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Uniklinikum: Gewerkschaft Verdi fordert Neuanfang

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

shz.de von
erstellt am 20.Dez.2013 | 00:34 Uhr

Die Gewerkschaften sägen kräftig am Stuhl von UKSH-Chef Jens Scholz. Angesichts des Rekorddefizits von knapp 40 Millionen Euro und des Vertrauensverlustes gegenüber den Beschäftigten sei „ein Rücktritt die Möglichkeit zu einem Neuanfang“, erklärte gestern Verdi-Mann Stefan Kühhirt.

Doch so schnell wackelt der Stuhl von Scholz nicht. Kaum war die Aufforderung, den Hut zu nehmen, auf dem Tisch, stellte sich das Ministerium demonstrativ vor Scholz, den ohnehin niemand um seinen zwar gut dotierten, aber aufreibenden Job beneidet. „Richtig ist, wir müssen noch mehr Tempo machen“, ließ Bildungsstaatssekretär Rolf Fischer mitteilen und fügte hinzu: Das bereits geschnürte Rettungspaket „wollen wir mit diesem Vorstand forcieren“.

Die Solidaritätsadresse an Scholz kommt nicht von ungefähr. Schließlich war es Fischer gewesen, der am Montag mit seiner Äußerung, man wolle „die Etablierung eines Flächentarifvertrages anstelle des aktuellen Sanierungsvertrages prüfen“, die Gewerkschaften auf den Plan gerufen hatte. Die macht sich nicht nur „Sorgen um Schleswig-Holsteins größtes Unternehmen “– wie Verdi-Sprecher Stefan Kühhirt betont –, sondern kämpft gegen Mitgliederschwund. „Die wollen sich profilieren“, meint ein Klinikmitarbeiter, der über einen Flächentarifvertrag, der womöglich mehr Urlaub, Sicherheit und Gehalt bringe, „gar nicht so unglücklich ist“.

Eine Privatisierung des UKSH hatte Fischer zuvor schon ausgeschlossen, da die Entwicklung in den privatisierten Universitätsklinika zeige, dass dieser Weg keinen Erfolg bringe. „Von den 38 Uniklinika werden 2014 voraussichtlich 32 rote Zahlen schreiben“, betonte Fischer und versicherte, die Rolle des Landes weiter zu stärken. Die Landesregierung wolle die finanzielle Beteiligung beim UKSH-Bauprojekt erhöhen, auf weitere Ausgliederungen – mit Ausnahme des bereits laufenden Facility Management im Bau – verzichten und anstreben, ausgegliederte ‚Töchter‘ womöglich wieder zurückzuholen.

Derweil wird weiter gerätselt, warum das Defizit so rasant wächst. UKSH-Sprecher Oliver Grieve versucht zu erklären: „In diesem Jahr sind die Schleswig-Holsteiner zum Glück gesünder als im Vorjahr.“ Nicht nur die Zahl der behandelten Patienten – immerhin 400 000, davon ein Viertel stationär – sei gesunken, sondern auch die Schwere der Fälle. Das brachte weniger Geld ein. „Zudem werden die Notfallambulanzen für uns immer teurer.“ Die Vergütung von 68 Euro pro Quartal und Behandlungsfall sei hingegen angesichts der aufwendigen Diagnostik und Therapie viel zu gering.

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