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Tunnelstreik: Verdi beugt sich der Kritik

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erstellt am 07.Aug.2013 | 01:14 Uhr

RENDSBURG/KIEL | Nach massiven Protesten aus Politik, Wirtschaft und Bevölkerung hat die Gewerkschaft Verdi gestern eingelenkt: Sie wird den Rendsburger Nord-Ostsee-Kanal-Tunnel bei ihrem heute beginnenden Streik in der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) im Norden verschonen. "Wir können die Bürgerinnen und Bürger und auch den Schwerlastverkehr von und nach Skandinavien nicht dafür bluten lassen, dass der bayerische Verkehrsminister keine Bewegung im Tarifkonflikt zeigt", sagte Verdi-Nord-Fachbereichsleiter Jochen Penke gestern Mittag nach einer Mitgliederversammlung. Zugleich forderte er Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) zur "sofortigen Aufnahme von Tarifgesprächen" auf.

Tags zuvor hatte Penke dagegen noch angekündigt, dass die Leitstelle des Kanaltunnels ab kommendem Mittwoch zum Streik aufgerufen werde. "Dann darf kein Auto mehr durch den Tunnel fahren", hatte Penke unserer Zeitung gesagt. Dieser Plan sorgte gestern früh vor allem deshalb für Empörung, weil er die einzige Ausweichstrecke in der Region für die teil gesperrte Rader A-7-Hochbrücke lahm gelegt hätte. Die schleswig-holsteinischen Oppositionsparteien CDU und FDP hatten Verdi daher aufgefordert, die Ankündigung sofort zurückzunehmen. "Eine Blockade des Tunnels hätte volkswirtschaftliche Schäden in Millionenhöhe zur Folge", warnte etwa CDU-Verkehrsexperte Hans-Jörn Arp. Für den Präsidenten der Unternehmensverbände Nord, Uli Wachholtz, zeigte die Streikandrohung, dass Verdi "jegliches Problem- und Verantwortungsbewusstsein für die Arbeitsplätze unseres Landes fehlt". So verspiele die Gewerkschaft sämtliche Sympathien.

Auch Landesverkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) zeigte sich besorgt. Er mischte sich zumindest insofern in den Tarifstreit ein, als er gestern Vormittag auf Anfrage erklären ließ, er gehe davon aus, dass Verdi "die prekäre Verkehrslage bekannt ist und so besonnen vorgeht, dass es nicht zum Lahmlegen des Kanaltunnels kommen wird". Selbst gewerkschaftsintern gab es Kritik an den Streikplänen. Matthias Stein, Personalratschef des Wasser- und Schifffahrtsamts Kiel-Holtenau, sagte unserer Zeitung, er sei für einen "Streik mit Augenmaß" und halte wenig davon, "irgend etwas lahmzulegen." Gestreikt wird ab heute trotzdem am Nord-Ostsee-Kanal - wenn auch nicht in Rendsburg. Vielmehr soll es von heute bis zum Wochenende Arbeitsniederlegungen an den Kanalschleusen in Brunsbüttel geben. Dadurch drohen der Schifffahrt erhebliche Behinderungen. Auch Fähren im westlichen Kanal-Abschnitt sollen bestreikt werden.

Mit dem Arbeitskampf will Verdi einen Tarifvertrag für den laufenden Umbau der WSV durchsetzen, der Jobs und Einkommen der Beschäftigten schützt. Minister Ramsauer hält den allerdings für überflüssig, weil er ohnehin schon weitreichende Garantien abgegeben hat, die Kündigungen, Zwangsversetzungen und Lohnkürzungen ausschließen. Diese Garantien sind nach seiner Ansicht "wirksamer Bestandteil der Arbeitsverträge" in der WSV - und würden sogar einen besseren Rechtsschutz als ein Tarifvertrag bieten.

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