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Offener Brief : Unterrichtsausfall: Eltern beschweren sich bei Albig

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Landeselternbeiräte beklagen in einem offenen Brief die "Mangelwirtschaft" an den Schulen in SH. Das Bildungsministerium verspricht ein Konzept.

Kiel | Unangenehme Post für den Ministerpräsidenten: In einem offenen Brief an Torsten Albig beklagen die Landeselternbeiräte die „Mangelwirtschaft“ in den Schulen, die inzwischen „ein nicht mehr erträgliches Ausmaß erreicht hat“. Landesweit nehmen demnach die Klagen über Unterrichtsausfall und dauerkranke Lehrer dramatisch zu. Stundentafeln seinen mancherorts kaum noch zu erfüllen. Einige Schulen streichen einfach den Stundenplan zusammen, da es ohnehin nicht genug Lehrkräfte für den Unterricht in bestimmten Fächern gebe, heißt es in dem Schreiben.

Da selbst Bildungsministerin Waltraud Wende (parteilos) von 1600 fehlenden Planstellen ausgeht, müsse Albig endlich eingreifen. Schuldenbremse hin oder her: „Wir benötigen für die Zukunft unserer Kinder nicht nur ein schuldenfreies Land, sondern unbedingt eine vernünftige Bildung.“ „Der jetzige Zustand ist für uns Eltern nicht mehr tragbar“, schreiben die Eltern an den Landesvater und verweisen auf warnende Stimmen aus Wirtschaft und Wissenschaft. So beklagen Gymnasien sich über den miserablen Wissenstand der Grundschüler, Arbeitgeber über fehlende Ausbildungsreife der Azubis und Unis über Studenten ohne gutes Grundwissen.

Die Stundentafeln einfach zu kürzen, ist für Elternvertreter nicht akzeptabel, das komme einer „Bankrotterklärung des Landes“ gleich. Auch die im Rahmen sinkender Schülerzahlen geplante Reduktion der Lehrerstellen wollen sie nicht hinnehmen.

Zu allem Überfluss sei der Topf für Vertretungsstunden (Feuerwehrfonds) in einigen Kreisen bereits seit August aufgebraucht – was das Bildungsministerium gestern allerdings prompt dementierte. Im August seien noch 50 Prozent der Mittel abrufbereit gewesen, zudem könnten Engpässe einzelner Kreise durch regionale Mittelverschiebungen ausgeglichen werden, erklärt Ministeriumssprecher Thomas Schunck auf Anfrage.

Den Elternvertretern versicherte er, dass das Ministerium die offensichtliche Problematik „ohne Vorbehalte anpackt und den Unterrichtsausfall nicht länger beschönigt“. Dafür wird jetzt eigens das Computer-Programm Odis optimiert, mit dem täglich an jeder Schule erfasst wird, warum eine Stunde ausfällt und – genauso wichtig! – wie sie ersetzt worden ist. Zudem sei ein Konzept gegen Unterrichtsausfall in Arbeit, bei dem auch die „Zensusmillionen“ hilfreich sein könnten. Einen Teil der Mittel – nämlich neun Millionen Euro – setzt die Regierung zur Verbesserung der Unterrichtsversorgung ein.

Ob die Zahl der dauerkranken Lehrer tatsächlich steigt – wie Landeselternbeiräte und Gewerkschaft behaupten – dafür gibt es trotz modernster Datenverarbeitung keine belastbaren Zahlen. Ein möglicher Hinweis könnte die Zahl der dienstunfähig geschriebenen Lehrer sein. Deren Anteil an den „Abgängen“ liegt derzeit bei 20,9 Prozent und bewegt sich damit in etwa auf der Höhe der Vorjahre. Bevor jemand wegen Krankheit vorzeitig in Pension geschickt wird, vergehen oft Monate, teilweise sogar Jahre, in denen die Lehrkraft nicht im Unterricht eingesetzt werden kann.

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erstellt am 22.Okt.2013 | 00:39 Uhr

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