Stand Up Paddling : SUP – zwischen Trendsport und Mainstream

Am Anfang noch wackelig: Unsere Autorin wagte einen Selbstversuch.
Am Anfang noch wackelig: Unsere Autorin wagte einen Selbstversuch.

Stand Up Paddling ist ein Sport für jedermann, denn es ist leicht zu erlernen. Ein Selbstversuch auf der Ostsee.

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17. Juli 2014, 05:30 Uhr

Glücksburg | Bedeckter Himmel, unruhige See – kein optimales Wetter für einen ersten Stand-Up-Paddling-Versuch auf der Flensburger Förde. Doch eine kurze Einführung und ein paar Trockenvorführungen am Strand später geht’s trotzdem aufs Wasser – den Surflehrer an der Seite. Zunächst auf den Knien, um ein Gefühl zu bekommen, wie das Board sich bewegt, wie es auf den Seegang reagiert und wie es zu lenken ist. Dann wird’s ernst: Mit ein paar Paddelschlägen Schwung holen, dann schnell auf die Füße und los. „Mit der Geschwindigkeit stabilisiert sich das Board“, sagt Surflehrer Christoph Mantz. Lange ausbalancieren ist also nicht drin. Gerade bei Wellengang. „Der Wind ist der natürliche Feind des Stand Up Paddlers.“ Nicht nur die vielen kleinen Wellen erschweren es, die Balance zu halten. Der eigene Körper bietet außerdem viel Angriffsfläche für den Wind.

Seit einem Jahr unterrichtet Christoph Mantz Jung und Alt auf dem Board und verleiht SUP-Bretter sowie das nötige Zubehör an seiner Wassersportstation in Glücksburg Sandwig. Nur ein Schüler habe aufgegeben, sagt er. Alle anderen haben nach ein wenig Übung ihre Runden ziehen können. Ein Sport also für jedermann?

Ja, sagen zumindest Fachzeitschriften oder auch Sportpädagogen. Auch Otto Oldenburg. Vor etwa drei Jahren hat der inzwischen pensionierte Sport-Dozent das „Suppen“ an die Universität Flensburg geholt und Studenten wie Sportbegeisterte ans Board herangeführt.

Stand Up Paddling ist ein Sport, der schnell zu erlernen ist. Vielleicht boomt er deshalb so. Das Beispiel des 2011 verstorbenen und als erster richtiger Stand Up Paddler geltenden US-Amerikaner John Zapotocky zeigt, dass der Sport auch in hohem Alter noch auszuüben ist: Selbst mit über 90 Jahren paddelte er noch mit dem Board auf dem Pazifik vor Hawaii.

Doch die Wassersportszene hat schon viele Trends mitgemacht, die nicht so schnell zu erlernen sind: „Erst war Wellenreiten ganz groß, dann Boogie Boarding, Windsurfen und Kiten. Jetzt ist es SUP“, fasst Oldenburg zusammen. In der Surfszene wurde der Sport lange belächelt, sagt Mantz. Zu langsam. Inzwischen sei er ein gern genommener Ersatz beispielsweise für Windsurfer, wenn Flaute herrscht.

Auch wenn erst seit Kurzem neben Booten, Jetskis und Kitesurfern auch Stand Up Paddler die Ostsee für sich beanspruchen, handelt es sich um eine traditionsreiche Art der Fortbewegung. Schon vor Jahrtausenden paddelten die Bewohner in wasserreichen Gegenden in Asien oder Südamerika auf Bambusbrettern von A nach B. Seit dem 20. Jahrhundert wurde das stehende Paddeln von Surflehrern und Fotografen insbesondere im Surfmekka Hawaii genutzt, um einen besseren Blick auf ihre Schüler zu haben. Vor etwa acht Jahren schwappte der Trend nach Europa, nachdem Anfang des neuen Jahrtausends waren es Profi-Surfer wie Robby Naish oder Laird Hamilton das Stand Up Paddling neu entdeckten.

Doch wie bei den meisten Trendsportarten haben sich auch beim SUP inzwischen verschiedene Ausprägungen wie Race, Wave und Fitness herausgebildet. Beim Racen geht es um Schnelligkeit, mit einem Wave-Board reitet man eine Welle. Bei der SUP-Fitness sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Man könne beispielsweise hervorragend Intervalltraining machen, erklärt Oldenburg. Eine eher klassische Variation, um den Puls in die Höhe zu treiben. Neu hingegen sind immer extremere Ausprägungen wie SUP-Yoga. Hier sind die Balance und die Tiefenmuskulatur gleich doppelt gefragt.

Dass SUP die Fitness fördert, betonen auch die Szenezeitschriften mit ihren Hochglanzbildern, auf denen junge und durchtrainierte Menschen sich auf dem Board verbiegen oder hohe Wellen reiten. „Es gibt aber noch keine medizinisch-wissenschaftlichen Studien dazu, wie sich SUP auf die Fitness auswirkt“, betont Oldenburg. Dass beim Suppen bestimmte Muskelgruppen wie Schulter-, Rücken- und Rumpfmuskulatur besonders beansprucht werden, stehe aber außer Frage.

Ein weiterer Aspekt, der nicht außer Acht zu lassen ist, ist jedoch die Erholung in der Natur – auch dies zeigen die Zeitschriften. Und das praktizieren Christoph Mantz und Otto Oldenburg. Gern paddeln sie quer über die Förde bis nach Dänemark oder machen auf den Ochseninseln Halt.

Morgens und abends sei das Stand Up Paddling am schönsten, erklärt Oldenburg: „Dann hat man die Förde für sich allein.“ Und dann ist es auch egal, ob es sich beim Stand Up Paddling um einen Trend oder schon um Mainstream handelt und wie fit der Sport tatsächlich macht: „Rauf aufs Brett, lospaddeln und Spaß haben – der Trainingseffekt kommt dann ganz von allein.“

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