Erstaufnahme in Eggebek : Unterbringung von Flüchtlingen in SH: Es herrscht trügerische Idylle

Viele Flüchtlinge müssen die Erstaufnahmeeinrichtung  in Neumünster nach wenigen Wochen wieder verlassen.
Bald sollen auch Flüchtlinge nach Eggebek kommen.

500 Flüchtlinge sollen nach Eggebek kommen. Eine neue Dimension für eine kleine Gemeinde. Ein Kommentar von Gero Trittmaack.

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11. Mai 2015, 21:13 Uhr

Eggebek | Im Norden des Landes haben sich die Gemeinden und Ämter in den vergangenen Monaten immer wieder ihrer Willkommenskultur gerühmt. Für die Flüchtlinge gibt es Lotsen, die die Menschen aus den Krisengebieten in der Nachbarschaft bekannt machen, bei der Erledigung der häufig ungewohnten Behördengänge helfen, den Weg zum Kindergarten zeigen und Sprachkurse organisieren.

Die einzigen Probleme, die öffentlich wurden, betreffen die Beschaffung von geeignetem Wohnraum. Auf diese Weise ist ein wohltuender Umgang mit den Menschen entstanden, die teilweise schreckliche Leiden hinter sich haben und bei uns Sicherheit und Frieden suchen.

Aber machen wir uns nichts vor – die Idylle ist trügerisch. Ein Grund für die von Mitmenschlichkeit geprägte Atmosphäre ist auch die Tatsache, dass die Flüchtlinge bisher ganz bewusst meist in kleinen Gruppen oder Familien auf die Dörfer in der Fläche verteilt wurden. Die Verantwortlichen sprechen nicht gerne darüber, aber es gibt in der Bevölkerung schon jetzt durchaus Ängste und fremdenfeindliche Strömungen.

Das ist nach den unsäglichen Anschlägen von Tröglitz und Escheburg auch im Innenministerium bekannt: Das in Eggebek geplante Containerdorf soll von einem Zaun gesichert und mit einer Polizeiwache ausgestattet werden. Die Aufgabe, die den Menschen in Eggebek jetzt bevorsteht, ist größer und anspruchsvoller als je zuvor. 500 Asylsuchende direkt vor der Haustür sind eine völlig neue Dimension für eine kleine Gemeinde.

Darum muss jetzt das Bewusstsein vermittelt werden, dass diese Menschen auch dann noch Hilfe benötigen, wenn sie in einer großen Gruppe zusammenleben. Damit nicht Unbehagen und diffuse Ängste die Oberhand gewinnen, ist Offenheit und größtmögliche Aufklärung über die Situation der neuen Nachbarn notwendig. Und die Bereitschaft, ihnen unvoreingenommen zu begegnen.

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