Tourismus sucht Gemeinsamkeiten

Seit 2007 Geschäftsführerin der Lübeck Travemünde Marketing GmbH: Andrea Gastager.
Seit 2007 Geschäftsführerin der Lübeck Travemünde Marketing GmbH: Andrea Gastager.

Marketingorganisationen von Nord- und Ostsee halten sich für unverzichtbar / Wirtschaftsminister Meyer stellt heute neues Konzept vor

fju_maj_0203 von
02. März 2014, 18:04 Uhr

Auch wenn die Chefinnen der Marketingorganisationen von Nord- und Ostsee ihre eigene Rolle bei einer Reform der Branche gern gestärkt sähen – eine Tourismusagentur Schleswig-Holstein (TASH) auf Landesebene halten sie nach wie vor für notwendig. Nur brauche es eines neuen Anlaufs, um die Aufgaben zwischen den verschiedenen Ebenen abzugrenzen, wünschen sich Constanze Höfinghoff von der Nordsee-Tourismus-Service-GmbH (NTS) und Katja Lauritzen vom Ostsee Holstein Tourismus (OHT).

Katja Lauritzen verweist auf ein Eckpunktepapier aller touristischen Organisationen, das vor mehr als einem Jahr eine Aufteilung der Zuständigkeiten versucht habe. „Das müssen wir wieder aufgreifen und sauberer durchdeklinieren“, fordert sie. Gleich zwei zeitlich zusammenfallende Anlässe sieht Lauritzen dafür: die neue Tourismuskonzeption des Landes, die Wirtschaftsminister Reinhard Meyer heute vorstellen will. Und den Geschäftsführerwechsel an der Spitze der TASH: Christian Schmidt hört zum 31. März auf, Andrea Gastager, bisher Chefin der Lübeck und Travemünde Marketing GmbH, folgt zum 1. Juni nach.

Lauritzen vergleicht den Aufbau der Marketing-Struktur im Land in Anlehnung an das Eckpunktepapier mit einem Trichter: Die TASH managet unter anderem die allgemeine Imagewerbung, die Vergabe von Marktforschungsaufträgen, die Kooperation mit Reiseveranstaltern, mit der Deutschen Zentrale für Tourismus und dem Norddeutschen Küstenland sowie als Verantwortliche für den Auftritt Schleswig-Holsteins auf der Leitmesse ITB in Berlin. In der Mitte des Modells folgen die Regionalverbände von Nord- und Ostsee, den Städten und dem Binnenland. Sie reichern die TASH-Marketingkampagnen mit konkreten Angeboten aus der Fläche an – und spielen zugleich die je nach Geografie unterschiedlichen Trümpfe. „Die Fehmarnbeltquerung zum Beispiel ist ein spezifisches Ostseethema, das Watt ein typisches Nordseethema“, nennt die OHT-Managerin als Beispiel.

Auch im immer wichtigeren Auslandsmarketing, das andere gern der TASH zusprechen, sehen die Damen von Nord- und Ostsee eigene Bedürfnisse: Während die Nordsee vor allem bei Schweizern und Österreichern auf Interesse stoße, locke die Ostsee in erster Linie die Skandinavier.

Auf Stufe drei des Eckpunktepapiers schließlich steht die lokale Ebene. Ihre Aufgabe: Servicefunktionen für den Gast, Vertrieb von Unterkünften, Bereitstellung der touristischen Infrastruktur, Veranstaltungen und Qualitäts-Management für die Angebote. Diese dritte Ebene professionalisiert sich zusehends. Ab 2007 forciert das Land überörtliche Zusammenschlüsse zu sogenannten Lokalen Tourismusorganisationen (LTO). Kiel macht touristische Zuschüsse von der Mitgliedschaft eines Orts in einer LTO abhängig. Sie sollen das Kirchturmdenken überwinden. Abgeschlossen ist der Prozess allerdings nicht. Gut 15 Gebilde gibt es inzwischen, einige, wie etwa an der Flensburger Förde, haben erst gerade zusammengefunden.

Als Drehscheibe zwischen lokaler und Landesebene halten sich Ostsee-Holstein-Tourismus und Nordsee-Tourismus-Service-GmbH auch im brancheninternen Kommunikationsprozess für unverzichtbar. Constanze Höfinghoff: „Wir sind viel dichter an den Befindlichkeiten und Bedürfnissen der Orte als Kiel – das können die von da aus gar nicht schaffen.“

Eine engere Kooperation mit der TASH kann sich Lauritzen etwa bei der Planung von Marketing-Kampagnen vorstellen: „Um die touristischen Leistungsträger darin einzubinden, wäre es sinnvoll, wenn wir und die TASH sie gemeinsam ansprächen – und nicht jeder für sich.“ Sie betont: „Wir vom OHT haben dazu immer Offenheit demonstriert, etwa, indem wir unsere Mediapläne offenlegen.“

Die künftige TASH-Geschäftsführerin Andrea Gastager kennt das vielschichtige Verhältnis der touristischen Stufen nicht nur aus ihrer Lübecker Arbeit, sondern auch aus ihrer Verantwortung für die Marketingkooperation Städte in Schleswig-Holstein (MaKS). „Grundsätzlich wünsche ich mir ein besseres Miteinander und mehr Kooperation auf den verschiedenen Ebenen“, betont sie. „Es ist dringend notwendig, dass wir die Reihen schließen und gemeinsam nach vorne gehen, um mehr Wertschöpfung aus dem Tourismus für Schleswig-Holstein zu generieren.“ Die Potenziale seien enorm. Gastager betont, dass sie sich die Arbeit der TASH nur mit den vorhandenen Verästelungen in die Fläche vorstellen kann: „Die Imagewerbung für unser Land muss gemeinsam mit den Partnern der Regionen, Orte und Städte erfolgen.“

Die nominierte First Lady des Schleswig-Holstein-Tourismus’ hat aber keineswegs nur das Marketing im Blick, wenn es um mehr Gemeinsamkeiten geht. Wichtig sei ebenso, dass die Landesebene in Abstimmung mit regionalen und lokalen Partnern die Infrastruktur modernisiere, etwa „zeitgemäße Angebote im Beherbergungssektor koordiniert“. Gastagers Motto – gerade auch im Hinblick auf die heutige Präsentation des Ministerpapiers: „Die Strategie muss überzeugen, dann arbeiten auch die Strukturen gut zusammen.“

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert