Tarifstreit am Uni-Klinikum: Es droht ein Dauerstreik

Sitzen als Warnung: Mitarbeiter des Uni-Klinikums Lübeck.
Sitzen als Warnung: Mitarbeiter des Uni-Klinikums Lübeck.

Margret Kiosz von
11. Juli 2014, 12:58 Uhr

Mehr als 1000 Mitarbeiter des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) haben sich seit Donnerstag an den Warnstreiks in Kiel und Lübeck beteiligt. Damit wollen sie ihre Forderungen nach voller Übernahme des Tarifvertrages im Öffentlichen Dienst (TöD) untermauern. Dies wären drei Prozent mehr in diesem Jahr und noch einmal 2,4 Prozent im nächsten. Die Warnstreiks werden Montagmorgen fortgesetzt bevor dann am Abend die Verhandlungen mit dem Klinikvorstand weitergehen.

Sofern die Arbeitgeber kein akzeptables Angebot für die rund 7000 „Nicht-Ärzte“ am UKSH vorlegen, läuft alles auf Urabstimmung und ab Mitte August auf Dauerstreik hinaus. Die Küstenkoalition argumentiert, das UKSH sei eine Anstalt des Landes, deshalb sei der Tarifvertrag der Länder anzuwenden. Damit wäre das Klinikum das einzige Krankenhaus im Norden, das nicht nach TöD bezahlt, der besser ist und die Mitarbeiter besser einstuft. „Wir stehen dann in Lohnkonkurrenz zu allen anderen, das ist nicht zu verantworten“, erklärte gestern Verdi-Verhandlungsführer Steffen Kühhirt. Schon jetzt seien am UKSH-Standort Kiel 49 Schwesterstellen nicht zu besetzen. Der Markt sei eng. Für gute Intensivschwestern würden bundesweit Abwerbeprämien zwischen 5000 und 18 000 Euro bezahlt. Die Verdi-Forderungen seien moderat.

„Streik ist nicht unser Wunsch“, betonte Kühhirt. Zwar mache der Unterschied zwischen TöD und dem Tarifvertrag der Länder für das Land rund zwei Millionen Euro jährlich aus. Doch das Personal habe ein Recht auf faire Bezahlung. Das gelte auch für die Azubis, die – um Geld zu sparen – genauso wie das Servicepersonal in Tochterfirmen ausgelagert wurden. Sie bekommen 30 Prozent weniger als in anderen Kliniken „Das geht schon in den Bereich der Sittenwidrigkeit“, so der Betriebsrat. Es reiche nicht, wenn die Landesregierung sich für gute Löhne in der Wirtschaft einsetze, die guten Vorsätze aber nicht für die eigenen Betriebe reichten. Viele Azubis müssten ergänzendes Hartz IV beantragen, weil die 561 Euro im ersten Lehrjahr nicht zum Leben reichten. Günstige Schwesternwohnheime wurden längst abgeschafft.

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