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Tödlicher Überfall: Rentner vor Gericht

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Eine Bande raubte den wohlhabenden Senior aus – er schoss einem der Täter in den Rücken

shz.de von
erstellt am 22.Apr.2014 | 12:59 Uhr

Die tödlichen Schüsse auf einen jugendlichen Räuber aus Neumünster – heute beginnt in Stade der Prozess gegen den Schützen.

Rentner Ernst B. war im Dezember 2010 vor seiner reetgedeckten Villa in Sittensen (Landkreis Rotenburg) von fünf jungen Männern überfallen worden. Sie hofften auf reiche Beute, denn ihr Opfer hatte es als Bestatter zum Millionär gebracht.

Der Tipp für den Überfall kam von einer Prostituierten aus Neumünster, deren Liebesdienste der wohlhabende Senior in Anspruch genommen hatte. Ernst B., ein passionierter Jäger, war zur Tatzeit nach einer OP auf Krücken angewiesen. Als er seine Hunde im Zwinger füttern wollte, wurde er von den Räubern ins Haus gedrängt. Ihm sei eine Pistole an den Kopf gehalten, sein Portemonnaie mit 2000 Euro aus der Hose gezogen worden. Als die Räuber den Tresor öffnen wollten, lösten sie jedoch den Alarm aus – und flüchten.

Ernst B. griff nach einer seiner Waffen und schoss den jungen Männern hinterher. Labinot S. (16) aus Neumünster wurde in den Rücken getroffen und starb.

Waren diese Schüsse Notwehr oder handelte es sich um Totschlag? Darüber hatte es ein heftiges juristischen Tauziehen gegeben. Die Staatsanwaltschaft war zunächst von Notwehr ausgegangen – und stellte das Verfahren ein. Die Familie des Getöteten erhob dagegen Widerspruch. Es gab neue Ermittlungen, denen dann doch eine Anklage vor dem Landgericht Stade folgte. Doch die zuständige Kammer lehnte die Eröffnung des Verfahrens ab. Die Familie legte erneut Beschwerde ein. Das Oberlandesgericht Celle entschied schließlich: Es muss verhandelt werden, der Fall könne nicht nach Aktenlage entschieden werden.

Nun steht der heute 80 Jahre alte Ernst B. vor dem Landgericht und muss sich wegen Totschlags verantworten. Bedeutend für das Urteil könnte eine Pistole sein, die erst eine Woche nach der Tat neben dem Leichenfundort im Schnee entdeckt wurde. Der Verdacht: Der Rentner hat sie dort deponiert, um eine Bewaffnung der Räuber vorzutäuschen.

Diese hatten lediglich eine Softair-Pistole dabei, die sie aber nicht für den Überfall genutzt haben wollen. Die vier Komplizen des Getöteten sind zu Haftstrafen zwischen drei und vier Jahren verurteilt worden. Einer der jugendlichen Täter wurde nach Verbüßung seiner Strafe in den Kongo abgeschoben.

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