Kriminalstatistik SH 2013 : Tatorte verlagern sich ins Internet

Wohnungseinbruch
Herkömmliche, ungesicherte Fenster sind leicht und schnell zu öffnen.

Die Zahl der Straftaten ist in Schleswig-Holstein im Jahr 2013 so niedrig gewesen wie seit 1980 nicht mehr. Das sagt die aktuelle Kriminalstatistik. Weniger Arbeit für die Polizei bedeutet das aber nicht.

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06. März 2014, 11:47 Uhr

Weniger Jugendkriminalität, weniger Einbrüche - die Kriminalitätsstatistik verbucht einen Rückgang bei Verbrechen in SH. Die Zahl der Straftaten in Schleswig-Holstein ist 2013 auf den niedrigsten Stand seit 1980 gesunken. Doch der schöne Schein trügt: Die Tatorte finden sich zunehmend im Internet. Die Polizei registrierte in der Statistik im vergangenen Jahr insgesamt knapp 200.000 Delikte, 5,6 Prozent weniger als 2012. Jede zweite Tat wurde aufgeklärt.

Kiel | Die Belastung der Menschen mit Kriminalität ging im vergangenen Jahr weiter zurück. Auf 100.000 Einwohner entfielen 2013 rechnerisch 7125 Straftaten. Damit liegt Schleswig-Holstein mit der so genannten Häufigkeitszahl zum ersten Mal unter dem Bundesdurchschnitt der Vorjahre.

Innenminister Andreas Breitner nannte die Zahlen der Polizeilichen Kriminalitätsstatistik insgesamt erfreulich. Er warnte jedoch vor voreiligen Schlüssen. „Nächstes Jahr kann alles wieder anders sein“, sagte der Minister. Die Kriminalstatistik sage auch sehr wenig über die reale Belastung der Polizei, die Komplexität einzelner Delikte und die Intensität polizeilicher Ermittlungen aus. „Die Schlussfolgerung, weniger Fallzahlen rechtfertigten einen Personalabbau in den Ermittlungsdienststellen der Polizei, ist daher falsch“, sagte Breitner. Die Landespolizei soll von den derzeit rund 8000 Beschäftigen in sieben Jahren insgesamt 122 Mitarbeiter (1,5 Prozent) weniger haben als heute.

Rückgänge in weniger arbeitsintensiven Deliktsbereichen würden durch Anstiege in aufwändigeren Bereichen deutlich überlagert. Hinzu komme ein ständig steigender Bedarf an Spezialisierung, insbesondere im Bereich von Cybercrime. Die Zeit, die für die aufwändige, aber erforderliche Aus- und Fortbildung auf diesem Feld investiert werde, stehe zwangsläufig für die eigentliche Ermittlungsarbeit nicht mehr zur Verfügung. In der Kriminalstatistik tauchen diese Fälle aber nicht auf, wenn sie aus dem Ausland begangen werden. Ein aktueller Abgleich zwischen Kriminalstatistik und elektronischem Fallbearbeitungssystem habe ergeben, dass in 2013 von mindestens 10.000 Fällen der Cybercrime auszugehen ist, die in Schleswig-Holstein aufgenommen und bearbeitet wurden, in der Statistik aber nicht registriert wurden.

Die knapp 12.000 Fälle weniger im Vergleich zu 2012 sind nach Auskunft von Breitner im Wesentlichen auf Rückgänge in den Bereichen Diebstahl und Sachbeschädigung zurückzuführen. Da es weiterhin Massendelikte seien, würden selbst weniger Fallzahlen in diesen Bereichen die Ermittler nicht signifikant spürbar entlasten. „Die zeitgleiche Bearbeitung von mehr als fünfzig Vorgängen ist bei einzelnen Sachbearbeitern nach wie vor keine Seltenheit“, sagte Breitner.

Anders verhalte es sich bei Verbrechen, die wesentlich aufwändiger zu ermitteln seien. Der Anstieg dort gehe insbesondere auf Zuwächse in den Bereichen Wirtschaftskriminalität (plus 1019 Fälle) und Rauschgiftkriminalität (plus 957 Fälle) zurück. „Es handelt es sich oft um schwierig gelagerte Sachverhalte, die im Rahmen umfangreicher Ermittlungen unter Ausschöpfung aller zur Verfügung stehenden Instrumente der Strafprozessordnung aufwändig verfolgt werden“, sagte Breitner.

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Im Bereich der Jugendkriminalität gibt es nach Aussage von Breitner Signale der Entspannung. Der Anteil der Einwohner unter 21 Jahren ist in den letzten zehn Jahren von 22 Prozent auf 20,1 Prozent gesunken. Trotzdem lag der Anteil der Tatverdächtigen unter 21 Jahren zwischen 2004 und 2009 nahezu konstant bei 29 Prozent.

Erstmals seit 2004 ging die Zahl der Wohnungseinbrüche im Land um 1,6 Prozent auf gut 7500 Fälle zurück. Es gab mehr als 130 Festnahmen. „Wir haben 90 Tätergruppierungen in diesem Bereich“, sagte der Leitende Polizeidirektor des Landespolizeiamts, Joachim Gutt. Der Großteil von ihnen agiere international. Schwerpunkte der Einbrüche seien der Hamburger Rand und Kiel.

Trotz des aktuellen Rückgangs um acht Prozent im Vergleich zum Vorjahr machen Diebstähle mit 44,3 Prozent immer noch den größten Anteil aller Straftaten aus. Die Polizisten mussten auch in weniger Fällen von Gewalt (minus knapp 13 Prozent) und sogenannter Rohheitsdelikte (minus 6,2 Prozent) ermitteln. Während die Zahl der Betrugsfälle insgesamt um 1,6 Prozent zurückging, landeten 9,6 Prozent mehr Fälle von Betrug mit Hilfe des Internet auf den Schreibtischen.

Erstmals lag die sogenannte Kriminalitätsbelastung der Menschen im Norden - die Wahrscheinlichkeit, Opfer eines Verbrechens zu werden - unter dem Bundesdurchschnitt der vergangenen Jahre.

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