zur Navigation springen

Nach Klage-Drohung : Streit um A20 entzweit Naturschützer

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Der Vorstoß des Umweltverbands BUND verärgert Minister und Opposition – und sogar die Kollegen vom Naturschutzbund.

Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Reinhard Meyer hat gestern verärgert auf die Kritik des Umweltverbands BUND an seinen Plänen für den Weiterbau der A20 und die Androhung einer erneuten Klage reagiert. „Ich bin sehr irritiert“, sagte Meyer unserer Zeitung. Schließlich strebe er wie die Naturschützer „eine umweltgerechte A20“ an. Zwar wolle er die Autobahn bei Bad Segeberg auch möglichst rasch fortführen, werde aber weiter das Gespräch mit den Umweltverbänden über den besten Schutz der durch den Verkehr bedrohten Fledermäuse suchen. Bei manchen Kritikern habe er allerdings den Eindruck, dass sie die Debatte dazu nutzen wollten, „die A20 ganz zu verhindern“. Das werde mit ihm nicht gehen, sagte der SPD-Mann.

Die Landeschefin des Umweltverbandes BUND, Ina Walenda, hatte Meyer angegriffen, weil der die A20 zwischen Bad Segeberg und Wittenborn auf der bisher geplanten Trasse weiterbauen lassen möchte – obwohl das Bundesverwaltungsgericht die Pläne wegen ungenügender Schutzmaßnahmen für die dort lebenden Fledermäuse kürzlich für rechtswidrig erklärt hat. Meyer will auf das Urteil unter anderem mit einem Tempolimit von 60 Stundenkilometern für den Autobahnabschnitt reagieren. Das allerdings halten die Naturschutzverbände nicht für ausreichend. Der BUND favorisiert vielmehr eine andere Linienführung mit einem Tunnel durch Bad Segeberg. Sollte Meyer weiter auf der alten Trasse planen, „läuft er in ein neues Gerichtsverfahren“, hatte Walenda gewarnt. Der Minister sagte dazu, dass er außer der bisher geplanten Trasse noch weitere prüfen lasse.

Aus der Opposition im Landtag kam ebenfalls Kritik an den Naturschützern. „Frau Walenda sollte mit ihren Mitstreitern aus der Fledermaushöhle kommen und mit den betroffenen Menschen reden“, schimpfte CDU-Verkehrsexperte Hans-Jörn Arp. Mit ihrer „radikalen Haltung“ würden die Naturschutzverbände die Menschen „zunehmend gegen den Umweltschutz aufbringen“. Arps FDP-Kollege Christopher Vogt kritisierte, dass es „den Ansprechpartnern bei den Naturschutzverbänden nicht um sachgemäßen Tierschutz geht, sondern ums Prinzip und persönliche Profilierung“. Am Ende würden sie ohnehin wieder klagen. Er forderte Minister Meyer daher auf, „wasserdichte Pläne vorzulegen und sich nicht mit Tempo-60-Vorschlägen lächerlich zu machen“.

Selbst der Naturschutzbund Nabu distanzierte sich von der Klageandrohung durch den BUND. „Seitens des Nabu gibt es keine irgendwie geartete Klageandrohung“, sagte Sprecher Ingo Ludwichowski. Ob sein Verband später Rechtsmittel einlegen werde, hänge schlicht davon ab, „ob das Land die Hinweise im Gerichtsurteil im gebotenen Umfang berücksichtigt“. Er gehe jedoch davon aus, dass das Land den berechtigten Belangen des Naturschutzes – anders als bei der rechtswidrigen früheren Planung – „das gebotene Gewicht gibt“. Ein Tempolimit zum Schutz der Fledermäuse hatte aber auch der Nabu für unzureichend erklärt.



zur Startseite

von
erstellt am 27.Feb.2014 | 15:44 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen