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Verbraucherschutz nur vorgeschoben? CDU nimmt bleifreie Munition aufs Korn

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Wer Rehrücken, Hasenkeule oder Wildschweinbraten auf dem Teller hat, der könnte Schaden nehmen – wenn das Wild mit bleihaltiger Munition erlegt wurde. Mit diesem Argument hat die Landesregierung per Gesetz das Schießen mit bleihaltiger Munition ab April 2015 verboten. Das sei erforderlich, „damit Wild als Lebensmittel bedenkenlos verzehrt werden kann“, erklärte Marlies Fritzen (Grüne) bei der Parlamentsberatung im Juni. Sie verwies auf einen Studie des Instituts für Risikobewertung vom Dezember 2010, „die vor häufigem Verzehr von Wildfleisch wegen der Akkumulation von Blei in unseren Körpern warnt“. Der Verbraucherschutz, so Fritzen, habe hohe Priorität.

Doch daran zweifelt jetzt die CDU im Norden. Auf die Frage des Unions-Abgeordneten Hauke Göttsch aus Ehndorf (Rendsburg-Eckernförde), ob die Landesregierung ab April dafür sorgen will, dass überhaupt kein Wild mehr auf den schleswig-holsteinischen Markt gelangt, das mit Bleimunition erlegt wurde, antwortet diese mit „Nein“. Wildfachgeschäfte, aber auch Supermärkte und Discounte dürfen also auch künftig das mit Schwermetall belastete Fleisch in ihren Kühltruhen anbieten. „Das beweist eindeutig: Das Verbraucherschutzargument ist nur vorgeschoben“, stellt Göttsch fest. Der Albig-Regierung gehe es nicht darum, dass die Menschen nur bleifrei geschossenes Fleisch auf den Teller kriegen. „Es geht ihr um bloße Effekthascherei, weil bleifrei sich erst einmal gut anhört.“

In Deutschland werden pro Jahr über 30 000 Tonnen Wildfleisch verzehrt. Etwa 60 Prozent werden aus dem Ausland importiert. Auf den Tellern der Schleswig-Holsteiner landet aber auch Fleisch aus anderen Bundesländern, in denen noch mit bleihaltiger Büchsenmunition geschossen werden darf.

Querschüsse gegen das Bleiverbot hatte die Union während des Gesetzgebungsverfahrens mehrfach abgefeuert. Auch Ex-Ministerpräsident Peter Harry Carstensen schoss scharf. Er fürchtet, dass Tiere künftig länger leiden. Bei Munition aus Kupfer oder dem noch härteren Messing sei die Gefahr eines Durchschusses ohne sofortige Tötungswirkung größer als bei Blei. „Dies ist ein klarer Verstoß gegen das Tierschutzgesetz.“ Sein Fazit: Solange nicht gewährleistet sei, dass geschossene Tiere sofort tot sind, „darf eine ausschließliche Verwendung von bleifreier Munition nicht geduldet werden“. In einer Online-Petition fand er 4100 Unterstützer. Umweltminister Robert Habeck (Grüne) meint jedoch, Carstensen hinke der Debatte um Jahre hinterher. „Bleifreie Munition hat sich bewährt“ so der Minister. Auch für die Verbraucher – aber nur, wenn sie künftig ausschließlich heimisches Wild essen!

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erstellt am 11.Aug.2014 | 16:05 Uhr

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