Kusch verkündete, dies nicht mehr mit kommerziellen Absichten tun zu wollen. Doch aus Sicht der Bundesjustizministerin könnte sein Verein, der jährliche Beiträge von 200 Euro, wahlweise 2000 Euro für eine lebenslange Mitgliedschaft kassiert, auch jetzt als Gewerbe angesehen werden.

K usch weiß um den schmalen Grat, auf dem sein Verein wandert. Noch im Sommer hatte er eine Verschwörung gegen diesen gewittert und angekündigt, sollte das Gesetz den Bundestag passieren, werde der Verein rechtliche Schritte einleiten. Nun sagte der 58-Jährige: "Wir fühlen uns nicht adressiert" und bewertet es positiv, "dass durch das neue Gesetz endlich die nötige gesellschaftliche Debatte zur Sterbehilfe angestoßen wird" .

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