Stillstand an der Schlei

Mit großen Schautafeln wirbt Team Vivendi für den neuen Stadtteil „Auf der Freiheit“ direkt an der Schlei.
Mit großen Schautafeln wirbt Team Vivendi für den neuen Stadtteil „Auf der Freiheit“ direkt an der Schlei.

Streit um Bebauungsplan bremst eines der größten Konversionsprojekte in Schleswig-Holstein

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15. Juli 2014, 12:32 Uhr

Eines der größten Konversionsvorhaben im Land ist abermals ins Stocken geraten. Eigentlich wollte Projektmanager Volker Schlüschen in diesem Sommer mit dem Bau eines Binnenhafens auf dem Gelände der ehemaligen Schleswiger Kaserne „Auf der Freiheit“ beginnen. Doch nun bremsen ihn Einwände der benachbarten dänischen A.P.-Møller-Schule sowie von Fischern und Naturschützern aus. Somit muss Schlüschen, Geschäftsführer der Entwicklungsgesellschaft Team Vivendi, weiter auf die Verabschiedung eines Bebauungsplanes und damit auf eine Genehmigung für das 21-Millionen-Euro-Projekt warten, das den Bewohnern ein exklusives Leben mit Yacht vor der Haustür verspricht.

„Ich bin vollkommen frustriert. Die Stadt hat es in sechs Jahren nicht geschafft, einen B-Plan zu verabschieden“, wettert Schlüschen gegen die Verwaltung. „Wir wären längst mit dem Binnenhafen gestartet.“ Es gebe ein bemerkenswertes Interesse am „Yachthafen-Quartier“ mit seinen 104 Grundstücken. Der Binnenhafen ist das Herzstück des Konversionsprojektes. Bislang wird nur im westlichen Teil des 60 Hektar großen Areals gebaut. Dort sind bereits diverse Wohnhäuser in dem neuen Schleswiger Stadtteil am Ufer der Schlei entstanden. Der östliche Teil der Freiheit hingegen liegt größtenteils brach.

Die Stadtverwaltung gibt den Schwarzen Peter an Schlüschen zurück. „Er hat immer wieder neue Vorstellungen eingebracht“, sagt Bürgermeister Arthur Christiansen. Das habe dazu geführt, dass der ursprünglich im Jahr 2008 aufgestellte B-Plan immer wieder neu ausgelegt werden musste. Zuletzt in diesem Frühjahr. Dabei wurden von verschiedener Seite Bedenken vorgetragen. Christiansen spricht von „schwerwiegenden Punkten“. Das Problem: Der Entwurf für den B-Plan umfasst den ganzen östlichen Bereich der Freiheit und damit nicht nur den geplanten Binnenhafen, sondern auch den Außenhafen, der später einmal hinzukommen soll. Letzterer bereitet Naturschützern und Fischern große Sorgen. Sie befürchten, dass sich der Wasserlauf der Schlei zu stark verändern würde – mit nachhaltigen Auswirkungen auf das ökologische System wie etwa die Laichplätze der Fische.

Auch der Binnenhafen stößt auf Kritik. Es geht um die Frage, ob das stehende Wasser zu einer starken Geruchsbelästigung führen könnte. Die A.P.-Møller-Schule sorgt sich zudem um die Stabilität ihres Gebäudes, weil der Hafenbau den Untergrund verändern könnte. Ferner hat sie die geplante viergeschossige Höhe der Wohnhäuser rund um das Hafenbecken moniert. Man sorgt sich um den freien Blick über die Schlei.

Team Vivendi ist zuversichtlich, sämtliche Einwände ausräumen zu können. Es gebe konstruktive Gespräche mit den dänischen Nachbarn, erklärt Sprecher Michael Radtke. Doch während Radtke davon ausgeht, dass der Außenhafen vorerst ausgeklammert bleibe, stellt das Bauamt klar, dass sich der B-Plan 88 auf das ganze Areal bezieht. „Es handelt sich um ein riesengroßes Zukunftsprojekt. Das muss sehr gründlich vorbereitet werden“, stellt Bürgermeister Christiansen klar. Dabei gelte es, eine Balance zwischen den unterschiedlichen Interessen herzustellen. Der B-Plan könne frühestens Ende des Jahres verabschiedet werden, glaubt Christiansen. Wenn überhaupt. „Wir wissen nicht, was bei den notwendigen Gutachten herauskommt. Hinsichtlich des Wasserlaufs machen wir uns schon Sorgen“, so Christiansen weiter.

Team Vivendi kommt die Hängepartie teuer zu stehen. Mit dem Binnenhafen wollte Schlüschen auf der Freiheit das erste Mal überhaupt richtig Geld verdienen. Ende vergangenen Jahres stand der Projektentwickler kurz vor der Pleite, weil auch im westlichen Teil des Kasernengeländes mangels finanzieller Mittel noch viele Vorhaben nicht umgesetzt werden konnten.

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