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Fahnder auf der Urlaubsinsel : Steuerrazzia schockt Vermieter auf Amrum

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Fahnder suchen nach falschen Abrechnungen für Ferienwohnungen und Strandkörbe.

shz.de von
erstellt am 25.Okt.2014 | 09:01 Uhr

Amrum | Der Sommer 2014 bescherte der Insel Amrum fast karibische Verhältnisse und Vermietern von Ferienwohnungen und Strandkörben prächtige Einnahmen. Alles war gut – bis Ende September zwei Busse auf der Insel landeten. An Bord: 20 Steuerfahnder. Seitdem schauen etliche der 70 kontrollierten Vermieter besorgt in den Briefkasten. Sie warten auf Post vom Staatsanwalt.

Gesucht wurde per richterlichem Beschluss nach Beweismaterial dafür, dass schwarz – also am Fiskus vorbei – vermietet worden ist. Solche Schwerpunktprüfungen sorgen in Fremdenverkehrshochburgen an Nord- und Ostsee immer wieder für Aufregung. „Besonders dort, wo Bar-Geschäfte ohne elektronische Kasse abgewickelt werden, wird vom Finanzamt genau hingesehen“, sagt der Chef der Steuerberaterkammer, Lars Lanbin, aus Neustadt in Holstein. „Die Fahnder sammeln sogar Wetterberichte, um zu prüfen, ob etwa die Angaben der Strandkorbvermieter plausibel sind.“ Auch von Luftbildaufnahmen der Strände wird berichtet, um die Umsatzangaben der Tourismusbranche auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen.

Auf Amrum schlagen die Wellen immer noch hoch: „Verdächtig sind alle, die in ihren Steuererklärungen pro Ferienwohnung weniger als 170 Übernachtungen angegeben haben“, berichtet ein Insulaner, der sich darüber empört, dass „die Schnüffler sogar Schubladen im Schlafzimmer durchwühlt haben“. Erbost ist man auch, weil Hochbetagte von Fahndern heimgesucht wurden. „Meine Mutter ist 92 und hat in ihrem Leben noch nie Ärger mit dem Finanzamt gehabt, der sitzt der Schreck noch immer in den Knochen“, schildert Sohn Gernod Schade. Die Aktion sei „unzumutbar gewesen“, zumal eine Steuerschuld offenbar bei einigen Betroffenen gar nicht besteht.

Auch in der Amrumer Kurverwaltung tauchten Prüfer auf und forderten Einsicht in die Konten zur abgeführten Kurabgabe einzelner Vermieter, wie der Chef von „Amrum Touristik“, Frank Timpe, bestätigt. „Wir haben natürlich unsere Mitwirkungspflicht erfüllt.“ Allerdings bezweifelt Timpe, dass Quartiere im Schnitt 170 Tage im Jahr belegt sind. „Die Zahl liegt weit über dem von uns ermittelten Insel-Durchschnitt.“ Zudem sei die Bandbreite je nach Lage, Service, Werbung und Ausstattung sehr groß. Besonders bei älteren Vermietern sei der unterstellte Wert eher unrealistisch.

Bei neueren Objekten liegt der Fiskus aber wohl doch richtig. Thomas Müller, Chef beim Nobelmakler Engel&Völkers auf Föhr, meint, „in den Amrumer Inseldörfern sind schnell 200 Tage vermietet“. Nur im Fährort Wittdün sei die Zahl der Tage geringer. Selbst Insulaner räumen hinter vorgehaltener Hand ein, „dass das Austricksen des Finanzamtes zum Volkssport erklärt wird“.

Lanbin zeigt dafür kein Verständnis. Wenn es Auffälligkeiten gibt und Indizien für Hinterziehungen sprechen, dann müsse der Fiskus handeln. „Die schwarzen Schafe sollten sich nicht beklagen“, so sein Ratschlag.
 

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