Trends: Aus Litfaßsäulen werden blinkende digitale Leuchtstelen

<strong>Shop-Optik suggeriert</strong> das Gefühl, vorm Regal zu stehen. <foto>hfr</foto>
Shop-Optik suggeriert das Gefühl, vorm Regal zu stehen. hfr

shz.de von
12. Januar 2013, 01:14 Uhr

Hamburg | Bei U- und S-Bahnfahrten wird das urbane Szenario von sich bewegenden Reklame-Leuchtbildern begleitet, die immer mehr auch den direkten Kontakt zum Verbraucher suchen. Mit synchron geschalteten elektronischen Screens, speziell in frequenzstarken Bahnhofsbereichen, hat das digitale Plakat bundesweit Einzug in deutsche Großstädten gehalten. In der Hansestadt feilen Kreativ-Agenturen nun am nächsten Schritt, Außenwerbung und personenbezogene Internettechnologie miteinander zu verschmelzen.

Andreas Jobmann verantwortet die Innovationssparte beim Hamburger Drogeriemarkt Budnikowsky. Noch heute ist er stolz auf die Kampagne, die er im Oktober 2011 mit dem Unternehmen für Naturkosmetik Aliqua realisiert hat. Über Nacht sprossen aus den vier Aliqua-Läden Hunderte virtuelle Boutiquen. Auf Großflächenplakaten konnte der interessierte Kunde über Quick-Response-(QR-)Codes in den Online-Shop von Aliqua gelangen. Die Plakate boten eine Shop-Optik und vermittelten beim Betrachter somit das Gefühl, als stünde er direkt vor den Produkten im Regal des Geschäfts. "Wir waren europaweit die Ersten im Bereich der der sogenannten schnelldrehenden Produkte, die diese Technologie genutzt haben", sagt Jobmann.

Doch gut ein Jahr später scheint auch die QR-Technologie, die aus einem starren Plakat eine digitale Mehrwert-Plattform macht, überholt zu sein. "QR-Codes haben den Zenit überschritten und sich als Format nicht durchgesetzt", sagt Thomas Heyen, Kreativdirektor bei Lukas Lindemann Rosinski. Denn: "Mobilfunk und Smartphone können mehr als einen Code abfotografieren." Es ginge stattdessen um den nächsten Schritt, so Heyen, "Wie trete ich in die direkte Interaktion und biete mehr, als nur eine zweidimensionale Fläche mit einer Message." Jobmann verweist auf den neuesten Trend der Near Field Communication (NFC), bei der in Kreditkarten oder auch Mobiltelefonen implantierte Mikrochips den kontaktlosen Datenaustausch ermöglichen. "Was sich bei bargeldloser Zahlung kleiner Beträge schon durchgesetzt hat, kann sich perspektivisch auch in der Werbung etablieren", ist sich Jobmann sicher.

Auch Adrian Ulrich, Leiter der Abteilung Kreativwirtschaft bei der Handelskammer Hamburg, glaubt an eine Trendwende. So könne Außenwerbung auf die Stimmung von Konsumenten zugeschnitten werden. Idendifiziert das System beispielsweise unglückliche Konsumenten, könnten Werbungen für Schokolade und Urlaub eingeblendet werden.

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