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Uni Kiel schafft das Plagiat ab

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erstellt am 22.Mai.2013 | 01:14 Uhr

Kiel | Sie vergibt jährlich rund 500 Doktortitel und musste sich bisher noch nicht mit Plagiatsfällen auseinandersetzen. Damit das so bleibt, setzt die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) neue Standards bei der Promotion. Eine Software wird künftig jede Dissertation nach kopierten Passagen ohne Quellenangabe absuchen. Und sollte eine Arbeit mit dem Prädikat "Ausgezeichnet" (opus eximium oder summa cum laude) bewertet werden, wird ein auswärtiger Gutachter bestellt, der prüft, ob diese Note auch tatsächlich berechtigt ist. "Wir haben keine Angst, unsere eigene Bewertung von Außenstehenden kontrollieren zu lassen", erklärte CAU-Präsident Prof. Gerhard Fouquet gestern.

Mit summa cum laude wurde auch die Doktorarbeit des wohl prominentesten Gesichts der Plagiatsäffaren der Vergangenheit bewertet: die des ehemaligen Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU). Sein Doktorvater blieb zunächst hartnäckig bei dieser Einschätzung, rückte erst später davon ab, sprach dann aber von "schwerwiegenden Mängeln".

Die Kieler Uni will es erst gar nicht zu solchen Mängeln kommen lassen. Die jetzt vom Hochschulsenat beschlossenen Grundsätze für Promotionen sehen vor, dass Doktoranden und Professoren eine Betreuungsvereinbarung unterschreiben. Doktorväter müssen ihre Doktoranden künftig verlässlich betreuen. "Das war in der Vergangenheit nicht immer der Fall", sagte Fouquet. Bis zum Ende des Sommersemesters 2014 sollen alle acht Fakultäten die Promotionsverordnungen umsetzen. Damit wird die Uni erstmals seit ihrer Gründung 1665 einheitliche Grundsätze haben, laut Fouquet ein "revolutionärer Schritt", der auch deswegen notwendig sei, weil Dissertationen oft interfakultär ausgelegt seien. "Nach der Kritik am Promotionssystem der deutschen Universitäten war uns wichtig, dass wir die Neugestaltung in die Hand genommen haben und nicht das Ministerium", erklärte Vizepräsident Frank Kempken.

Dem Gesetzgeber fehle der Detailbezug zum Promotionsrecht. Kempken legt Wert darauf, dass mit dem Erwerb der Software, die sogar bei Hausarbeiten verwendet werden kann, die Studenten nicht unter Generalverdacht gestellt werden. "Wir wollen eine Qualitätsverbesserung."

Besonders begabte Studenten dürfen in Zukunft bereits nach dem Bachelor promovieren, das bisher notwendige Masterstudium fällt dann mit der ersten Phase der Promotion zusammen. Auch Absolventen der Fachhochschulen sollen künftig promovieren können. Nach Angaben des Wissenschaftsministeriums sind sechs entsprechende Promotionsstellen für ca 1,3 Millionen Euro geschaffen worden.

Was Plagiate angeht, sehen die neuen Grundsätze eine Verjährungsfrist übrigens nicht vor. So können in Kiel auch nach 20 oder 30 Jahren Doktortitel noch aberkannt werden.

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