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Betrugsverdacht : Strafanzeige gegen „falsche“ Lehrerin

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Sie fälschte ihr Staatsexamen und unterrichtete am Gymnasium in Mölln – eine „falsche Lehrerin“ steht unter Betrugverdacht. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

shz.de von
erstellt am 03.Mai.2013 | 01:14 Uhr

Kiel/Mölln | Die Kieler Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts des Betrugs und der Urkundenfälschung gegen eine "falsche" Lehrerin aus Mölln (Kreis Herzogtum Lauenburg). Das Bildungsministerium habe Strafanzeige gegen die Frau gestellt, sagte die Kieler Oberstaatsanwältin Birgit Heß gestern. Das Ministerium werfe der Frau vor, sich mit gefälschten Staatsexamina eine Stelle als Deutsch- und Wirtschaft/Politik-Lehrerin an einem Gymnasium erschlichen zu haben.

Die Frau unterrichtete seit 2008 am Möllner Marion-Dönhoff-Gymnasium - in diesem Schuljahr erstmals auch in der Oberstufe. Sie unterrichte einen 12. und einen 13. Jahrgang im Fach Wirtschaft/Politik, sagte Ministeriumssprecher Schunck. Dem neuen Schulleiter war die Diskrepanz zwischen ihren guten Examensnoten und dem Auftreten an der Schule aufgefallen. "Die Performance war ganz anders als die Bewertung", sagte Bildungsministeriums-Sprecher Thomas Schunck. Zuvor, so wird aus Mölln berichtet, habe es schon zahlreiche Beschwerden von Schülern und Eltern gegeben.

Im Dezember wurde die Lehrerin suspendiert; im Februar wurde ihr schließlich der Beamtenstatus entzogen. Außerdem fordert das Ministerium nun das Gehalt der vergangenen vier Jahre zurück. Dabei dürfte es um einen Betrag in der Größenordnung von rund 200 000 Euro gehen.

Die 1965 in der ehemaligen DDR geborene Frau hat vor ihrem Wechsel nach Schleswig-Holstein in Brandenburg und Berlin als Lehrerin gearbeitet. Sie hatte 1990 - nach der Wende ab vor der Wiedervereininigung - ihr Diplom in Deutsch und Staatsbürgerkunde abgelegt. Da letzteres als Propagandafach galt, machte sie daraus laut Ministerium in einem ersten Täuschungsschritt "Sozialkunde". Später fälschte sie dann Abschlüsse im ersten und zweiten Staatsexamen an einen nordrhein-westfälischen Hochschule.

Ehemalige Schüler müssen keine Nachteile fürchten. Laut Ministerium hat der Schulleiter die betroffenen Schüler bereits von anderen Lehrern bewerten lassen, so dass rechtssichere Noten gegeben werden könnten. Die Lehrerin habe zwar als Zweitkorretorin an Abiprüfungen mitgewirkt, eine Kontrolle habe aber ergeben, das ausnahmslos die Noten des Erstkorrektors vergeben wurden. Probleme könnten jedoch auf Zehntklässler zukommen, die sich mit dem Mittelzeugnis um eine Lehrstelle bewerben und von der Lehrerin unterrichtet wurden. Auf dem Zeugnis ist nämlich im Fach Wipo (Wirtschaft und Politik) nur der Vermerk "hat teilgenommen" eingetragen, weil "keine justiziablen Noten" gegeben werden konnten. "Auf Wunsch stellt die Schulleitung den Betroffenen ein Begleitschreiben aus, in dem der Sachverhalt erläutert wird, versicherte Schunck.

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