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Tod von Yagmur – Staatsanwaltschaft prüft Mitschuld des Jugendamtes

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

shz.de von
erstellt am 21.Dez.2013 | 00:31 Uhr

Erst am Donnerstagabend war gegen sie Haftbefehl ergangen – und doch könnte die Mutter des toten Mädchens Yagmur schon bald wieder frei sein. Das Amtsgericht hat gestern auf Antrag der Anwältin entschieden, dass Melek Y. von der U-Haft verschont werden könnte. Die Staatsanwaltschaft hat Beschwerde eingelegt, über die nun das Landgericht befinden muss.

Melek Y. (26) und Ehemann Hüseyin (25) stehen im Verdacht, für den Tod ihrer dreijährigen Tochter verantwortlich zu sein. Yagmur war am Mittwochmorgen in der elterlichen Wohnung in Mümmelmannsberg (Billstedt) an einem Leberriss innerlich verblutet. Ihr Körper wies überdies etliche Blutergüssen auf. Die Ermittler vermuten schwere Gewalteinwirkung als Todesursache.

Der Vater sitzt wegen dringenden Verdachts auf Totschlag in U-Haft. Gegen seine Frau lautet der Haftbefehl auf Körperverletzung mit Todesfolge durch Unterlassen. In ihrer Vernehmung hatte die Mutter ausgesagt, ihr Mann habe Yagmur misshandelt. Der Vater streitet die Vorwürfe ab. Er ist bei der Polizei aktenkundig.

Im Jahr 2010 kam Yagmur zur Welt. Weil die Eltern seinerzeit keine eigene Wohnung besaßen und überfordert waren, kam das Kind sofort nach der Geburt in die Obhut des Jugendamtes. Dieses brachte Yagmur in einer Pflegefamilie unter. Das Sorgerecht habe aber weiter bei den leiblichen Eltern gelegen, so Andy Grote, Leiter des Bezirksamts Mitte, dessen Jugendamt zuletzt zuständig war.


Verhängnisvolle Entscheidung


Gestern mehrten sich die Anzeichen, dass Behördenmitarbeiter bei der Betreuung von Yagmur schwerwiegende Fehler gemacht haben könnten. Die Staatsanwaltschaft hat inzwischen Vorermittlungen aufgenommen. Möglicherweise hat das Jugendamt im Sommer dieses Jahres eine verhängnisvolle Fehlentscheidung getroffen. Im Januar 2013 war Yagmur wegen schwerer Schädelverletzungen und einer eingerissenen Bauchspeicheldrüse operiert worden. Rechtsmediziner stellten massive Fremdeinwirkung als Ursache fest – Polizei und Staatsanwaltschaft ermittelten. Schon bald gerieten die leiblichen Eltern ins Visier der Fahnder. Sie hatten ihre Tochter im fraglichen Zeitraum mehrfach vorübergehend zu sich genommen.

Doch noch während das Ermittlungsverfahren lief, entschied das Jugendamt, Yagmur dauerhaft bei Melek und Hüseyin Y. unterzubringen. In deren Obhut ist das Mädchen vermutlich schon vor ihrer tödlichen Verletzung schwer misshandelt worden. Laut Polizei entdeckte der Notarzt am Körper des leblosen Kindes am Mittwoch etliche überschminkte Hämatome.

Am Montagnachmittag muss Sozialsenator Detlef Scheele (SPD) in einer Sondersitzung des Familienausschusses den Abgeordneten Rede und Antwort stehe.

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