Stillstand am Flughafen

Schlange stehen am Hamburger Flughafen:  Tausende  Reisende  konnten gestern  nicht starten.dpa
Schlange stehen am Hamburger Flughafen: Tausende Reisende konnten gestern nicht starten.dpa

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19. Januar 2013, 01:14 Uhr

Hamburg | Den entnervten Menschen in den Endlos-Schlangen klang es wie Hohn in den Ohren. Während sich gestern am Hamburger Flughafen Tausende vor den bestreikten Kontrollstellen die Beine in den Bauch standen, hörten sie ihre Flugzeuge über sich abheben. Die meisten Jets verließen Fuhlsbüttel leer oder halbvoll. "Das ist eine Riesen-Frechheit", schimpfte Frank-Michael Lewald (39). Gerade hatte der Hamburger Geschäftsmann seinen 8-Uhr-Flieger nach Frankfurt verpasst.

Wie ihm erging es den meisten derjenigen, die vom ganztägigen Ausstand des Sicherheitspersonals kalt erwischt wurden. Etwa 12 000 Flugreisende dürften ihre Maschinen verpasst haben, bilanzierte der Airport am späten Nachmittag eines chaotischen Tages. Verdi hatte die 600 Luftsicherheitsassistenten von 3.45 Uhr bis 23 Uhr in den Ausstand gerufen. Dass dies bevorstehen könnte, hatte die Gewerkschaft am Mittwoch zwar angekündigt, aber keinen Tag genannt.

Verdi will für die Sicherheitskontrolleure einen Stundenlohn von 14,50 Euro statt 11,80 Euro durchsetzen. Streikleiter Peter Bremme: "Wir betteln nicht mehr. Die Mitarbeiter wollen einen Lohn, von dem sie vernünftig leben können." Verdi habe jedes Maß verloren, konterte Harald Olschok, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Sicherheitswirtschaft (BDSW). Die angebotene Erhöhung auf 12,50 Euro entspreche einem Plus von 5,9 Prozent.

In Fuhlsbüttel erledigt der private Dienstleister DSW die Handgepäck- und Personenkontrollen im Auftrag der Bundespolizei. Gestern mussten die Beamten selber ran, konnten das Desaster aber nicht verhindern. Von 40 Kontrollspuren waren bestenfalls drei besetzt, zeitweise nur eine. Statt sonst 1500 Passagieren pro Stunde wurden keine 200 abgefertigt. Die Folge: Der Bandwurm wartender Flugreisender schlängelte sich über die gesamte Länge und Breite der Terminals. Flughafensprecherin Stefanie Harder: "Manche standen bis zu vier Stunden."

Dabei versagte Manchem der Kreislauf. Das Rote Kreuz musste etwa 20 Menschen wegen Schwächeanfällen behandeln. Unter den Wartenden lagen die Nerven blank. Derweil versuchten die Streikenden, vor dem Flughafengebäude um Verständnis zu werben.

Den Flughafen kostet der Ausstand rund 500 000 Euro. Von 176 geplanten Abflügen wurden 63 komplett gestrichen. Airport-Chef Michael Eggenschwiler: "Ein schwarzer Tag für die Luftfahrt in Hamburg und ein deutlicher Imageverlust für unsere Branche in Deutschland."

Heute und morgen werde das Sicherheitspersonal wieder arbeiten, versprach Bremme. Er schloss aber nicht aus, dass Verdi schon am Montag wieder zum Streik aufrufen könnte. "Die Gegenseite muss sich endlich bewegen."

Am Abend hatte der Andrang in den Abflughallen nachgelassen. Allerdings saßen dort noch mehrere hundert Passagiere fest. Der Flughafen und Fluglinien wie Lufthansa und Air Berlin bemühten sich, Hotelzimmer für die Gestrandeten zu organisieren. Airport-Sprecherin Stefanie Harder: "Wahrscheinlich werden wir aber nicht alle Reisenden unterbringen können." Für sie ließ der Airport in Terminal 1 mehr als 100 Feldbetten aufstellen. Mitarbeiter versorgten die Zurückgebliebenen mit Getränken und Snacks.

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